Ganz Mils im Theaterfieber

Kann ein Theaterstück einen Ort in Beschlag nehmen? Bei „Die Räuber am Glockenhof“ in Mils ist das der Fall, heuer spielen u. a. Vater Markus und Sohn Benjamin Kölli mit.

© privat

Von Irene Rapp

Mils –Ein Glockengießer – der Hans Gatterer – soll einst am Glockenhof am Volderwald oberhalb von Hall in Tirol nicht nur seinem Handwerk nachgegangen sein, sondern mit einer Räuberbande auch Kaufleute überfallen und umgebracht haben. Als er aufflog und zum Tode verurteilt wurde, erbat er sich, noch eine Glocke für Mils bei Hall gießen zu dürfen, die an seinem Hinrichtungstag läuten solle.

So weit die Geschichte. Eine andere Geschichte ist das Drumherum um „Die Räuber am Glockenhof“, wie Helga Föger-Pittl von der Volksbühne Mils erzählt. Seit 1927 sei das Drama in Mils in den Jahren 1947, 1980, 1990 und 2005 aufgeführt worden. Geplant ist, es künftig alle zehn Jahre auf die Bühne zu bringen. „Es ist ein besonderes Stück“, sagt Föger-Pittl, die auch Regie führt. Nicht nur wegen des Inhalts. „Viele wissen z. B., wer den ,Gatterer’ vor 70 Jahren gespielt hat. Und dann gibt es auch inoffizielle Wertungen, wer der beste ,Gatterer’ war.“

Die Latte liegt also hoch für Markus Kölli, der heuer in der Rolle des Glockengießers zu sehen ist. Für den 52-Jährigen eine Premiere: Seit 35 Jahren ist der Milser beim Verein, hat immer kleine Rollen gespielt. „Vom Pfarrer bis zum Polizisten war alles dabei.“

Deswegen hatte er zu Beginn Bedenken, ob er dieser tragischen Rolle überhaupt gewachsen sei. „Aber nach der ersten Probe war klar, das passt“, erzählt Kölli. Auf der Bühne steht er u. a. mit Sohn Benjamin, den er auf ungewöhnliche Art und Weise ins Boot holte. „Als ich nach Hause kam, lag der Probenplan auf dem Tisch mit meinem Namen. Ich war für die Rolle eines Soldaten vorgesehen, der allerdings nichts sprechen musste“, sagt der 24-Jährige. Bei den ersten Proben fiel er jedoch der Regisseurin auf. Benjamin sprang nämlich für einen ausgefallenen Kollegen ein, spielte den Pater. Und das machte er so gut, dass er auch diese Rolle für die aktuellen Aufführungen bekam.

TT-ePaper gratis lesen

Die Zeitung jederzeit digital abrufen, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

TT ePaper

„Er ist ein Naturtalent. Er wirkt so natürlich“, schwärmt Föger-Pittl von dem Neuzugang. Dabei hatte auch Benjamin – wie der Vater – zunächst Bedenken. „Die Aufregung vor den ersten Proben war größer als vor den Aufführungen.“ Jetzt allerdings gefalle ihm nicht nur das Spielen, sondern auch der Applaus des Publikums. Und obwohl er erst seit Kurzem Mitglied der Volksbühne ist, will er weiterspielen – vielleicht in zehn Jahren den ,Gatterer’?

Dass Vater und Sohn gemeinsam auf der Bühne stehen, ist bei den „Räubern am Glockenhof“ übrigens nichts Besonderes. „Die familiären Verknüpfungen bei diesem Stück sind enorm“, sagt Föger-Pittl. So hätten viele der aktiven Spieler nicht nur in früheren Jahren schon mitgewirkt, sondern vielfach auch ihre Verwandten. Zum Beispiel Anton Gogl, der heuer den ,Sepp’ – einen Bauern – spielt: Sein Vater Anton war 1980 und 1990 Räuber ,Langhans’, sein Großonkel Anton 1927 der ,Hans Gatterer’. „Und schon jetzt sagt einer der zehnjährigen Buben, der heuer mitspielt, dass er in zehn Jahren ein Räuber sein wird“, lacht Föger-Pittl.

Doch mag es auf der Bühne auch rau hergehen, so kann Markus Kölli dem kriminellen ,Gatterer’ doch etwas abgewinnen: „Er ist ein guter Mensch, er wird nur durch den Krieg zu den üblen Machenschaften gezwungen.“

Die nächsten Aufführungen sind übrigens heute Abend, am 13., 15. und 16. Mai im Milser Vereinshaus angesagt. Zwischen den Pausen bleiben die Spieler allerdings hinter der Bühne. „Früher sind die Räuber in der Pause noch schnell ins Gasthaus und haben ein Bier getrunken“, sagt Föger-Pittl. Eine weitere Facette rund um „Die Räuber am Glockenhof“ in Mils.


Kommentieren


Schlagworte