Fußball: Altach-Coach Canadi vom Hausbesorger zu heißer Trainer-Aktie

Altach (APA) - Altach-Coach Damir Canadi gilt in der Fußball-Bundesliga derzeit als wohl heißeste Trainer-Aktie. Der 45-Jährige führte die V...

Altach (APA) - Altach-Coach Damir Canadi gilt in der Fußball-Bundesliga derzeit als wohl heißeste Trainer-Aktie. Der 45-Jährige führte die Vorarlberger im vergangenen Jahr in die höchste Spielklasse und ist nun drauf und dran, Historisches zu schaffen: Fünf Runden vor Schluss liegt der Club auf Rang vier und hat damit beste Chancen, als erster Vertreter aus dem Ländle einen Europacup-Startplatz zu ergattern.

Vor dem Heimspiel am Sonntag (16.30 Uhr/live ORF eins und Sky) gegen Rapid dürfen die Altacher sogar mit einem Antreten in der Champions-League-Qualifikation spekulieren. Auf den dafür notwendigen zweiten Rang, den im Moment die Hütteldorfer belegen, fehlen nur zwei Punkte.

Seinen eigenen Beitrag zu diesem Erfolgslauf wollte Canadi nicht überbewerten. „Das sollen andere beurteilen. Ich bin nur ein Teil des Kollektivs. Es kommt immer darauf an, wie die Mannschaft alles umsetzt“, erklärte der Wiener.

Canadis Werdegang steht in starkem Kontrast zu jenem seiner Oberhaus-Kollegen. Als Spieler konnte er in der Bundesliga nicht wirklich Fuß fassen. „Ich war ein talentierter Kicker, dem aber nicht immer erklärt wurde, was zu einer Profikarriere dazugehört. Nun bin ich als Person gereift.“ Seine aktive Karriere endete nach schlechten Erfahrungen bei den damals finanzmaroden Vereinen Wiener Sportklub und FavAC sowie einer Hüftverletzung bereits im Alter von 26 Jahren.

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Canadi wollte abgesichert sein, nachdem sein derzeit beim Mönchengladbach-Nachwuchs tätiger Sohn Marcel zu Welt gekommen war, und begann als Hausbesorger zu arbeiten. „Das war ein toller Job und sehr wichtig für mich, da lernt man auch andere Seiten des Lebens kennen“, meinte der Trainer.

Der Fußball ließ Canadi aber nicht los: Über die Clubs Leopoldsdorf, Fortuna 05, SV Donau, PSV Team für Wien, FAC und Simmering mit einer mehrmonatigen Zwischenstation als Co-Trainer bei Lok Moskau gelang 2011 der Sprung zum damaligen Erste-Liga-Club FC Lustenau. Im Jänner 2013 folgte der Wechsel zu den Altachern, und die aktuelle Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf.

„Die Jahre davor waren für mich eine wichtige Lehrzeit“, sagte Canadi, betonte aber auch: „Die sportlichen Mechanismen bleiben immer gleich, egal ob man eine Mannschaft in der Landesliga oder Bundesliga betreut.“ Große Trainer-Vorbilder hat der Wiener nicht - Canadi beobachtet internationale Trends, versucht sich daraus das Passende für seinen Club herauszupicken und setzt auf ständige Weiterbildung. „Es ist wichtig, immer wieder an sich zu arbeiten.“

Dank dieser Einstellung wurde Canadi auch für größere Clubs interessant: So hat es der Wiener angeblich zumindest in den erweiterten Kreis der potenziellen neuen Austria-Trainer geschafft. „Aber es hat diesbezüglich keine Gespräche gegeben“, stellte der 45-Jährige klar.

Der Vertrag in Altach wurde erst vor wenigen Monaten bis 2017 verlängert. „Ich bin derzeit beim richtigen Verein, fühle mich hier sehr wohl und muss selbst noch viel lernen“, sagte Canadi. Allerdings sieht die Karriereplanung in fernerer Zukunft einen Sprung ins Ausland vor. „Ich habe Ziele, und die möchte ich erreichen.“


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