US-Justizministerium leitet Untersuchung von Baltimores Polizei ein

Baltimore (Maryland) (APA/AFP) - Nach dem Tod des Afroamerikaners Freddie Gray in Baltimore geht das US-Justizministerium dem Verdacht von s...

Baltimore (Maryland) (APA/AFP) - Nach dem Tod des Afroamerikaners Freddie Gray in Baltimore geht das US-Justizministerium dem Verdacht von systematischen Bürgerrechtsverletzungen durch die Polizei der Ostküstenstadt nach. Der Schwerpunkt der Untersuchung liege auf „exzessiver“ Polizeigewalt sowie Diskriminierungen bei Festnahmen und Durchsuchungen, sagte Justizministerin Loretta Lynch am Freitag.

Gray hatte nach seiner offenbar ungerechtfertigten Festnahme Mitte April so schwere Verletzungen erlitten, dass er eine Woche später starb. Viele Afroamerikaner sehen den 25-Jährigen als jüngstes Opfer einer Serie tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA. Nach der Beerdigung von Gray lieferten sich meist jugendliche Afroamerikaner in Baltimore Straßenschlachten mit der Polizei. Autos und Gebäude gingen in Flammen auf, Geschäfte wurden geplündert. Hunderte Menschen wurde festgenommen.

Die „jüngsten Ereignisse, darunter der tragische Tod von Freddie Gray im Polizeigewahrsam“ hätten zu einer „ernsthaften Aushöhlung“ des öffentlichen Vertrauens in die Polizei geführt, sagte Lynch, die erst seit Ende April an der Spitze des Justizministeriums steht. Das Problem der Diskriminierung von Schwarzen durch die Polizei sei allerdings nicht neu.

„Wir reden von Generationen des Misstrauens“, sagte die 55-jährige Afroamerikanerin. „Niemand von uns macht sich Illusionen. Die Herausforderungen, vor denen wir stehen und vor denen Baltimore jetzt steht, sind nicht an einem Tag aufgetaucht, und ein Wandel wird nicht über Nacht geschehen. Das wird Zeit und anhaltende Bemühungen erfordern.“

Die Staatsanwaltschaft von Baltimore hatte vor einer Woche im Zusammenhang mit Grays Tod sechs Polizisten angeklagt. Die Ermittler gehen davon aus, dass sich der junge Mann während der Fahrt im Polizeitransporter das Genick brach. Die Beamten sollen den an Händen und Füßen gefesselten Afroamerikaner bäuchlings mit dem Kopf nach vorne auf den Boden des Fahrzeugs gelegt und nicht angeschnallt haben.

Das US-Justizministerium ermittelt bereits seit vergangenem Monat gegen die beteiligten Polizisten wegen möglicher Bürgerrechtsverletzungen. Vor einigen Tagen hatte Baltimores Bürgermeisterin Stephanie Rawlings-Blake das Ministerium dann gebeten, die Praxis der gesamten Polizeitruppe ihrer Stadt unter die Lupe zu nehmen. „Unsere Stadt macht Fortschritte, die zerbrochene Beziehung zwischen der Polizei und der Bevölkerung zu reparieren“, erklärte Rawlings-Blake am Freitag. „Aber mutigere Reformen sind notwendig, und wir werden nicht davor zurückscheuen, diese Herausforderungen anzugehen.“

Die Untersuchung in Baltimore beginne „unverzüglich“, sagte Lynch. Eine ähnliche Untersuchung hatte nach den tödlichen Polizeischüssen auf den schwarzen Teenager Michael Brown im August 2014 in der Kleinstadt Ferguson eine systematische Benachteiligung und routinemäßige Schikanierung von Afroamerikanern festgestellt. In Cleveland, wo ein Polizist im November den zwölfjährigen Schwarzen Tamir Rice erschoss, förderte ein Bericht des Justizministeriums ein Muster von „übermäßigem Gewalteinsatz“ durch die Polizeitruppe der Stadt im Bundesstaat Ohio zu Tage.

(NEU: weitere Zitate von Lynch, Baltimores Bürgermeisterin begrüßt Untersuchung)


Kommentieren