70 Jahre Kriegsende: Faymann: Verneigen uns vor Befreiern

Wien (APA) - Mit einem Festakt im Bundeskanzleramt hat die Regierung Freitagmittag der Befreiung vom Nationalsozialismus und des Endes des Z...

Wien (APA) - Mit einem Festakt im Bundeskanzleramt hat die Regierung Freitagmittag der Befreiung vom Nationalsozialismus und des Endes des Zweiten Weltkrieges in Europa gedacht. „Wir verneigen uns heute vor all jenen, die Österreich befreit haben“ und vor allen Österreichern, die vom Nationalsozialismus verfolgt wurden, erklärte Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) in seiner Ansprache.

Am 8. Mai vor 70 Jahren habe der Zweite Weltkrieg mit der Kapitulation der Deutschen Wehrmacht in Europa geendet. Der 8. Mai sei zugleich ein Ende und ein Anfang, erklärte Faymann. Es sei das Ende von Verfolgung, Unterdrückung und Demütigung gewesen, das Ende der Ausbeutung von Millionen Zwangsarbeitern. Mit dem Verfassungsgesetz über das Verbot der NSDAP sei ein Trennstrich zum Nationalsozialismus gezogen worden. Gleichzeitig war der 8. Mai für Österreich ein Anfang, ein „Tag der Befreiung“, und Österreich konnte als Demokratische Republik wieder auferstehen.

Nach Kriegsende seien viele Konsequenzen gezogen worden, die Auseinandersetzung mit der Geschichte sei aber zum Teil nur zögerlich erfolgt, räumte Faymann ein. Die „unvorstellbaren“ Opfer der Juden, Roma und Sinti sowie vieler anderer werde „unsere Generation nie richtig begreifen können“, er zeigte sich aber dankbar gegenüber den Zeitzeugen, dass sie ihre Kraft und ihre Erzählungen in die öffentliche Diskussion, auch in den Schulen, einbringen. Es gebe viele engagierte Lehrer, es sei aber notwendig, auch in Schulen, in denen die Zeitzeugen nicht eingeladen werden, die Diskussion zu führen, so der Kanzler. Für eine „umfassende Aufarbeitung“ ist es „nie zu spät“, erklärte er.

Mit seiner Erzählung ließ der Zeitzeuge Marko Feingold die Gäste des Festakts an seinen Erinnerungen teilhaben. Er war in mehreren Konzentrationslagern und wurde aus Buchenwald schließlich am 11. April 1945 von amerikanischen Truppen befreit. Er betonte in seiner Gedenkrede, dass es sich um keine „Selbstbefreiung“ gehandelt habe. Im KZ Buchenwald seien 500 Österreicher untergebracht gewesen, so Feingold: „Täglich wurde die Population im Lager kleiner und kleiner.“ Nach qualvollen Jahren, in denen man morgens nicht gewusst habe, ob man am Abend noch lebt, sei schließlich die Befreiung gekommen. Nun konnte man sich frei bewegen, bekam mehr zu essen: „Wir waren nicht mehr Nummern oder Juden, sondern wir waren wieder Menschen geworden.“

Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) stellte in seiner Ansprache fest, dass der 8. Mai jahrzehntelang als ein Tag der Niederlage gegolten habe. „Warum hat es so lange gedauert?“, fragte er sich und zitierte den früheren deutschen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker: „Sich wahrheitsgemäß zu erinnern, tut oft weh.“ Je länger man aber die Aufarbeitung nicht wahrnehme, umso mehr verblassten die Erinnerungen und würden schmerzhafte Teile weggelassen, so Mitterlehner. Die authentischen Informationen von Zeitzeugen seien daher wichtig. Die „beste Antwort auf die Schreckensherrschaft“ und den Zweiten Weltkrieg sei in Europa sicher die Gründung der EU gewesen, stellte der Vizekanzler weiters fest.

Mitterlehner sprach auch den aktuellen Wahlkampf in der Steiermark an, wo die FPÖ gegen den Bau von Moscheen auftrete und dies plakatiere: „Es beginnt mit der Sprache. Zuerst kommt das Wort, dann die Tat.“ Bei Grenzüberschreitungen müsse man sich trauen, diese zu benennen. „Werden damit nicht Vorurteile geschürt“, und Gruppen gegeneinander ausgespielt, mahnte der ÖVP-Obmann und meinte: „Urteilen Sie selbst.“

Das Bundesheer hat am Freitag mit einer Mahnwache beim Äußeren Burgtor der Opfer gedacht. „Wir feiern heute die Befreiung vom NS-Regime und damit das Ende einer Terrorherrschaft. Dabei ist es aber auch wichtig, nicht auf die Opfer zu vergessen, für die diese Befreiung zu spät gekommen ist“, erklärte Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) in einer Aussendung.


Kommentieren