60. Song Contest - Martin Grubinger: „Ich bin Traditionalist“

Wien (APA) - Popevent hin oder her - wenn der Eurovision Song Contest in Österreich stattfindet, bekommt auch die Klassik ihre Bühne. Die Wi...

Wien (APA) - Popevent hin oder her - wenn der Eurovision Song Contest in Österreich stattfindet, bekommt auch die Klassik ihre Bühne. Die Wiener Philharmoniker werden aus Schloss Schönbrunn zum Auftakt der Megashow zur hören sein, während das RSO die Hymne spielt. Und dann kommt als Pausenfüller bis zum Vorliegen des Abstimmungsergebnisses Starpercussionist Martin Grubinger zum Einsatz.

„Es soll multikulturell sein, tolerant, weltoffen, aber zugleich mit Bezug auf unsere Wurzeln“, umriss der 31-jährige Musiker am Donnerstagabend vor Journalisten seine neunminütige Performance. Grubinger hat seit Jänner ein Stück komponiert, das auf Themen aus Mahler- und Bruckner-Sinfonien ebenso beruht wie auf Motivschnipseln von Leos Janacek oder Iannis Xenakis. Diese Originalelemente werden in einem steten und stets bombastischen Wechsel zu Salsa, Funk, Fusion oder Afro-Cuban transformiert.

Bedenken, dass sich Österreich mit dem Seitenprogramm wieder einmal mit den landesüblichen Klischeebildern des Musiklandes präsentiert, kennt Grubinger nicht. „Ich bin in dieser Sache Traditionalist. Ich bin schon sehr glücklich, dass wir in Österreich diese Tradition an klassischer Musik haben - das ist etwas Einzigartiges. Und deshalb die klassische Themen zu nehmen und sie für einen Moment in eine andere Richtung weiterzuentwickeln, dass war schon sehr reizvoll. Wer keine Vergangenheit hat, der hat keine Zukunft - das gilt auch für diese neun Minuten.“

Die Zukunft mit Vergangenheit gestaltet Grubinger dabei nicht alleine, hat er doch 40 Percussionisten und Bläser sowie den Arnold Schoenberg Chor an seiner Seite. „Wir haben alles reingepackt, von dem wir immer geträumt haben“, zeigte sich der Schlagzeuger begeistert von den ihm gebotenen Möglichkeiten, die eben auch spezifisch österreichisch seien: „Wir sind nur acht Millionen - aber wenn sie sich anschauen, wie viele Musiker und Komponisten aus diesem kleinen Land in die Welt gehen, dann ist das schon etwas sehr Besonderes. Wir haben vielleicht nicht so viele gute Fußballer, aber viele Musiker.“

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Abgesehen von der klassischen Musik sei er selbst schon immer Fan des Song Contests gewesen und habe ihn mit seiner Familie gesehen. Und heuer sei vor allem sein Vater Martin Grubinger senior, seines Zeichens Schlagzeuglehrer, aufgeregt. Schließlich hatte er unter anderen Dominic Muhrer und Florian Meindl in der musikalischen Lehre - und damit zwei der drei Makemakes-Mitglieder, der heurigen Österreich-Vertreters beim ESC.

„Mein Vater ist jetzt natürlich total happy, denn jetzt hat er zwei Schlagzeugschüler aus Mondsee dabei“, so Grubinger junior, was natürlich auch für ihn selbst gelte: „Ich hoffe, dass sie gewinnen.“ Schließlich kannte er die beiden bereits als kleine Kinder. Schüler seines Vaters seien heute bei den Philharmonikern oder eben jetzt beim ESC: „Er kann sie für alles begeistern - er ist ein echter Freak.“

Indes zeigte sich auch ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner von Grubingers Interval Act begeistert: „Er spielt mit der Klassik auf einem Niveau, bei dem man einfach nur niederkniet.“ Zugleich sei dies die ideale Gelegenheit, Österreich der Welt als das zu präsentieren, was es sei: „Es gibt kein Land, das so in jeder Pore des Wassers, der Luft, der Erde Musik atmet.“

(S E R V I C E - www.martingrubinger.at)

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