Dem Himmel noch näher: Vom Bergbauern zum Priester

Der 46-jährige Osttiroler Siegmund Bichler beherbergte einst „Mägde auf Zeit“. Nun wird er zum Priester geweiht und verteidigt das Zölibat.

Siegmund Bichler im Widum Axams. „Priester zu sein, ist mein Weg. Ich bin glücklich“, sagt er.
© Thomas Boehm / TT

Von Alexandra Plank

Axams –Am 28. Juni wird Siegmund Bichler im Dom zum Priester geweiht. Auch ein ORF-Team und die Wienerin Evelyn werden dabei sein. Die zweiteilige TV-Reihe „Am Schauplatz – Magd auf Zeit“ mit Bichler erreicht damit ihren Höhepunkt.

Bichler bewirtschaftete im Gailtal einen Hof (1400 Meter Seehöhe). Als Zweitgeborener hatte er das 300 Jahre alte Haus geerbt, nachdem sein älterer Bruder Priester geworden war. Für seine künftige Familie hatte Bichler, der bei den Jungbauern, der Feuerwehr, als Mesner und Gemeinderat aktiv war, ein Haus errichtet. Noch heute steht der Rohbau. Denn der Mensch denkt und Gott lenkt.

2001 starb die Mutter von Bichler, der Vater war schon in jungen Jahren verunglückt. Der Jungbauer interessierte sich für die Aktion der Caritas, die Erntehelfer auf Bauernhöfe vermittelt. „Sie haben mir einige Frauen geschickt, darunter auch die Wienerin Evelyn“, erzählt Bichler, der derzeit sein Diakonatsjahr im westlichen Mittelgebirge absolviert. In der Kirche wirkt der Osttiroler ernst, privat lacht er gerne und viel.

Der ORF hätte Frau Evelyn gefragt, ob er sie für die Doku „Magd auf Zeit“ mit der Kamera begleiten dürfe. So entstand ein filmisches Dokument, das hohen Unterhaltungswert hat. Die hantige 50-Jährige sah den Bauern als Sohn. Ob es gefunkt hätte, wenn sie jünger gewesen wäre? Schallendes Gelächter. „Das ist unabhängig vom Alter, wenn es mit einer Frau gepasst hätte, wäre Familie sicher eine Option gewesen.“

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Bichler ist ein Mann, der sich zu helfen weiß. Das zeigen die ORF-Aufnahmen. Evelyn begehrt eine Garderobe. Bichler klopft einen Nagel in die Holzwand. Evelyn möchte duschen. Bichler zieht die Badewanne in die Küche. Am Herd wird Wasser erwärmt, kaltes dazugemischt und fertig ist die Wellness-Oase.

Drei Jahre später fragt das „Schauplatz“-Team wieder bei Bichler nach. Sie machen Frau Evelyn ausfindig und filmen mit, wie sie den Bauern anruft. „Sie hat eine große Freude gehabt, als ich ihr gesagt habe, dass ich in Innsbruck bin. Endlich sei ich den Hof los und die Frauenherzen stünden mir offen“, sagt Bichler lachend. Dass er im Priesterseminar war, schockte sie. „Wie kann man so blöd sein“, habe sie gesagt, erzählt der 46-Jährige. Aber für ihn sei ganz klar gewesen, dass „das mein Weg ist“. Im Heimatdorf Untertilliach war man sich uneins. Von Ermunterung über „Er hat keine gefunden, jetzt wird er Pfarrer“ bis hin zu „Das zieht er nicht durch“ reichten die Kommentare. Bichler hat es durchgezogen. „Es ist gut, wenn Priester ein Vorleben haben. Dadurch verstehen sie die Probleme der Menschen besser“, ist der Diakon überzeugt. Priester sei für ihn keine Exitstrategie gewesen. „Der Ruf war immer wieder da, aber ich hatte das Problem mit dem Bauernhof“, sagt er. Der ist mittlerweile verpachtet. Er sei glücklich mit seiner Entscheidung, es sei schön, mit Gott so verbunden zu sein und Menschen den Glauben zu vermitteln.

Das Zölibat hält er für sinnvoll: „Eine Familie zu haben und Priester zu sein, könnte ich mir nicht vorstellen. Das ist kein Beruf wie jeder andere.“ Das Ende des Zölibats oder das Frauenpriestertum seien keine Strategie gegen den Priestermangel. „In der evangelischen Kirche gibt es beides, dennoch haben sie die gleichen Probleme.“

Im Widum in Axams lebt er derzeit in einer WG mit zwei weiteren Geistlichen. Die Häuserin kocht und putzt, die Männer waschen und bügeln selbst. Wie wäre es mit einer Doku-Soap „Die Priester-WG“? Nein, sagt Bichler bestimmt. Irgendwann sei Schluss mit lustig.

Schauplatz Bergbauernhof: Siegmund Bichler führt „Magd“ Evelyn in die ganz speziellen Badegewohnheiten ein.
© Screenshot

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