Formel 1: Hamilton steht über allem - „Bin glücklich wie lange nicht“

Montmelo/Barcelona (APA) - Lewis Hamilton ist in der Form seines Lebens. Seinen Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg hat der Formel-1-Weltmeis...

Montmelo/Barcelona (APA) - Lewis Hamilton ist in der Form seines Lebens. Seinen Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg hat der Formel-1-Weltmeister bisher in allen vier Saisonrennen hinter sich gelassen. In den Europa-Auftakt am Wochenende in Montmelo bei Barcelona geht er als haushoher Favorit. „Es läuft noch besser als vergangenes Jahr“, sagte Hamilton. In diesem hatte er immerhin seinen zweiten WM-Titel geholt.

Die Selbstsicherheit ist Hamilton anzusehen, wenn er mit einer großen Goldkette vor die Medien tritt - und dazwischen in eine Riesendose Gummibären greift. Im Qualifying hat den Engländer in dieser Saison überhaupt noch niemand geschlagen. „Ich bin so glücklich wie schon sehr, sehr lange nicht in meiner Karriere“, versicherte der 30-Jährige. Dabei hat er sich erst im Februar wieder einmal von Langzeit-Freundin Nicole Scherzinger getrennt.

Mit dem überlegenen Mercedes kommt Hamilton bisher besser zurecht als Rosberg, der ihn im Vorjahr im Qualifying noch mit 12:7 in die Schranken verwiesen hat. Grund genug für den Champion, sich auf eine Runde noch einmal zu verbessern. „Ich versuche, etwas ruhiger zu sein und weniger Fehler zu machen. Und ich versuche, innovativ zu sein.“ Mit neuen Bremspunkten etwa oder anderen Setup-Einstellungen.

Hamilton scheint sich aber nicht nur auf der Strecke ständig neu zu erfinden. Auf den Europa-Auftakt bereitete er sich in den USA vor - mit einem Besuch der Met Gala in New York und dem Jahrhundert-Boxkampf zwischen Floyd Mayweather und Manny Pacquiao in Las Vegas. „Das Event war cool, der Kampf war aber wirklich nicht gut“, urteilte Hamilton. „Er war viel zu schnell zu Ende. Das hat sich fast wie das Aufwärmen angefühlt.“

Viel lieber hätte der Boxfan einmal einen Schwergewichtskampf von Muhammad Ali gesehen. Dazu sympathisierte er mit Verlierer Pacquiao. „Ich habe mehr Gemeinsamkeiten mit ihm“, meinte Hamilton. „Er war der aktivere, aggressivere Kämpfer. Ich hatte das Gefühl, dass Pacquiao gewonnen hat.“ Die privaten Ausflüge scheint Hamilton als Ausgleich zu brauchen. „Mittlerweile wähle ich die Dinge, die ich mache, aber sehr sorgfältig aus.“

Denn über allem steht das Ziel, mit dem dritten WM-Titel zu seinem Vorbild Ayrton Senna aufzuschließen. Es scheint alles angerichtet - auch wenn die von Ferrari angeführte Konkurrenz mit runderneuerten Autos in Barcelona zum Angriff bläst. „Wir haben keine Tonne Updates hierher gebracht“, blieb Hamilton ruhig. „Es ist die Philosophie des Teams, dass wir eher auf Qualität als auf Quantität setzen.“

Das Auto ist ohnehin gut genug. Hamilton fühlt sich darin noch wohler als im Vorgängermodell. „Ich habe noch mehr Vertrauen. Es ist eigentlich dasselbe Auto, aber es ist besser - in allen Bereichen“, erklärte der Brite, der sich, so scheint es, derzeit nur selbst schlagen kann. „Ich fühle mich in meiner besten Phase.“ Saisonübergreifend hat Hamilton neun der vergangenen elf Rennen gewonnen. Einen neuen Vertrag bei Mercedes hat er dennoch noch nicht unterschrieben.

Sein aktueller Kontrakt läuft mit Saisonende aus. Ein Offert liegt auf dem Tisch, es dürfte sich nur noch an Details spießen. Mercedes-Teamaufseher Niki Lauda geht von einer Einigung bis zum nächsten Rennen in zwei Wochen in Monaco aus. Vertragsangelegenheiten regelt Hamilton selbst. „Es gibt nicht viel Neues, außer dass ich ihn mehrmals gelesen habe“, erklärte der Weltmeister. „Ich bin jetzt fließend im Anwaltsjargon.“


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