Lokführerstreik kostet richtig Geld

Berlin (APA/AFP) - Der Streik der Lokführergewerkschaft GDL tut vielen Seiten weh. Nicht nur der Deutschen Bahn gehen durch den Ausstand Mil...

Berlin (APA/AFP) - Der Streik der Lokführergewerkschaft GDL tut vielen Seiten weh. Nicht nur der Deutschen Bahn gehen durch den Ausstand Millionen verloren. Auch die deutsche Wirtschaft beklagt Einbußen. Auch die Streikenden selbst machen Minus.

DIE DEUTSCHE BAHN:

Der turbulente Tarifkonflikt mit der GDL schmerzt vor allem die Deutsche Bahn. Dem Konzern entgehen Einnahmen, er muss Kosten für die Umplanung von Zug- und Dienstplänen tragen, gestrandete Fahrgäste entschädigen und beispielsweise auch Graffiti an streikbedingt abgestellten Zügen kostenpflichtig entfernen lassen.

Bahn-Chef Rüdiger Grube beziffert die Kosten der sieben ersten GDL-Streiks mit 220 Mio. Euro. In dieser Summe sind die Verluste durch den seit Montagnachmittag laufenden Ausstand noch nicht enthalten. Allein im Güterverkehr entgehen der Bahn laut Logistik-Vorstand Karl-Friedrich Rausch 3 Mio. Euro Umsatz an einem einzigen Streiktag.

DIE DEUTSCHE WIRTSCHAFT:

Auf der Schiene werden für die Industrie tagtäglich wichtige Güter transportiert. Besonders stark bekommen laut BDI die Stahl-, Chemie- und Automobilbranche den Lokführerstreik zu spüren. „Leere Lager, unterbrochene Wertschöpfungsketten und Produktionsausfälle“ seien die Folge. Die Deutsche Bahn will deshalb zwei Drittel der Güterzüge fahren lassen. Der Ersatzfahrplan sieht zudem vor, dass vor allem „versorgungsrelevante Züge“ fahren.

Trotzdem entstehen der Wirtschaft Kosten: Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag geht davon aus, dass ein mehrtägiger Streik Unternehmen leicht mehr als 100 Mio. Euro täglich kostet. Durch den derzeit laufenden Arbeitskampf drohen laut DIHK-Präsident Eric Schweitzer Schäden von 500 Millionen Euro. Laut DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben kann sich ein längerer Bahn-Streik auch als „Bremse für die Konjunktur“ erweisen.

DIE LOKFÜHRERGEWERKSCHAFT GDL:

Bei der Gewerkschaft Deutscher Lokführer schlägt der Streik täglich mit etwa 225.000 Euro zu Buche. Die Gewerkschaft geht davon aus, dass jeden Tag etwa 3.000 Lokführer ihre Arbeit niederlegen. Sie erhalten dafür nach Angaben von Gewerkschaftschef Claus Weselsky 75 Euro netto Streikgeld pro Tag - eine Summe, die den entgangenen Lohn der Beschäftigten nicht kompensiert. Treten tatsächlich 3.000 Mitglieder täglich an sieben Tagen in den Ausstand, kostet das die GDL also insgesamt bis zu 1,6 Mio. Euro.

Wie viel Geld die GDL in der Streikkasse hat, ist - wie bei anderen Gewerkschaften auch - ihr Geheimnis. Bekannt ist: Die GDL gehört zum Deutschen Beamtenbund (dbb) und beantragt dort regelmäßig eine Unterstützung für ihre Streikkasse. Die hat sie bisher auch bekommen. Weselsky spricht von einer „absoluten Solidarität“ von Seiten des Dachverbands. dbb-Chef Klaus Dauderstädt hat aber auch schon dazu geraten, einen „unabhängigen Dritten“ zu den Tarifgesprächen hinzuzuholen.

~ WEB http://www.deutschebahn.com/de/ ~ APA522 2015-05-07/17:26


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