Schwäbischer Tüftler baut Zünder von Georg Elsers Bombe nach

Stuttgart (APA/dpa) - „Die Bombe war so sicher konstruiert, die musste funktionieren!“ Der schwäbische Maschinenbau-Techniker Rudolf Hangs i...

Stuttgart (APA/dpa) - „Die Bombe war so sicher konstruiert, die musste funktionieren!“ Der schwäbische Maschinenbau-Techniker Rudolf Hangs ist von den technischen Fähigkeiten seines Onkels Georg Elser überzeugt, der 1939 ein Attentat auf Hitler verübte. Das Attentat schlug fehl, weil Hitler kurz vor Explosion den Bürgerbraukeller in München verlassen hatte. Lange Zeit war der Widerstandskämpfer Georg Elser vergessen.

Jetzt rückt ein Kinofilm das Geschehen ins öffentliche Bewusstsein. Der Film „Elser - Er hätte die Welt verändert“ startet am 15. Mai in den österreichischen Kinos. Der 73-jährige Hangs hat an seinem Wohnort im Remstal bei Stuttgart den Zündmechanismus von Elsers Bombe nachgebaut - die Rekonstruktion soll einmal in der Georg-Elser-Gedenkstätte in Königsbronn gezeigt werden. Dabei hielt sich Hangs an die Angaben seines Onkels, wie sie aus dem Verhörprotokoll der Gestapo hervorgehen.

Der wichtigste Teil des Mechanismus, so erzählt Hangs der Deutschen Presse-Agenturur, sei ein hölzernes Kammrad mit zwölf Zapfen: Alle zwölf Stunden dreht sich dieses um einen Zapfen weiter, sodass sich die Zündzeit für die Bombe bis zu sechs Tage vorher einstellen ließ. „Er wollte ganz sicher gehen und hat deswegen zwei Uhren eingebaut“, sagt Hangs. „Wäre die eine stehen geblieben, wäre immer noch die andere weitergelaufen.“ Drei Zündpatronen und viel Dynamit zeigten außerdem, wie bitter ernst es Elser gewesen sei.

Als einen der Handwerkerehre verpflichteten Perfektionisten beschreibt der Karlsruher Publizist Ulrich Renz den Attentäter. Der Schreiner habe die beiden Uhrwerke in einem mit Kork verkleideten Kasten untergebracht - damit man das Ticken nicht hören konnte. Der Plan habe am 8. November 1939 funktioniert - „was er nicht wissen konnte, war, dass Hitler 13 Minuten früher ging“. Bei der Explosion wurden acht Menschen getötet und 63 verletzt. Damals lag der Überfall des NS-Regimes auf Polen und damit der Beginn des Zweiten Weltkriegs erst zwei Monate zurück. „Ich wollte ... durch meine Tat ein noch größeres Blutvergießen verhindern“, sagte Elser später im Verhör.

„Georg Elser ist mir mit der Zeit richtig ans Herz gewachsen“, sagt Renz. Der ehemalige Chefredakteur und jetzige Mitarbeiter der Georg-Elser-Gedenkstätte stammt aus Heidenheim an der Brenz und beschäftigt sich seit 1956 mit dem Hitler-Attentäter. „Er war ein typischer Älbler, etwas verschlossen, wortkarg, aber sehr zielbewusst.“ Typisch eben für Menschen auf der Schwäbischen Alb.“

In der Nachkriegszeit waren die Einwohner von Elsers Wohnort Königsbronn nicht gut auf diesen zu sprechen. „Ich hatte das Glück, dass ich nicht den Namen Elser trug“, erinnert sich Hangs, dessen Mutter die jüngste Schwester Elsers war. „Noch heute gibt es in Königsbronn einen Kreis von Menschen, die die Meinung vertreten, dass Elser ein Handlanger von irgendwelchen Geheimdiensten war.“

Auch in der DDR wurde Elser weitgehend ignoriert - der Individualist passte nicht in das Geschichtsbild der SED. Baden-Württemberg steht heute zu seinem lange Zeit kaum bekannten Landeskind. Der Elser-Film wurde im April auch in der Landesvertretung in Berlin gezeigt. Der Widerstandskämpfer erfahre so die Würdigung, die er sich durch mutige Zivilcourage verdient habe, hieß es vor dem Elser-Abend in der Landesvertretung Baden-Württembergs.

„Der Film trifft sehr gut die Atmosphäre auf dem Land während der Nazizeit“, sagt Renz. „Die Liebesszenen sind etwas überbetont, aber das muss fürs Kino wohl so sein.“ Der Film, so der Publizist, werde dem Gedenken an Georg Elser großen Auftrieb geben. „Was ich mir wünsche“, sagt Renz mit Blick auf die Attentäter vom 20. Juli 1944, „ist, dass man künftig öfter in einem Atemzug von Elser und Stauffenberg spricht“.

(S E R V I C E - www.georg-elser-arbeitskreis.de)


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