70 Jahre Kriegsende - Gedenkfeiern auch in Slowenien und Kroatien

Ljubljana (APA) - In Slowenien und Kroatien haben am Freitag die Feierlichkeiten zum Ende des zweiten Weltkrieges begonnen. Das Gedenken an ...

Ljubljana (APA) - In Slowenien und Kroatien haben am Freitag die Feierlichkeiten zum Ende des zweiten Weltkrieges begonnen. Das Gedenken an das Kriegsende, das beide Länder auf der Siegerseite erlebten, wird 70 Jahre später nach wie vor von ideologischen Spannungen getrübt.

In Slowenien legte Staatspräsident Borut Pahor am Freitagnachmittag am Denkmal für alle Opfer des Kampfes gegen die Besatzungsmächte in der Hauptstadt Ljubljana einen Kranz nieder. Vor der Staatsfeier, die am Freitagabend unter dem Motto „Umarme mich, Freiheit“ stattfinden wird, traf Pahor mit Vertretern der Veteranen des zweiten Weltkrieges zusammen.

Die slowenischen Kriegsveteranen veranstalten zusammen mit der Stadt Ljubljana am Samstag eine eigene Feier zum Kriegsende. Bei dieser Feier will die Veteranenvertretung den Sieg gegen den Nazifaschismus weniger schüchtern und zurückhaltend als die slowenische Politik feiern, hieß es.

In der slowenischen Politik gibt es kein einheitliches Verhältnis gegenüber dem Zweiten Weltkrieg, in dem auf der einen Seite die von Kommunisten geführten Partisanenlager die Befreiung des Landes erreichten und auf der anderen Seite die antikommunistische und katholische Heimwehr, genannt Domobranzen, mit den Besatzern kollaborierte. Die Deutung der damaligen Ereignisse wird der jeweiligen politischen Orientierung angepasst, was immer wieder zu ideologischen Konflikten zwischen den Links- und Rechtsparteien führt.

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Eine Versöhnung, die seit der Unabhängigkeit des Landes immer wieder angeregt wurde und heuer von Präsident Pahor umworben wurde, scheint auch 70 Jahre nach dem Kriegsende wenig wahrscheinlich. „Eine Versöhnung wird es und darf es nicht geben“, sagte der Vorsitzende der Partisanenvertreter, Tit Turnsek, laut Medienberichten. Auf der anderen Seite zeigen sich auch die Vertreter der Domobranzen, die in diesen Tagen der Opfer der kommunistischen Nachkriegsverbrechen gedenken, skeptisch gegenüber einer Versöhnung.

Auch in Kroatien, auf dessen Gebiet der während des Zweiten Weltkrieges entstandene faschistische „Unabhängige Staat Kroatien“ (NDH) als Vasall Hitler-Deutschlands galt, geht es nicht ohne ideologische Spannungen. In Zagreb wird die Hauptfeier am Samstag ohne die konservative Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic stattfinden. Nachdem die Organisation der antifaschistischen Kämpfer die Schirmherrschaft der Präsidentin ablehnte, hatte Grabar-Kitarovic andere Aktivitäten anlässlich der Feierlichkeiten zum Kriegsende geplant, hieß es aus ihrem Büro laut Medienberichten. Sie wird am Samstag an der Gedenkfeier anlässlich des 70. Jahrestags des „Massakers von Bleiburg“ in Kärnten teilnehmen.

Der Hintergrund für die Ablehnung ihrer Schirmherrschaft liegt in der Tatsache, dass die Präsidentin nach Amtsantritt die Büste des Partisanenführers und späteren jugoslawischen Präsidenten Jospi Broz Tito entfernen ließ, was von den Veteranen als eine Abkehr vom Anti-Faschismus gedeutet wurde.

Die kroatische Präsidentin unterdessen nahm am Freitagvormittag gemeinsam mit dem Regierungschef Zoran Milanovic an Feierlichkeiten in Istrien teil. Laut Medienberichten lobte sie den großen Beitrag kroatischer Bevölkerung beim Sieg der Anti-Hitler-Koalition.


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