Schulabsolventen von anno dazumal können sich für Zentralmatura erwärmen

Die reformierte Reifeprüfung ist nach mancher Panne gestartet. Trotz der Kritik im Vorfeld begrüßen Tiroler Schulexperten den Beginn der neuen Ära.

Symbolbild.
© Privat

Von Markus Schramek

Innsbruck –Zentralmatura! Sie hält Österreichs AHS-Schüler in Atem. 20.000 von ihnen müssen heuer erstmals die selben schriftlichen Aufgaben zur selben Zeit lösen.

Zwischenbilanz nach einer Woche? Deutsch und Englisch problemlos, jetzt folgen Mathe und Latein. Bei der antiken Sprache muss zum Notfallplan gegriffen werden. In einer Salzburger Schule gerieten die streng geheimen Maturatexte in die Hände von Dieben. Jetzt werden für die Klausuren am Mittwoch neue Aufgaben auf digitalem Eilweg nachgereicht. In Tirol sind 42 Kandidaten und sechs Schulen betroffen.

Lohnt sich der ganze Aufwand überhaupt? War das frühere System – jede Schule legt selbst ihre schriftlichen Maturathemen fest – wirklich schlechter? Die TT hat Persönlichkeiten befragt, die einst selbst maturierten und seither der Schule verbunden blieben. AHS-Direktoren, Hochschulrektoren oder einfach Schulinsider erinnern sich an die eigene Schulzeit. Die Befürworter der Zentralmatura sind unter ihnen klar in der Mehrheit (siehe Zitate ganz unten).

Margret Fessler, Direktorin des Gymnasiums in der Au in Innsbruck, hat 1972 in Linz mit gutem Erfolg maturiert. Am Rande der schriftlichen Deutschmatura ist damals ordentlich der Rauch aufgegangen. „Ich habe am Klo meine erste Zigarette geraucht, weil fast alle eine rauchen gegangen sind. Mir ist total schlecht geworden“, erinnert sich die Schulleiterin. Vor lauter Coolsein wäre die schriftliche Arbeit fast danebengegangen.

Das Maturamodell des Jahres 2015 sieht Fessler als gerechter an. Unzufrieden ist sie mit den Regeln für die Fremdsprachen. „Da sind die Inhalte irrelevant geworden, das Kulturverständnis zur Nebensache und die Schulbücher todlangweilig.“

In Schwaz ist Direktor Kurt Leitl (eigene Matura 1975 am BRG Landeck mit Auszeichnung) für die Organisation der Zentralmatura verantwortlich. Er hält den Unterschied zwischen der schriftlichen Matura alt und neu für gar nicht so dramatisch.

Als „großen Gewinn“ sieht der Schwazer Schulchef die vorwissenschaftliche Arbeit. Diese müssen die Kandidaten als Teil der neuen Matura schon vor den Prüfungen einreichen. AHS-Schulinspektor Thomas Plankensteiner (Matura 1973 am Akademischen Gymnasium Innsbruck mit Auszeichnung) sieht das gleich: „Durch die vorwissenschaftliche Arbeit lernen junge Menschen inhaltlich und methodisch viel für die weitere Ausbildung.“

Der einzige größere Einwand zum Modell der Zentralmatura beim TT-Rundruf kommt von Uni-Rektor Tilmann Märk (Matura 1962 am Akademischen Gymnasium Ibk.). Das Oberhaupt der Hochschule bedauert, dass durch vorgegebene Maturathemen nicht mehr auf einzelne Klassen eingegangen wird.


Kommentieren


Schlagworte