Oliver Hirschbiegel: Georg Elser lehrt uns Mut und Zivilcourage

Berlin/Wien (APA/dpa) - Regisseur Oliver Hirschbiegel (57) zeichnet mit „Elser“ das Leben jenes Mannes nach, der die Weltgeschichte hätte ve...

Berlin/Wien (APA/dpa) - Regisseur Oliver Hirschbiegel (57) zeichnet mit „Elser“ das Leben jenes Mannes nach, der die Weltgeschichte hätte verändern können. Nur 13 Minuten fehlten, damit die selbst gebaute Bombe des schwäbischen Schreiners am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller Adolf Hitler getötet hätte. Der Film sei auch ein Stück über die Verantwortung jedes Einzelnen, wie Hirschbiegel im dpa-Interview sagt.

Frage: Zehn Jahre nach „Der Untergang“ über die letzten Tage Adolf Hitlers erinnern Sie mit „Elser“ an den Hitler-Attentäter. Versuchen Sie damit einen anderen Zugang zum Thema Nationalsozialismus?

Antwort: Ja, das kann man so sagen. Georg Elser hat mich immer fasziniert. Auf ihn bin ich in der Schulzeit gestoßen. Damals galt er als seltsamer Vogel, der sich in der Idee verrannt hatte, Hitler umzubringen.

Frage: Im „Untergang“ haben Sie einen monströsen Hitler gezeigt. Bei „Elser“ ist die Hauptfigur ein Einzelgänger aus dem Volk. Das ist ein ziemlicher Kontrast.

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Antwort: Das Geheimnis ist die Besetzung. Christian Friedel ist ein Ausnahmeschauspieler, auf einer Stufe mit Bruno Ganz. Er hat eine Energie und eine Präsenz, die extrem ungewöhnlich sind, ohne Aufwand oder Eitelkeit.

Frage: Die Figur Hitler kennen wir aus Dokumentarfilmen, von Elser gibt es kaum Bilder...

Antwort: Ich hatte zu ihm eine Verbindung, wie sie etwa ein Schriftsteller zu seinen Figuren hat. Und es gibt Fotos. Und dann diese ungemein präzise und radikale Tat: Ein Jahr alleine eine Bombe zu konstruieren. Für den Film habe ich die Bombe nachbauen lassen. Und wenn man sieht, wie Elser aus sich heraus als Freidenker handelt, erfährt man sehr viel über einen solchen Menschen.

Frage: Kann man etwas von Elser lernen?

Antwort: Mut und Zivilcourage. Elser spürt, dass der Nationalsozialismus in die Katastrophe führt. Das ist 1939 eine große Leistung. Das Volk ist wie im Taumel, die Nazis versprechen eine glorreiche Zukunft. Und dieser Mann steht auf und sagt: Da muss man was machen.

Frage: Er sagt einfach Stopp...

Antwort: Im Verhör schreit er es fast heraus: „Seid ihr denn alle wahnsinnig?“ Seine Einsicht gewinnt er aus einer emotionalen Intelligenz, die ihm angeboren ist.

ZUR PERSON: Oliver Hirschbiegel, 1957 in Hamburg geboren, fuhr zunächst als Küchenjunge zur See. In den 80er und 90er-Jahren machte er sich mit TV-Filmen einen Namen. Sein Kinodebüt „Das Experiment“ (2001) wurde gleich mehrfach ausgezeichnet. Das NS-Drama „Der Untergang“ (2004) über die letzten zwölf Tage Adolf Hitlers bekam eine Oscar-Nominierung. Spätere Filme wie „Five Minutes of Heaven“ (2009) und „Diana“ (2013) konnten an den Erfolg nicht anknüpfen.

(Das Gespräch führte Esteban Engel/dpa)


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