Dem Bargeld geht‘s an den Kragen

TiSpa-Chef Hans Unterdorfer erwartet, dass auch in Österreich bald ein Bargeld-Limit gelten wird. Die Geldwäsche-Prüfung werde strenger. Wer höhere Summen abhebt, wird gemeldet.

(Symbolfoto)
© APA/BARBARA GINDL

Von Nina Werlberger

Innsbruck –Immer mehr Länder ziehen im Kampf gegen Schwarzgeld und Betrug Bargeldschranken ein. In Italien ist es bereits verboten, Beträge ab 1000 Euro cash zu zahlen, in Griechenland liegt die Grenze bei 1500 Euro. Hans Unterdorfer, Vorstandschef der Tiroler Sparkasse (TiSpa), erwartet, dass auch in Österreich künftig nicht mehr grenzenlos bar gezahlt werden kann. „Es wird früher oder später Bargeldbeschränkungen geben“, sagte Unterdorfer am Donnerstagabend beim Tiroler Wirtschafts­talk zum Thema Steuerreform, den die Kammer der Wirtschaftstreuhänder in Innsbruck veranstaltete. Österreich ist eines der wenigen Länder in Europa, die noch keine Bargeld-Schranken haben (siehe Box). Unbegrenzt mit Barem hantiert werden darf etwa auch noch in Deutschland, Slowenien oder Island.

Unterdorfer sagte weiter, dass die Geldwäsche-Prüfung verschärft werden wird. „Eine neue Geldwäsche-Richtlinie kommt.“ Wer größere Summen überweisen oder abheben will, dem wird künftig genauer auf die Finger geschaut. Im Zuge der Steuerreform wird das Bankgeheimnis weiter aufgeweicht, Steuerbehörden sollen ab 2016 Bankkonten einfacher öffnen können. Es wird ein zentrales Kontenregister geben. Und: „Wir werden größere Geldflüsse auch rückwirkend melden müssen“, kündigte der TiSpa-Chef an.

Was genau „größere Geldflüsse“ sind und ab wann diese den Finanzbehörden mitgeteilt werden müssten, sei noch nicht fix. Allerdings ist sich Unterdorfer sicher: „Es werden keine exorbitant hohen Grenzen sein.“ In Europa kristallisiere sich eine „magische Grenze“ von 10.000 Euro heraus – alle Kontobewegungen ab dieser Summe könnten womöglich meldepflichtig werden. Unterdorfer riet dem Publikum daher, „lieber keine ruckartigen Bargeldbehebungen“ zu tätigen.

Ein Tipp, den Volkswirt Gottfried Tappeiner von der Uni Innsbruck nicht gelten lässt: Er rät von einer Stückelung in mehrere kleine Behebungen ab. „Das ist für Steuerprüfer erst recht verdächtig. Besser ist es, einmal eine große Summe abzuheben und eine gute Begründung dafür zu haben.“ Tappeiner widerspricht der gängigen Annahme, dass durch mehr Kontrolle des Bargeldes weniger betrogen würde. Es sei falsch, dass strengere Bestimmungen generell zu mehr Steuerehrlichkeit führen würden, betonte Tappeiner. Skandinavien etwa habe kein beschränkendes Bargeldgesetz und trotz höchster Steuerquoten auch beste Zufriedenheits- und Ehrlichkeitswerte.

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Wird Bargeld also bald abgeschafft? Nein, meint Tap­peiner – schließlich sei es trotz der Kosten und Fälschungsgefahr („Bargeld ist eine heikle Geschichte“) auch ein „kultureller Bestandteil“, an dem die Menschen einfach hängen. Unterdorfer ist sich indes sicher: „Der Bargeldumlauf soll drastisch limitiert werden.“ Und auch Klaus Hilber, Tirol-Präsident der Kammer der Wirtschaftstreuhänder, bemerkt: „Es wird immer schwieriger, Bargeld zu manipulieren. Es kommt zu Beschränkungen.“

Philipp Schwarz, Präsident der Notariatskammer, stellt unterdessen eine große Verunsicherung der Tiroler in Sachen Geld fest. „Die Leute haben ganz massiv wieder Bargeld zu Hause. Das ist wahnsinnig gefährlich. Wenn das Schule macht, wird wieder verstärkt eingebrochen“, meint Schwarz. Seine Kollegen und er würden „mit Verblüffung und Erschütterung“ feststellen, dass viele Leute völlig grundlos große Summen in ihren Schubladen lagern. „Viele haben das Geld nur daheim, weil sie Angst haben, dass sie es bei der Bank irgendwann nicht mehr bekommen.“

Bargeld-Schranken

Italien: Im Kampf gegen Geldwäsche wurde 2012 die Höchstgrenze für Barzahlungen auf 999,99 Euro herabgesetzt. Eine Bezahlung über 1000 Euro ist nur mit einer Debitkarte, einer Kreditkarte, einem Scheck oder per Banküberweisung möglich. Seit 1. Jänner 2014 dürfen Mieten nicht mehr in bar gezahlt werden.

Frankreich: Die Höchstgrenze der Bargeldzahlung liegt bei 3000 Euro (für in Frankreich ansässige Steuerzahler und für ausländische Händler) und bei 15.000 Euro für ausländische Konsumenten.

Griechenland: Barzahlungen sind bis 1500 Euro möglich. Darüber muss per Überweisung, Bankkarte oder Scheck bezahlt werden.

Tschechien: Beträge bis 350.000 Tschechische Kronen (ca. 13.000 Euro) können pro Tag in bar bezahlt werden. Die Barzahlung ist mit bis zu 50 Geldstücken erlaubt. Mit Bankkarte kann uneingeschränkt in bezahlt werden.

Slowakei: Bargeldzahlungen bis 5000 Euro sind möglich bei Geschäften unter Händlern und bei einem Kaufabschluss zwischen einem Kunden und einem Händler. Bei Privatpersonen liegt die Höchstgrenze bei 15.000 Euro.

Schweden, Norwegen, Dänemark, Estland, Ungarn, Niederlande, Spanien, Portugal, Großbritannien: Hier gibt es keine gesetzliche Höchstgrenze. In der Praxis gibt es jedoch Ausnahmen. In Nordeuropa verweigern Händler mitunter die Annahme von Bargeld.


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