Wiener Rentenmarkt setzt im Späthandel den Ausverkauf fort

Wien (APA) - Der Ausverkauf am österreichischen und europäischen Anleihemarkt hat sich am Donnerstag weiter fortgesetzt. In allen Laufzeiten...

Wien (APA) - Der Ausverkauf am österreichischen und europäischen Anleihemarkt hat sich am Donnerstag weiter fortgesetzt. In allen Laufzeiten der hiesigen Staatsanleihen tendierten die Renditen höher und verbuchten damit Kursverluste.

Der Zinsanstieg war bis auf wenige Ausnahmen nicht nur in ganz Europa, sondern auch in Asien zu beobachten. Zehnjährige japanische Staatsanleihen rentieren derzeit mit 0,42 Prozent - nach 0,28 Prozent Mitte April. In Europa werfen britische Staatspapiere wieder mehr als zwei Prozent ab, französische Titel mehr als ein Prozent. Vor wenigen Wochen waren es jeweils gut 0,5 Prozentpunkte weniger. Auch zehnjährige Anleihen des „sicheren Anlagehafens“ Schweiz rentieren wieder klar im positiven Bereich. In Österreich tendierten nur die zweijährigen Bundespapiere im Minusbereich.

Die Anleihemärkte scheinen in den vergangenen Jahren derart heiß gelaufen zu sein, dass sich jetzt die lang erwartete Korrektur vollzieht. Als weiterer Grund für die steigenden Renditen verweisen Experten auf bessere Konjunkturaussichten für den Euroraum. Die Erwerbstätigenquote der 20- bis 64-Jährigen ist in der EU 2014 gegenüber dem Jahr davor von 68,4 auf 69,2 Prozent gestiegen. Das Ziel für 2020 lautet 75,0 Prozent. Österreichs Erwerbsquote nahm von 74,6 auf 74,2 Prozent ab, womit man vom nationalen Ziel 2020 mit 77,0 Prozent etwas wegrückte. Unterdessen wurde bereits in der Früh bekannt, dass die deutsche Industrie im März zwar mehr Aufträge erhalten hat, jedoch weniger als prognostiziert.

Experten sind über das Ausmaß Renditezuwächse dennoch erstaunt, weil die Europäische Zentralbank (EZB) nach wie vor in erheblichem Umfang Staatsanleihen kauft und keine Anzeichen gibt, diese vorzeitig zu beenden oder zu verringern. Normalerweise sollten die EZB-Käufe die Kurse stützen und dazu führen, dass die Renditen zumindest nicht nennenswert steigen.

Um 16.30 Uhr notierte die Leitemission am europäischen Rentenmarkt, der deutsche Euro-Bund Future mit Juni-Termin, mit 153,87 um 6 Basispunkte unter dem Schluss-Stand vom Vortag (153,93). Heute Früh notierte der Rentenfuture mit 152,59. Das Tageshoch lag bisher bei 154,28, das Tagestief bei 151,44, die Tagesbandbreite umfasst damit bisher 284 Basispunkte. In Frankfurt wurden bisher etwa 1.607.994 Juni-Kontrakte gehandelt.

Die Rendite der 30-jährigen heimischen Bundesanleihe lag am Nachmittag bei 1,27 (zuletzt: 1,25) Prozent, die der zehnjährigen Benchmark-Anleihe bei 0,71 (0,68)Prozent, jene der fünfjährigen bei 0,12 (0,10) Prozent und die Rendite der zweijährigen Emission betrug -0,20 (-0,22) Prozent.

Der Rendite-Spread zur vergleichbaren deutschen Benchmark-Anleihe betrug für die 30-jährige Bundesanleihe am Nachmittag 17 (zuletzt: 16) Basispunkte. Die zehnjährige Referenz-Bundesanleihe lag 17 (17) Basispunkte über der deutschen Zinskurve. Für die fünfjährige errechnet sich ein Rendite-Abstand von 17 (16) Basispunkten und für die zweijährige ein Aufschlag von 5 (4) Punkten gegenüber der vergleichbaren deutschen Anleihe.

Börsenkurse und Interbankhandel-Taxen von ausgewählten Benchmark-Anleihen:

~ Emission LZ Kupon Handel --- Rendite Kurs Börse --- -- --- Geld Brief heute zuletzt Bund 44/06 30 3,15 145,31 145,59 1,27 n.v. 105,8 Bund 24/10 10 1,65 108,34 108,41 0,71 n.v. 105,6 Bund 19/10 5 0,25 100,55 100,62 0,12 n.v. n.v. Bund 16/09 2 4,00 105,62 105,71 -0,20 n.v. 106,1 ~


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