APA Medien News: Medienförderung, Journalismusstudie, „Presse“-Posts

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Medienförderung: Für eine Neuaufstellung der Medienförderung plädierten Donnerstagabend im Rahmen des diesjährigen Forums der Internet Service Providers Austria (ISPA) gleich mehrere Medienexperten. Der Kommunikationswissenschafter Josef Trappel nahm dabei die Regierung in die Pflicht. Es brauche den „politischen Willen“ für eine Reform. „Die Medienförderung ist eine Möglichkeit, die Finanzierungslücke im Nachrichtenjournalismus zu schließen. Das Geld dafür sollte gemeinsam von der öffentlichen Hand und von denjenigen aufgebracht werden, die an Nachrichten verdienen.“ Trappel meinte, dass von den rund 200 Millionen Euro, die von der öffentlichen Hand pro Jahr für Werbung ausgegeben werden, etwa die Hälfte nicht wirklich notwendig sei. Man könnte „diese 100 Millionen“ für die Medienförderung verwenden und nach klaren und nachvollziehbaren Kriterien vergeben. Im Gegenzug könnten die geförderten Medien öffentlichen Stellen Flächen für Werbung im öffentlichen Interesse zur Verfügung stellen, so Trappel. „Wenn die Todesanzeigen und der Stellenmarkt nicht mehr das Feuilleton oder den Leitartikel tragen, dann muss es andere Modelle geben“, meinte auch Alexander Görlach, Herausgeber und Chefredakteur des Debattenmagazins „The European“. „Crowdfunding ist gescheitert, bleiben nur noch Stiftungen, Mäzene und - der sicherste Hafen - der Steuerzahler“, erklärte Görlach. Einig waren sich die Experten, dass eine reformierte Medienförderung künftig auch Online-Medien umfassen sollte. Die Zeitungsverleger treten für eine Förderung ein, „die unabhängig vom Trägermedium Papier die Erstellung von hochwertigem Journalismus fördert“, sagte Gerald Grünberger, Geschäftsführer des Verbands Österreichischer Zeitungen (VÖZ). Entscheidend sei der „publizistische Mehrwert für die Demokratie“. Auch Grünberger hält Einsparungen bei den Inseratenausgaben von Bund und Ländern für sinnvoll. Darüber hinaus sollten jene Teile der ORF-Rundfunkgebühr, die nicht an den ORF gehen, zweckgewidmet der Medienförderung zugeführt werden. Der VÖZ-Vertreter nannte Dänemark als Vorbild, wo der Staat über 50 Millionen Euro für Medienförderung ausgibt. „Das ist kein Pappenstiel, aber es wurde notifiziert. Und Dänemark hat 30 Tageszeitungen. Das ist doppelt so viel wie bei uns.“ Grundsätzlich sei der Schrei nach Förderungen nicht ideal, „aber wir leben halt nicht in einer idealen Welt“, so Grünberger.

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Journalismusstudie: Den Veränderungen des Berufsfelds Journalismus widmet sich eine neue Studie des Medienhauses Wien. Wenig überraschender Befund: Auch in Österreich etabliert sich, zumindest im tagesaktuellen Bereich, der Newsroom als physischer Arbeitsort der Journalisten. Zugleich entwickelte sich in den vergangenen Jahren, bedingt durch den digitalen Wandel, eine Arbeitsteilung, die im angloamerikanischen Raum seit jeher üblich ist, wie es Donnerstagabend bei der Studienpräsentation in Wien hieß. Demnach arbeiten einerseits auf Themen fokussierte Spezialisten, die mit mehr Fachkenntnis recherchieren und Kontakte pflegen, andererseits Generalisten, die Geschichten für verschiedene Plattformen wie Print, Online oder Social Media aufbereiten, das Publikum analysieren und Agenda Setting sowie das Management aller Kanäle betreiben. Die Veränderungen des Berufsbildes wirkten sich laut Medienhaus durch das Zusammenwachsen von technischen und journalistischen Studiengängen oder durch die Einrichtung von „Innovation Labs“ bereits vehement auf die Journalismusausbildung an Unis, Hochschulen und Akademien aus. Darüber hinaus würden neue Methoden des Storytellings oder der Datenaufbereitung trainiert. Auch Österreichs Journalisten müssten sich vermehrt dieser Richtung weiterbilden. Eine repräsentative Befragung des Medienhauses unter 152 Journalisten ergab demnach, dass sich Frauen und jüngere im Beruf stehende Journalisten derzeit häufiger weiterbilden als Männer und Über-40-Jährige. Die Hälfte der Journalisten besucht allerdings gar keine oder weniger als einmal jährlich Weiterbildungsveranstaltungen. Es mangle meist an Budget - individuell und redaktionell - und vor allem an Zeit. Zwei Drittel der Befragten sind demnach mit den existierenden Möglichkeiten zur Qualifikation nur mäßig oder gar nicht zufrieden, so die Medienhaus-Forscher.

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„Presse“-Postings: Der Redakteursausschuss der Tageszeitung „Die Presse“ verlangt ein professionelles Foren-Management beziehungsweise ein Abschalten aller Postings auf dem „Presse“-Online-Portal. Nach einem Bericht des „Standard“ kritisieren die Redakteursvertreter in einer Resolution an das „Presse“-Management eine Flut von „antisemitischen, rassistischen, frauenfeindlichen Hass-Postings“ im digitalen Angebot des Traditionsblattes. Der Redakteursausschuss fühlt sich von Chefredaktion und Geschäftsführung mehrfach „vertröstet“ und schickte deshalb eine Resolution an die Belegschaft aus. Begründung: Die teils auf „sehr tiefem Niveau“ geführten Debatten würden das Image der Marke „Die Presse“ beschädigen. Es wäre „unverantwortlich“, nicht zu handeln. „Wir sehen deshalb keine andere Möglichkeit mehr als das sofortige Abschalten aller Postings“, heißt es in dem Schreiben. Das wäre aber keineswegs die beste Lösung. Weit besser fänden die Journalistenvertreter ein eigenes Team, das Leserforen aktiv betreut und für „interessante Debatten auf hohem Niveau“ sorgt. Derzeit sind die „Presse“-Redakteure aufgefordert, die Foren selbst im Auge zu behalten. In der Chefredaktion der „Presse“ hieß es dazu laut „Standard“, dass man an einer Lösung arbeite.

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