Deutsche Marineschiffe brachten mehr als 400 Flüchtlinge an Land

Zwei Schiffe der Bundeswehr mit mehr als 400 Flüchtlingen an Bord haben am Samstag die italienische Stadt Reggio Calabria erreicht. Die Männer, Frauen und Kinder waren am Vortag von der deutschen Marine aus Seenot gerettet worden, als sie in drei überfüllten Booten vor der Küste Libyens trieben.

Die Besatzung des Schiffs "Hessen" nahm knapp mehr als 220 Flüchtlinge auf und kümmerte sich um die Mirganten.
© DPA / BUNDESWEHR

Berlin – Einen Tag nach der Rettung von mehr als 400 Flüchtlingen im Mittelmeer hat die deutsche Marine die Schiffbrüchigen in Italien an Land gebracht. Das Schiff „Hessen“ legte am Samstagvormittag im Hafen von Reggio di Calabria an, wo die Geretteten den italienischen Behörden übergeben würden, sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der deutschen Bundeswehr der Nachrichtenagentur AFP.

Die „Berlin“ ging in dem Hafen vor Anker. Von dem großen Versorger wurden die Einwanderer mit kleineren Booten der italienischen Behörden an Land gebracht.

Sobald alle Flüchtlinge die Marineschiffe verlassen haben, wollten die Besatzungen wieder auslaufen, um die nächsten Menschen zu retten. „Sie wollen so schnell wie möglich wieder raus“, sagte der Sprecher des Einsatzführungskommandos in Geltow bei Potsdam. Die Schiffe werden dann ihre Patrouillenfahrten südlich von Sizilien wieder aufnehmen. Die genauen Koordinaten der in Seenot geratenen Menschen liefern die italienischen Behörden.

Die deutschen Marineschiffe waren am Dienstag von Kreta aus zu ihrem Einsatz zur Seenotrettung gestartet. Am Freitag hatte die Fregatte „Hessen“ dann rund 250 Kilometer südlich der italienischen Insel Lampedusa 224 Menschen von einem Holzboot aufgenommen. Die „Berlin“ rettete 70 Kilometer vor der libyschen Küste 195 Menschen – darunter Frauen und kleine Kinder – aus zwei Schlauchbooten.

Einmalige Rettungsaktion

„So etwas haben wir noch nie gemacht“, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums am Samstag zu AFP. Zwar gebe es für Marineschiffe stets die Pflicht zur Seenotrettung. Aber eine Rettung so vieler Menschen und ein Einsatz mit einem speziellen Auftrag zur Rettung, das sei bisher einmalig.

Eines der Schlauchboote war bereits zwei Tage unterwegs, das zweite etwa zwölf Stunden. Die Boote seien nach Angaben der Insassen in Tripolis an der libyschen Küste gestartet, hieß es aus dem Einsatzführungskommando. Die meisten Flüchtlinge stammten aus Somalia, Eritrea und Äthiopien, einige aus dem Sudan. Mutmaßliche Schlepper seien nicht festgenommen worden, sagte der Sprecher. Die Flüchtlinge seien „alleine“ Richtung Italien losgeschickt worden.

Der Vatikan will unterdessen den Vorschlag prüfen, Flüchtlingen mit eigenen Visa eine legale Einreise nach Europa zu ermöglichen. Es sei schwer, diese Idee zu verwirklichen, „doch wir können sie auch nicht verwerfen“, sagte der Präsident des päpstlichen Migrantenrates, Kardinal Antonio Maria Veglio, am Samstag dem Sender „Radio Vatikan“ laut Kathpress. Die Kirche prüfe alles aufmerksam, was dazu beitragen könne, die Flüchtlingsproblematik besser zu lösen. Vier Priester hatten zuvor an den Vatikan appelliert, in den Herkunftsländern der Flüchtlinge durch seine Botschaften vatikanische Visa ausstellen zu lassen, um eine legale Einreise nach Europa zu ermöglichen.

Im Mittelmeer hatte es in den vergangenen Wochen mehrere Flüchtlingskatastrophen gegeben, bei denen hunderte Menschen ertranken. Schätzungen zufolge kamen seit Jahresbeginn mehr als 1.500 Menschen bei der Überfahrt nach Italien ums Leben.

Die EU-Staaten beschlossen allerdings bisher nicht, das Einsatzgebiet der Grenzschutzmission „Triton“ von der italienischen Küste Richtung Süden auszuweiten, wo die meisten Menschen ums Leben kommen. Unter anderem deswegen sind die beiden deutschen Schiffe nicht Teil von „Triton“, sondern helfen Italien direkt bei der Seenotrettung. Die von den deutschen Schiffen aufgenommenen Menschen werden dann den italienischen Behörden übergeben. (APA/AFP)


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