Alufelgen-Hersteller feiert Börsenpremiere in Warschau

Frankfurt/Warschau (APA/Reuters) - Der pfälzische Alufelgen-Hersteller Uniwheels hat seine Börsenpremiere in Warschau mit kräftigen Kursgewi...

Frankfurt/Warschau (APA/Reuters) - Der pfälzische Alufelgen-Hersteller Uniwheels hat seine Börsenpremiere in Warschau mit kräftigen Kursgewinnen gefeiert. Die Aktien legten am Freitag um bis zu neun Prozent auf 114,40 Zloty zu. „Wir sind seit heute praktisch schuldenfrei und damit relativ unabhängig von Banken“, atmete Vorstandschef Ralf Schmid auf.

„Die Bankenkrise hatte uns damals in den Anleihemarkt getrieben - und das war nicht billig.“ Nachdem der Hauptkreditgeber WestLB abgewickelt wurde, hatte das Unternehmen aus dem pfälzischen Bad Dürkheim eine Mittelstandsanleihe begeben.

Uniwheels werde mit einem Volumen von 125 Millionen Euro der vermutlich größte Börsengang in diesem Jahr in Polen bleiben und zu den 60 größten Firmen an der Warschauer Börse gehören. „Der Erlös lag sogar etwas über dem, was wir geplant hatten“, sagte Schmid. Die größere Aufmerksamkeit sei ein Grund für die ungewöhnliche Wahl des Börsenplatzes gewesen, der andere, dass Uniwheels 80 Prozent seiner Aluminiumräder der Marken ATS, Rial, Alutec und Anzio im Südosten Polens produziert. „Das Interesse an unserer Aktie war sehr groß, weil in Polen zwar viel Auto- und Zulieferproduktion stattfindet, aber kaum Unternehmen aus der Branche an der Börse notiert sind.“

Mit dem Erlös soll ein weiteres Werk in Stalowa Wola gebaut werden. „Wir arbeiten in diesem Jahr an der Kapazitätsgrenze. Die Aufträge übersteigen derzeit unsere Kapazität.“ Mitte 2016 sollen die zusätzlichen Produktionslinien bereitstehen. Schmid setzt drauf, dass Alufelgen das Stahlrad verdrängen wird. „Es macht keinen Sinn für die Kunden, mit Millionenaufwand Motoren zu optimieren, und am Ende schwere Stahlräder auf das Auto zu montieren. Ich sage voraus, dass es Autos mit serienmäßigen Stahlrädern in Europa in zehn Jahren nicht mehr geben wird.“

Von der Börsennotiz verspricht sich Schmid mehr Freiheit: „Weitere Werke können wir zukünftig sowohl über Fremdkapital als auch über Kapitalerhöhungen finanzieren.“ Dazu würde Schmid, der mit seinem Cousin nach dem Börsengang 61 Prozent an Uniwheels hält, auch eine Verwässerung der Anteile in Kauf nehmen.

Zukäufe seien dagegen „in näherer Zukunft“ kein Thema - schon mangels Gelegenheit. „In Europa verteilen sich nahezu 90 Prozent der Rädermengen auf fünf größere Zulieferer. Diese sind mehrheitlich in Familienbesitz.“ Und unprofitable Konkurrenten zu kaufen, sei nicht sinnvoll, da deren Werke meist veraltet seien.


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