Steinmeier ruft in Wolgograd zu deutsch-russischer Versöhnung auf

Wolgograd (APA/AFP) - Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat bei seinem Besuch in Wolgograd ungeachtet der aktuellen P...

Wolgograd (APA/AFP) - Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat bei seinem Besuch in Wolgograd ungeachtet der aktuellen Probleme zur Versöhnung zwischen Deutschland und Russland aufgerufen. „Dieser Platz war ein Ort des Krieges. Heute ist er ein Ort der Versöhnung“, sagte Steinmeier in einer kurzen Ansprache im Zentrum des einstigen Stalingrad.

In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow wies der Außenminister auch auf die unterschiedlichen Positionen in der Ukraine-Krise hin.

Zusammen mit Lawrow, der ihn bei dem gesamten Besuch begleitete, besuchte Steinmeier anlässlich des 70. Jahrestages des Kriegsendes die Gräber deutscher und sowjetischer Soldaten. In der Kriegsgräberstätte Rossoschka außerhalb der Stadt liegen neben sowjetischen auch mehr als 50.000 deutsche Soldaten begraben. „Russen, Deutsche und alle Völker Europas verbindet ein gemeinsames ‚Nie wieder‘ und eine gemeinsame Verantwortung für den Frieden in Europa“, schrieb Steinmeier in das Gedenkbuch des zentralen Mahnmals Mamajew Kurgan.

Auf dem „Platz der gefallenen Kämpfer“ in Wolgograd nahmen Steinmeier und Lawrow an einem Open-Air-“Friedenskonzert“ der Symphonieorchester Wolgograds und Osnabrücks teil. In seinem Grußwort sagte Steinmeier mit Blick auf die sowjetischen Toten von Stalingrad: „Vor diesen Opfern verneige ich mich als Deutscher in Trauer und ich bitte um Vergebung“.

„Wenn ich eines von hier mitnehme, dann eine noch festere Entschlossenheit, alles Menschenmögliche zu tun, damit es in Europa nie wieder zu Krieg und Vernichtung kommen kann“, sagte der deutsche Außenminister. Er dankte den Menschen des einstigen Stalingrad, die einen Beitrag „auch zum Ende der Schrecken der Naziherrschaft“ geleistet hätten.

Zur Ukraine sagte Steinmeier, gerade angesichts dieses Konflikts sei es ihm wichtig gewesen, des Kriegsendes in Russland zu gedenken. „So sehr wir in manchen Dingen unterschiedlicher Auffassung sind - wir müssen ein gemeinsames Interesse daran haben, den Ukraine-Konflikt friedlich zu lösen.“ Bereits zuvor hatte er gesagt: „Wir wollen in diesen Tagen des Gedenkens an das Ende des Zweiten Weltkriegs in den Mittelpunkt stellen, was uns verbindet, und nicht das, was uns trennt.“ Es gebe die Chance, „an den Gräbern Zehntausender Verständigung über alte Feindbilder zu stellen“. Steinmeier begrüßte Fortschritte, die am Mittwoch im Rahmen der Ukraine-Kontaktgruppe in Minsk auf dem Weg zu einer politischen Lösung erzielt worden seien.

Lawrow sagte, Deutschland sei für Russland „der wichtigste Partner in europäischen und internationalen Fragen“. Mit Blick auf die Ukraine mahnte er besonders die Umsetzung der Vereinbarungen von Minsk durch die ukrainische Regierung an. Nachdrücklich drang er auf direkte Gespräche mit den prorussischen Separatisten in der Ostukraine. Positiv äußerte sich Lawrow zu der Initiative, wieder einen direkten Draht zwischen militärischen Stellen Russlands und der NATO einzurichten.

Die Niederlage der Wehrmacht 1942/43 in Stalingrad gilt als Wendepunkt des Krieges und damit als Anfang vom Ende des NS-Regimes. Am Sonntag reist auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Russland, um mit Russlands Präsident Wladimir Putin in Moskau einen Kranz am Grabmal des Unbekannten Soldaten niederzulegen. Merkel wie Steinmeier vermeiden es wegen der Ukraine-Krise, an der aufwendigen russischen Militärparade teilzunehmen, die am Samstag in Moskau geplant ist.


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