Ruhrfestspiele: Stück von Pommerat zeigt die Liebe und ihre Abgründe

Recklinghausen (APA/dpa) - Im Theaterprogramm steht der romantische Begriff „Liebesgeschichten“, aber es sind wohl mehr Geschichten über die...

Recklinghausen (APA/dpa) - Im Theaterprogramm steht der romantische Begriff „Liebesgeschichten“, aber es sind wohl mehr Geschichten über die Probleme der Liebe. Bei dem Ruhrfestspiele-Stück „Die Wiedervereinigung der beiden Koreas“ ist der eine oder andere Protagonist vielleicht verliebt, so richtig glücklich ist keiner. Der französische Autor Joel Pommerat erzählt die großen und kleinen Dramen der Liebe in 20 Miniaturen.

Auf der Bühne treffen sich unter anderem Nachbarn, seit langem getrennte Paare und fünf Schwestern, die alle mit dem gleichen Mann geknutscht haben. Der Intendant des Frankfurter Schauspiels, Oliver Reese, inszeniert das Stück als unterhaltsame, teils böse Gesellschaftsstudie. Die Deutsche Erstaufführung wird vom Festspiel-Publikum am Freitagabend nach einem mehr als dreistündigen Abend mit freundlichem Applaus bedacht.

„Warum wollen Sie sich scheiden lassen?“, fragt zu Beginn eine Stimme aus dem Zuschauerraum. „Es gibt keine Liebe zwischen uns“, antwortet eine Frau (Corinna Kirchhoff), die seit 20 Jahren verheiratet ist. „Es hat sie nie gegeben.“ Auch zwischen einem lesbischen Pärchen an einer Bushaltestelle (Franziska Junge und Verena Bukal) kriselt es: „Gib mir diesen Teil von mir zurück, den Du in Dir herumträgst“, fordert eine der Frauen von der Freundin.

Inspiriert von Schnitzlers „Reigen“, Tschechows Einaktern und Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“ beleuchtet Pommerat teils mit beißendem Humor alle Facetten der Liebe. Er „macht aus alltäglichen Begebenheiten poetische Erzählungen“, heißt es beim Theater über das turbulente Stück, das 2013 in Paris erstmals auf die Bühne kam und im kommenden Jahr von Peter Wittenberg am Wiener Akademietheater inszeniert wird. Dabei könne der etwas sperrige Titel dafür stehen, dass die Liebe zwischen zwei Menschen ebenso eine Herausforderung sein kann wie die Beziehungen zwischen Nord- und Südkorea.

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„Die Liebe ist schöner, wenn sie kompliziert ist“, resümiert eine Putzfrau (Carina Zichner) über ihren Ex, mit dem sie wieder zusammenkommen möchte. Sie weiß nicht, dass der Mann sich erhängt hat. Nach einer Liebesnacht eröffnet ein Pfarrer (Till Weinheimer) der Prostituierten, dass er nicht wiederkommen werde. „Ich habe eine Frau kennengelernt“, gesteht er. Die Prostituierte reagiert verletzt: „Ich dachte, du bist der einzige Mann, der mir allein gehört bis ans Ende meines Lebens.“ Sein Geld für den „Verdienstausfall“ schlägt sie aus und verlangt, dass er montags bis freitags zu ihr zum Abendessen kommt.

Mehr als um Liebe selbst geht es bei Pommerat um den Verlust der Beziehung. „Liebe allein reicht nicht“, sagt etwa eine Frau zu ihrem Freund - und geht. Hoffnung auf eine glückliche Partnerschaft machen die Geschichten nicht, außer einer vielleicht: In einem psychiatrischen Krankenhaus ist eine Frau von einem Mitpatienten schwanger. Der Arzt (Marc Oliver Schulze) redet auf sie ein und will sie von einer Abtreibung überzeugen. Sie sei nicht in der Lage, das Baby groß zu ziehen. Der Kindesvater sei ein gewalttätiger Triebtäter. Vergeblich: „Wir lieben uns“, sagt die Frau. „Ich will das Kind behalten.“

(S E R V I C E - https://www.ruhrfestspiele.de)


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