Sturm im Wasserglas statt Protestorkan

Der Aufstand im Tiroler Jägerverband ist abgeblasen. Bei der Vollversammlung am Samstag in Igls gab es keine einzige kritische Wortmeldung.

Landesjägermeister Anton Larcher.
© Zanon

Von Mario Zenhäusern

Innsbruck-Igls – Angekündigte Revolutionen finden bekanntlich selten statt. Diese alte Weisheit bewahrheitete sich am Samstag bei der ordentlichen Vollversammlung des Tiroler Jägerverbandes (TJV). Viel war im Vorfeld gemunkelt worden von Misstrauen gegen Landesjägermeister Anton Larcher und seinen gesamten Vorstand, von Abwahlanträgen und offenem Protest. Die Jägerschaft fühle sich von ihrer Vertretung – also von Larche­r und seinem Vorstand – bei den Verhandlungen zum neuen Tiroler Jagdgesetz „verraten und verkauft“, hieß es.

Weil es Larcher gelang, diese Unterstellungen zu widerlegen – immerhin sei es gelungen, den überwiegenden Teil der Jäger-Forderungen in den neuen Gesetzestext hineinzureklamieren –, wurde aus dem Protestorkan ein Sturm im Wasserglas. Eigentlich nicht einmal das. Die von Larcher-Gegnern eingebrachten Abwahlanträge kamen nämlich gar nicht zur Abstimmung: „Für beide fehlt die rechtliche Grundlage“, führte Richard Bartl als Vertreter der Tiroler Landesregierung und damit als Aufsichtsbehörde aus.

Bezeichnend: Trotz der Bitte um eine offene Diskussion gab es im Rahmen der anschließenden Diskussion keine einzige kritische Wortmeldung der anwesenden Delegierten bzw. Funktionsträger. „Mut kann man sich eben nicht kaufen“, quittierte LA Hermann Kuenz (ÖVP) diese Haltung.

In seiner Rede an die anwesenden 149 (von 198) wahl- und stimmberechtigten Delegierten des TJV ging Larcher vor allem auf das neue Jagdgesetz ein. „Es ist nicht unser Gesetz!“, stellte er dabei unmissverständlich klar. „Es ist nicht unser Wunsch und schon gar nicht muss ich dieses Gesetz verteidigen. Allerdings ist es uns gelungen, eine große Anzahl von Erschwernissen und anderen Auswüchsen herauszuverhandeln. Über 70 Prozent aller unserer Anregungen, Wünsche und Forderungen wurden am Ende vom Landesgesetzgeber berücksichtigt.“

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Seine Kritiker hatten Larcher bekanntlich immer wieder aufgefordert, die Verhandlungen abzubrechen. „Es hätte wenig genützt, wenn wir den Verhandlungstisch unter lautem Getöse verlassen hätten. Man hätte uns als die Ewiggestrigen, die Stahlhelmfraktion und als jene bezeichnet, die nur auf ihren Vorteil bedacht sind. Hätten wir uns so benommen, wie manche dies nun lautstark und unfair fordern, dann, lieb­e Freunde, wäre es uns sicher nicht gelungen, so viele Verbesserungen zustande zu bringen.“

Mit seinen Kritikern in den Reihen der Waidmänner und -frauen ging Larcher zwar hart ins Gericht. Einigen wenigen „geht es schon lange nicht mehr um das Wohl der Jagd oder der Jägerinnen und Jäger“, ließ er die Vollversammlung wissen. Außerdem ließe sich „nicht alles, was am Stammtisch bei biergeschwängerter Atmosphäre gut klingt und einleuchtet, auch im wahren Leben umsetzen“. Zum Ende aber schlug der Landesjägermeister freundlichere Töne an: „Ich habe meine Funktion unter dem Motto ,Gräben zuschütten, Brücken bauen‘ begonnen und werde dies auch unter den aktuellen spannenden und teils schwierigen Herausforderungen fortsetzen!“

Die Tiroler Jägerschaft sei „eine wichtige Grupp­e, aber wir sind nicht der Nabel der politischen Welt – auch nicht in Tirol. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass manch politische Gruppierung gar Vorteile daraus zieht, sich jagdfeindlich zu positionieren. Man möge nur zu unseren deutschen Nachbarn schauen. Besonders in den Bundesländern, in denen die Grünen mitregieren, wird den Jägern das Leben konsequent schwergemacht.“

Zum Schluss erlaubte sich Larcher dann noch einen kleinen Seitenhieb in Richtung früherer Gepflogenheiten: „Es mag sein, dass die Geschwindigkeit, mit der in den letzten zwei Jahren Veränderungen vorgenommen und auch umgesetzt wurden, ungewohnt ist. Wir im Vorstand hätten es uns leicht machen können, indem wir Altbekanntes gepflegt hätten und nur bei Sonntagsreden lautstark über unsere Gegner rhetorisch hergefallen wären. Der Applaus wäre uns sicher gewesen.“ Das aber sei nicht sein Weg und der seines Vorstands: „Wir wollen die Jagd enkelfähig machen. Das heißt, sich künftigen Herausforderungen zu stellen, und die Verbandsstrukturen so zu gestalten, dass wir diese Herausforderungen meistern können!“


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