Inzestfall - Opferanwältin übte massive Kritik an StA. und Medien

Kitzbühel (APA) - Sieben Jahre nach dem Bekanntwerden des Inzestfalls in Amstetten hat Opferanwältin Eva Plaz im Namen der missbrauchten Toc...

Kitzbühel (APA) - Sieben Jahre nach dem Bekanntwerden des Inzestfalls in Amstetten hat Opferanwältin Eva Plaz im Namen der missbrauchten Tochter von Josef F. massive Kritik an der Staatsanwaltschaft St. Pölten und an Medien geübt. Der Behörde warf sie im Rahmen der heurigen Richterwoche in Kitzbühel vor, im Verfahren mangelnde mediale Zurückhaltung an den Tag gelegt und so Druck auf die Opfer ausgeübt zu haben.

Die Medien wiederum seien die „neuen Kerkermeister“ gewesen, sagte Plaz am Freitag bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Schauplatz Medienberichterstattung“. Die Tochter habe sie ausdrücklich gebeten, „aus der Schule zu plaudern“, erklärte die Wiener Anwältin vor ihrem Statement. Besonders der damalige Pressesprecher der Staatsanwaltschaft und der ehemalige Leiter der Anklagebehörde wurden kritisiert. Ihr Wunsch und jener der Opfer auf mediale Zurückhaltung sei in mehreren Fällen nicht entsprochen worden, meinte die Anwältin.

Der Behörde gegenüber habe man etwa ausdrücklich erklärt, dass man kein psychiatrischen Gutachten der Tochter wolle. Und ohne deren Einwilligung sei dies schließlich nicht möglich. Darauf habe der Staatsanwaltschaftssprecher lediglich gemeint, von letzterem habe er noch nie gehört. Am nächsten Tag sei dann der Bestellungsbeschluss des Sachverständigen für das Gutachten in der Zeitung gestanden. „Ich hatte den Eindruck, die Staatsanwaltschaft meinte, wir fürchten uns so vor den Medien, dass wir, wenn das in der Zeitung steht, schon spuren werden“, beklagte Plaz.

Schließlich habe die Behörde offenbar „weiter eskalieren wollen“. Die Tochter habe ihr, Plaz, von einem Kripo-Beamten erzählt, der sie „bearbeitet“ habe, dem Gutachten zuzustimmen. Die Anklagebehörde sah offenbar eine mögliche Freiheitsstrafe von 15 Jahren für F. in Gefahr, so die Opferanwältin. Der Beamte habe sich laut ihrer Mandantin bei seiner Handlung auf die Staatsanwaltschaft berufen. Der Kriminalpolizist sei quasi auf die Frau „angesetzt“ worden.

Ein Fernsehauftritt des Pressesprechers, in dem dieser den Tenor der Anklage gegen F. vortrug, habe überdies zu „massiven Flashbacks“ bei der Frau geführt. Daraufhin sei eine schriftliche Mitteilung an die Oberstaatsanwaltschaft, den Leiter der Staatsanwaltschaft St. Pölten und das Ministerium ergangen. Eine formale Antwort darauf habe die Vertretung der Opfer zwar nicht erhalten, aber jedenfalls habe es dann keine derartigen „Auftritte“ mehr gegeben.

Die Medien wiederum hätten das Landesklinikum Amstetten-Mauer, in dem die Opfer behandelt worden waren, „zubarrikadiert“, kritisierte die Rechtsanwältin deren Rolle. Ausdrücklich Dank sprach Plaz im Namen ihrer Mandantin hingegen dem Landesgericht St. Pölten, in dem der Prozess gegen F. stattfand, und der Polizei aus.

Josef F. hatte seine eigene Tochter 24 Jahre lang gefangen gehalten und mit ihr sieben Kinder gezeugt. Er wurde 2009 wegen Mordes durch Unterlassung, Sklavenhandel, Freiheitsentziehung, Vergewaltigung, Blutschande und schwerer Nötigung zu lebenslanger Freiheitsstrafe und Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verurteilt und ist in der Justizanstalt Stein in Haft.


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