70 Jahre Kriegsende - Auch evangelische Kirche gesteht Schuld ein

Wien (APA) - Ebenso wie die römisch-katholische hat zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges auch die evangelische Kirche ihre Mi...

Wien (APA) - Ebenso wie die römisch-katholische hat zum 70. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkrieges auch die evangelische Kirche ihre Mitschuld an der Judenverfolgung eingestanden. In einer Erklärung bedauert der evangelische Oberkirchenrat A. und H.B., selbst Judenhass geschürt zu haben. Die Kirchenführung gelob, Antisemitismus entschieden zu bekämpfen.

„Auch die evangelische Kirche lud schwere Schuld auf sich. Mit besonderer Scham erfüllt uns auch 70 Jahre nach Kriegsende das Versagen bzw. die Mittäterschaft gegenüber Jüdinnen und Juden und gegenüber anderen Gruppen wie Behinderten, Roma oder Homosexuellen, die alle als ‚unwertes Leben‘ angesehen und damit der Gefangenschaft oder dem Tod preisgegeben wurden“, heißt es in der Erklärung des Leitungsgremiums der Evangelischen Kirche. Zwar habe es auch Widerstand von evangelischer Seite gegeben, wie etwa durch Pfarrer Dietrich Bonhoeffer oder den österreichischen Oberstleutnant Robert Bernardis. Aber sie seien „eher die Ausnahme als die Regel“ gewesen.

Die Evangelische Kirche betont, dass sie heute Krieg als Mittel der Konfliktlösung entschieden ablehnt. Sie sehe ihren Auftrag darin, sich für Verständigung und Versöhnung überall dort einzusetzen, wo Menschen heute aufgrund ihrer ethnischen, religiösen oder sexuellen Zugehörigkeit diskriminiert oder unterdrückt werden. „Sie hat eine besondere Verantwortung für ihre jüdischen Geschwister, die sie in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft vermissen hat lassen. Wir wollen nicht vergessen, dass die Kirche selbst Judenhass und christlich motivierten Antijudaismus schürte. Solidarität mit Jüdinnen und Juden heute bedeutet, sich für ein lebendiges Judentum in der Gesellschaft einzusetzen, die jüdische Wurzel der Kirche zu betonen und Antisemitismus und Antijudaismus entschieden zu bekämpfen sowie zu judenfeindlichen Aussagen und Aktionen nicht zu schweigen.“

Die evangelische Kirche will sich nie wieder „mit menschenverachtenden und todbringenden Kräften verbünden, sondern die Würde jedes einzelnen Menschen achten. Nur so können wir die Frohe Botschaft vom menschenfreundlichen Gott glaubwürdig leben“.

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