Nicola Sturgeon baut mit Triumph der SNP ihre Machtposition aus

London (APA/AFP) - Als „Königin der Schotten“ oder „gefährlichste Frau Großbritanniens“ titulierte die britische Presse Nicola Sturgeon bere...

London (APA/AFP) - Als „Königin der Schotten“ oder „gefährlichste Frau Großbritanniens“ titulierte die britische Presse Nicola Sturgeon bereits im Vorfeld der Parlamentswahlen - dabei trat die schottische Regierungschefin selbst gar nicht an.

Doch ihrer Schottischen Nationalpartei (SNP) gelang es nun, die Zahl ihrer Abgeordneten im britischen Unterhaus von sechs auf 56 fast zu verzehnfachen - diesen Machtzuwachs könnte die ehrgeizige 44-Jährige für die Ansetzung eines neuen Referendums über die Unabhängigkeit nutzen.

Die Zeitung „The Scotsman“ adelte Sturgeon schon im März zur „eindrucksvollsten Politikerin“ von Schottland - und von ganz Großbritannien. Die Juristin hatte die Kampagne ihrer Partei für das Unabhängigkeitsreferendum in Schottland im vergangenen Jahr geleitet. Die Mehrheit stimmte im Herbst schließlich gegen die Abspaltung vom Vereinigten Königreich. Doch bescherte das Referendum der SNP enormen Auftrieb, die Zahl der Mitglieder vervierfachte sich.

Sturgeon übernahm von SNP-Schlachtross Alex Salmond die Parteiführung und wurde im November die erste Frau an der schottischen Regierungsspitze. Nicht nur deswegen, sondern auch wegen ihrer sachlich-nüchternen Beharrlichkeit wird Sturgeon auf der Insel gelegentlich mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel verglichen.

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Durch ihren beherzten Auftritt in einer TV-Wahldebatte sorgte Sturgeon über die Grenzen Schottlands hinaus für Aufsehen. Ihre bissigen Attacken auf die Sparpolitik des konservativen Premierministers David Cameron brachten ihr im linken Lager viel Beifall ein. So mancher neue Anhänger südlich der schottischen Grenze wünschte sich, ihr seine Stimme geben zu können, doch trat die SNP nur im Norden des Vereinigten Königreichs an.

Der Erdrutschsieg der Nationalisten in Schottland wird deutlichen Einfluss auf die künftige britische Regierung haben - auch wenn es nicht zu der von der konservativen Presse als „Frankenstein“-Koalition geschmähten Zusammenarbeit zwischen der Labour Party von Ed Miliband und der SNP kommen wird. An den schottischen Nationalisten als drittstärkste Kraft im Londoner Parlament kommt die britische Regierung nicht mehr so leicht vorbei.

Noch im April hatte Sturgeon Miliband Unterstützung auf dem Weg in die Downing Street angeboten - für eine Labour-Minderheitsregierung von schottischen Gnaden. „Ich will nicht, dass David Cameron Premier bleibt“, sagte sie damals vor laufenden Kameras. Allerdings tauchte kurz darauf eine vertrauliche Gesprächsnotiz auf, wonach sie insgeheim doch auf einen Sieg Camerons setze. Kaffeesatzleser mutmaßten, das würde schneller zu einem zweiten Unabhängigkeitsreferendum in Schottland führen. Zu diesem Ziel bekannte sich Sturgeon öffentlich. Dass sie deswegen aber einen Sieg Camerons wünsche, sei „kategorisch 100 Prozent falsch“.

Obwohl erst 44, blickt Sturgeon schon auf eine lange Parteikarriere zurück. Die Tochter eines Elektrikers wurde in der Industriestadt Irvine südwestlich von Glasgow geboren. Mit 16 trat sie der SNP bei - politisiert durch die Thatcher-Jahre. Die hohe Arbeitslosigkeit damals habe ihr „ein starkes Gefühl für soziale Gerechtigkeit gegeben“, sagte sie der BBC.

Sturgeon studierte Jus und arbeitete als Anwältin. Als 1999 das schottische Parlament aus der Taufe gehoben wurde, gehörte sie zur ersten Welle der Abgeordneten. 2004 hätte sie zum ersten Mal nach dem Parteivorsitz greifen können, überließ aber Salmond den Vorsitz. Seitdem die SNP 2007 stärkste Fraktion wurde, diente sie die meiste Zeit als Gesundheitsministerin in Edinburgh. Mit SNP-Geschäftsführer Peter Murrell ist Sturgeon verheiratet.


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