Unzumutbare Lustbarkeiten

„Die Wahrheit“: ein raffiniertes Verwirrspiel um Lüge und Liebe im Kellertheater.

© Grießenböck

Innsbruck –Michelangelos Gemälde „Leda und der Schwan“ ziert den Paravent im Hotelzimmer, schließlich geht es in „Die Wahrheit“ um Täuschung und Betrug. Dezenz wäre da geboten, Stillschweigen angeraten, doch das schlechte Gewissen quält Alice (naiv-lasziv: Anne Clausen). Schließlich ist der Vertrauensbruch bei dieser Affäre ein gleich doppelter. Michel (herrlich lakonisch- komisch: Klaus Rohrmoser), mit dem sie seit sechs Monaten ins Bett geht, ist der beste Freund ihres Mannes Paul. Über Paul wird trotz der Kürze dieser erotisch-fesselnden Treffen auch viel gesprochen, schließlich hat der Ärmste gerade seinen Job verloren.

„Es gibt einfach keine Ethik, keine Moral mehr auf dieser Welt“, empört sich darob Michel. Das klingt aus dem Mund des Betrügers freilich komisch, selbst Alice muss lachen. Der Humor in dieser Komödie des Franzosen Florian Zeller kommt aber zumeist hintersinniger daher. Es ist ein dramaturgisch raffiniert gebautes Verwirrspiel um Lüge und Wahrheit, um Zumutbares – auch sich selbst gegenüber – und Unzumutbares: „Nur weil du dein Gewissen erleichtern willst, wäre es egoistisch, ihm die Wahrheit zu sagen“, argumentiert Michel selbstgewiss, die Zügel wird er aber nicht mehr lange in Händen halten.

Denn die Landnahme von Frauenkörpern, die per Trauschein dem Tennisgegner bzw. besten Freund zugesprochen wurden, hat schon viel früher begonnen. Zumindest legt das Paul (Hans Danner als zugleich aus der Bahn geworfener wie in sich ruhender Sparringspartner) bei einer Aussprache mit Michel nahe. Und schließlich scheinen alle Fäden doch bei dessen nur scheinbar düpierten Ehefrau Laurence (Ute Heidron als großartige Strippenzieherin) zusammenzulaufen.

Es ist ein Vergnügen, den vier Darstellern durch die Wendungen dieses Stücks zu folgen, das von Regisseur Manfred Schild als charmante Narrenposse inszeniert wurde – auch wenn die Komödie nicht immer ganz so rasant daherkommt, wie es der französisch-frivole Grundton nahelegen würde.

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Mehr von Autor Zeller gibt es indes mit der tragischen Farce „Vater“, die gestern Abend in den Innsbrucker Kammerspielen zur österreichischen Erstaufführung kam, zu entdecken. (sire)


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