„Seveso II war in Kematen nie ein Thema“

Makler wurde im Jahr 2010 von der Gemeinde nicht über den Seveso-Betrieb informiert. Weil niemand Bescheid wusste, sagt der Bürgermeister.

Von Denise Daum

Kematen –Seveso III – die von der EU erlassene neue Richtlinie zur Vermeidung von schweren Unfällen mit gefährlichen Stoffen – ist derzeit ein Dauerthema. Deren Vorgängerrichtlinie – Seveso II – schien nicht auf so viel Inter­esse gestoßen zu sein. Wie berichtet, zieht ein Anrainer des Seveso-Betriebs Tunap in Kematen gegen seinen Immo­bilienmakler vor Gericht, da der ihn beim Hauskauf nicht über die benachbarte Firma aufgeklärt hat. In den Augen des Anrainers hat die Immobilienfirma Innreal ihre Auskunftspflicht verletzt.

Gebhard Jenewein, geschäftsführender Gesellschafter der Innreal, hat sich nun nochmals den Akt von damals – der Kauf ging Ende 2010 über die Bühne – angesehen und kommt zu folgendem Ergebnis: Die Gemeinde Kematen habe im Jahr 2010 selbst nicht über die geltende Seveso-II-Richtlinie Bescheid gewusst: „Unsere Mitarbeiterin hat sich sehr wohl telefonisch bei der Gemeinde wegen der Widmung erkundigt. Ihre Frage, ob die Liegenschaft in einer Gefahrenzone liege oder sonstige Eigentumsbeschränkungen, Auflagen oder Baubeschränkungen gegeben seien, wurde ausdrücklich verneint“, sagt Jenewein gegenüber der Tiroler Tageszeitung. Somit habe die Immobilienfirma auch nicht gegen ihre Aufklärungspflichten verstoßen.

Kematens Bürgermeister Rudolf Häusler sagt, dass es dazu keinen Schriftverkehr gebe und er nicht wisse, wer damals der Immobilienfirma am Telefon Auskunft gab. Er sei es nicht gewesen. „Aber ich gebe ehrlich zu: Ich wusste nichts von der Seveso-IIRichtlinie. Das war im Jahr 2010 einfach noch kein Thema.“ Und: Die Auskunft, dass das betreffende Haus nicht in der Gefahrenzone liege, sei auch völlig korrekt. „Eine ausgewiesene Gefahrenzone gibt es nämlich nicht. Nach damaligem Stand der Dinge hat die Gemeinde eine korrekte Auskunft erteilt“, betont Häusler.

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