Benjamin Brittens „Curlew River“ beim Festival Retz 2015

Retz/Wien (APA) - Das Festival Retz „Offene Grenzen“ stellt 2015 neben der Aufführung der Kirchenoper „Curlew River“ von Benjamin Britten da...

Retz/Wien (APA) - Das Festival Retz „Offene Grenzen“ stellt 2015 neben der Aufführung der Kirchenoper „Curlew River“ von Benjamin Britten das Thema „Suche als Lebensaufgabe“ ins Zentrum des Eventreigens, der von 2. bis 19. Juli stattfindet. Man wolle sich ganz der „Sinnsuche der Verlorenen“ widmen, sagte Intendant Alexander Löffler über das Programm, das er Donnerstagnachmittag in Wien vorstellte.

„Curlew River“ wurde in Retz bereits vor zehn Jahren - damals als das erste Projekt des bis heute aktiven Teams - aufgeführt. Für Regisseurin Monika Steiner ist es eine Premiere, dass sie ein Stück ein zweites Mal inszeniert, aber mit „guten Gründen“, meinte sie. Nachdem 2011 und 2013 bereits die beiden weiteren „church parables“ von Britten - „Die Jünglinge im Feuerofen“ und „Der verlorene Sohn“ - aufgeführt wurden, entspreche man nun dem Publikumswunsch, auch „Curlew River“ neu zu inszenieren. Außerdem werde das Werk nun im Unterschied zu damals im Original aufgeführt und im neuen Spielort, der barocken Stadtpfarrkirche St. Stephan: „Es ist außerdem eines der schönsten Stücke, eine der bewegendsten Kurzopern, die ich kenne“, schwärmte Steiner.

Die Madwoman wird - wie bei der ersten Inszenierung - von Tenor Stephen Chaundy gespielt, der Ferryman von Bariton Günter Haumer und der Traveller von Morten Frank Larsen. Larsen habe man, so die Regisseurin, bereits damals angefragt, aber er musste aufgrund der Kurzfristigkeit absagen. In der Zwischenzeit hat der Starbariton u.a. an der Metropolitan sowie an der Wiener Staatsoper gesungen und kommt nun doch noch nach Retz. In der Rolle des „sehr jungen“ Abbot wird Bass Stefan Cerny und als „Spirit of the Boy“ Emilio Haumer sowie Santiago Haumer (Knabensopran) auf der Bühne stehen.

Das Stück handelt nach Motiven des japanischen No-Spiels Sumidagawa von einer Frau, die auf der Suche nach ihrem Kind in eine Art Wahnsinn verfällt und im Schmerz um den Tod ihres Kindes Grenzen überwinden muss. Ein Happy End gibt es nicht, aber sie erfährt zum Schluss das Geheimnis der Gnade der Auferstehung und damit Trost und Heilung. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Andreas Schüller, die Leitung des Chores bei Hannes Marek, das Bühnenbild bei Alexander Löffler: „Die Aufgabe besteht darin, die Einfachheit und Klarheit des Stückes beizubehalten und dabei den Raum der Stephanskirche zu nutzen.“

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Auch das Literatur- und Konzertprogramm ist gekennzeichnet von dem Sujet der Suche und der Wanderschaft. So gestaltet Andrea Eckert am 3. Juli gemeinsam mit dem Merlin Ensemble den Abend „Hiob“. Die „Psalmen“ von Thomas Bernhard treffen dabei auf biblische Texte des Buches Hiob und regen zur Sinnsuche an. Raoul Schrott wird auf „persönlichen Wunsch“ des Intendanten am 4. Juli aus seinem Reisebericht aus dem Drei-Länder-Eck Tschad, Libyen und Sudan, „Die Fünfte Welt“, lesen. Löffler betonte seine Faszination einer Stelle in der Mitte des Buches, wo sich der Reisende in der Wüste findet, „einem leeren Raum, in dem man ganz auf sich selbstzurückgeworfen wird, man ist verzweifelt und beglückt, leer und voll zugleich“.

Ebenfalls im Programm finden sich u.a. die Osttiroler Musicbanda gemeinsam mit dem Puppenspieler und Nestroypreisträger Nikolaus Habjan, der in „Doch bin ich nirgends, ach!“ die Figur des Spaziergängers vorstellt. Auch er verkörpert seinen ganz eigenen Blick auf das Thema Suche.

Darüber hinaus präsentiert das Festival Retz auch dieses Jahr ein hochkarätiges Veranstaltungsprogramm an historischen Spielstätten dies- und jenseits der österreichisch-tschechischen Grenze im Rahmen der grenzüberschreitenden Partnerschaft mit dem Musikfestival in Znojmo (Znaim). Dieses beginnt am 10. Juli mit der CD-Präsentation des Violinvirtuosen Pavel Sporcl „Gipsy Fire“.

(S E R V I C E - Festival Retz, 2. bis 19. Juli, Tickets und Information: Tel. 02942/222352, www.festivalretz.at)


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