Weiterer Kahlschlag bei den Postämtern in Kufstein

Seit Kurzem leben in Kufstein 20.000 Einwohner, trotzdem gibt es bald nur noch zwei Poststellen. Ein Stadtteil läuft dagegen Sturm.

© Michael Mader

Von Michael Mader

Kufstein –„Ja, es stimmt, der Postpartner in Endach schließt mit 30. Juni“, bestätigt Post-Pressesprecherin Kathrin Schrammel, „er gibt diesen Standort auf.“ Nicht nur für die Bewohner dieses großen Kufsteiner Stadtteils eine Hiobsbotschaft, auch von Leuten aus den Nachbargemeinden Schwoich und Langkampfen wurde der Postpartner gerne aufgesucht.

Obwohl in der Festungsstadt erstmals die 20.000-Einwohner-Marke durchbrochen wurde, gibt es derzeit lediglich ein Postamt im Stadtzentrum sowie einen Postpartner nur wenige hundert Meter davon entfernt und eben den Postpartner in Endach. Seitens der Post denkt man aber gar nicht daran, sich wieder um einen Postpartner zu bemühen. Dafür werde laut Schrammel die Filiale am Oberen Stadtplatz um einen 24-Stunden-Service und einen erweiterten Selbstbedienungsbereich ausgebaut.

Dem gesetzlichen Versorgungsauftrag würde man dennoch entsprechen. „Wir haben das analysiert, das geht sich in Kufstein aus. Im urbanen Raum muss innerhalb von zwei Kilometern eine Postgeschäftsstelle für 90 Prozent der Bevölkerung erreichbar sein“, erklärt Schrammel. „Zudem schauen wir uns das laufend an“, rechtfertigt sie die Maßnahme.

Das genügt den Bewohnern von Endach jedoch nicht. Burgi Hauer hat bereits eine Unterschriftenaktion gegen die Schließung organisiert: „Ich bin jetzt 75 und kann nicht mehr so weit gehen. Da propagiert man immer, dass man zu Fuß gehen soll, jetzt muss ich erst recht mit dem Auto fahren.“

TT-ePaper gratis testen und 20 x € 100,- Einkaufsgutscheine gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen, das Testabo endet nach 4 Wochen automatisch

300 Protest-Unterschriften wurden bereits an Bürgermeister Martin Krumschnabel übergeben, an die 200 wurden schon wieder gesammelt. Sogar beim Gottesdienst am Sonntag wurde auf die Schließung des Postpartners und die Unterschriften hingewiesen. „Wir wollen das noch nicht ganz glauben“, sagt Hauer, die sich heute um 9 Uhr vor das Postamt setzen will, um noch mehr Mitstreiter zu finden.

Für den Bürgermeister ist die Schließung absolut unverständlich: „Ich habe nichts gegen Postpartner, das System hat sich bewährt. Aber dass jetzt auch noch die Postpartner eingespart werden, dafür fehlt mir jedes Verständnis“, sagt Krumschnabel. Er will auf jeden Fall die Bevölkerung mit ihrem Anliegen unterstützen und ist sich sicher, dass auch der Gemeinderat dahintersteht. Nicht nur von ihm wird übrigens angezweifelt, ob dem Versorgungsauftrag hier wirklich Genüge getan werde. Auch für die vielen Firmen und Geschäfte in Endach sei die Schließung des Postpartners ein großer Nachteil.

Der Betreiber der Postpartnerstelle war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.


Kommentieren


Schlagworte