Wieder zurück auf Luke sieben

Volksnah und entspannt kehrten die ÖSV-Skispringer Kraft und Hayböck gestern auf den Bergisel heim.

© gepa

Von Benjamin Kiechl

Innsbruck –Ein weißer Opel parkt direkt am Turm der Bergiselschanze. Auf dem Beifahrersitz liegt eine Getränkeflasche, auf dem Rücksitz wartet ein adrett gefaltetes Karohemd. Nichts Aufregendes auf den ersten Blick. Beschauliche Ruhe, nur der Wind pfeift – wie allzu oft – über den Bergisel hinweg. Etwa auf Höhe der Baumkronen hat sich der Besitzer des Autos eingefunden: Michael Hayböck. Schanzenrekordhalter.

Der 24-Jährige sitzt bei Luke sieben neben der Anlaufspur. Vor vier Monaten war er von dort aus zum Rekordflug auf 138 m angefahren. „Ich musste den Sprung sogar noch abbrechen, sonst wäre ich im Gegenhang gelandet“, scherzt der Oberösterreicher. Stefan Kraft, Sieger der verflogenen Vierschanzentournee, lässt neben ihm die Füße baumeln. Er kam – wie sollte es auch anders sein – mit einem Lächeln nach Innsbruck. „Das Auto habe ich in Wiesing geparkt, ich fahre danach zur Freundin in den Pinzgau.“

Die beiden ÖSV-Adler geben sich locker, gesprächig, volksnah. „Letzte Woche waren wir zusammen feiern im Empire, einer Disco im Mühlviertel“, verrät Hayböck. Jetzt sei die Zeit, in der man genießen könne. Zum Entspannen fliegt Hobbypilot und Bischofs-hofen-Sieger Hayböck mit der „Cessna“ seines Flugvereins auch ab und zu über die Tiroler Berge. Kürzlich habe er Co-Trainer Alexander Diess mitgenommen. Der sei meist um keinen flotten Spruch verlegen, „als wir abgehoben sind, war er plötzlich ganz still“.

Kraft wiederum genoss ausgerechnet im skisprungverrückten Deutschland, in Hamburg, mit Partnerin Marisa die Ruhe nach der aufregenden Saison. Nur einmal sei er erkannt worden, als er durch die Hansestadt spaziert sei. „Die Verpflichtungen und Presseanfragen sind nach dem Sieg bei der Vierschanzentournee schon mehr geworden“, sagt Kraft. „Aber Fans zu haben, macht viel Freude.“ Beide posten gerne auf Facebook. „Arbeit kann man das nicht nennen“, meint Hayböck. Resonanz zu bekommen – wie kürzlich auf sein Foto im Barcelona-Dress –, mache Spaß.

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Und so scheint es, dass die Freunde ganz in ihrer inneren Mitte weilen. Keine Spur von zu großem Druck, von Verkrampftheit. Kraft blickt voraus. „Im Juni werden wir die ersten Sprünge auf der Schanze machen.“ Urlauben wolle er freilich auch noch. In Thailand. „Das hat mir Michi empfohlen.“ Den zieht es wiederum in die USA. Nach den „unbegrenzten Möglichkeiten“ will das Duo im kommenden Winter wieder greifen. „Aber jetzt“, sagt Kraft, „gehen wir erst mal in Innsbruck eine Pizza essen.“


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