Kubanischer Präsident Castro trifft Papst Franziskus im Vatikan

Vatikanstadt/Havanna (APA/KAP) - Kubanische Präsidenten zählen seit der Revolution 1959 und Errichtung eines kommunistischen Regimes nicht z...

Vatikanstadt/Havanna (APA/KAP) - Kubanische Präsidenten zählen seit der Revolution 1959 und Errichtung eines kommunistischen Regimes nicht zu den Stammgästen im Vatikan. Fidel Castro traf nur einmal mit einem Papst in Rom zusammen: Das war 1996 mit Johannes Paul II. (1978-2005). Am Sonntag nun trifft sein jüngerer Bruder und Nachfolger Raul Castro erstmals mit Papst Franziskus im Vatikan zusammen.

Auch wenn der Termin kurzfristig bekannt wurde, völlig überraschend kommt die Begegnung nach der rasanten Entwicklung der vergangenen fünf Monate keineswegs: Castro hatte dem Papst im Dezember ausdrücklich für seine Vermittlung zwischen Kuba und den USA gedankt, die im gleichen Monat zu einer historischen Annäherung geführt hatte. Im April hatte der Vatikan dann mitgeteilt, dass Franziskus unmittelbar vor seinem USA-Besuch im September nach Kuba reisen werde. Und am Tag der Ankündigung, am 22. April, machte sich schließlich ein enger Vertrauter des Papstes, Kardinal Beniamino Stella, zu Sondierungsgesprächen nach Kuba auf, wo er in Havanna auch mit Castro sprach.

Die Vermittlung zwischen den USA und Kuba war der wohl spektakulärste Erfolg der vatikanischen Diplomatie in den vergangenen Jahrzehnten. Der Papst aus Argentinien hat sein Gewicht als neutrale moralische Autorität in die Waagschale gelegt, um eine der letzten Hochburgen des Sozialismus mit der einzigen verbliebenen Supermacht an einen Tisch zu bringen. Eingeleitet wurde die Annäherung durch Briefe des Papstes an die Präsidenten Barack Obama und Raul Castro. In den darauffolgenden Verhandlungen spielte der Vatikan nach Aussage aller Beteiligten eine wichtige Rolle. Freilich war Obama schon seit längerem an einer Kursänderung gegenüber Kuba gelegen. Die Initiative des Papstes bot ihm nun jedoch eine willkommene Argumentationshilfe, um diesen Schritt gegenüber den stets argwöhnischen Exil-Kubanern in den USA zu rechtfertigen.

Thema, der vom Vatikan als „rein privat“ bezeichneten Begegnung, dürfte am Sonntag jedoch auch die schwierige Lage der katholischen Kirche im Land sein. Ihre Rechte sind, trotz mancher Erleichterungen und symbolischer Gesten im Zuge des Kuba-Besuchs von Benedikt XVI., wie der Einführung des Karfreitags als gesetzlichen Feiertag, weiterhin stark eingeschränkt. Kardinal Stella hatte Ende April gegenüber dem kubanischen Präsidenten insbesondere einen besseren Zugang der Kirche zu digitalen Medien gefordert. Außerdem machte er sich nach eigenen Angaben für Erleichterungen bei Restaurierungen und Neubauten von Kirchen stark. Nach der Hilfe des Papstes dürfte es für Castro schwieriger sein als früher, solche Wünsche abzuschlagen.

Franziskus musste nicht bei Null anfangen. Im Gegensatz zu den Staaten des kommunistischen Ostblocks hatte Fidel Castro nach der Revolution Ende der 1950er Jahre nie ganz mit Rom gebrochen. Die diplomatischen Beziehungen zum Heiligen Stuhl bestanden auch in der kommunistischen Ära weiter. Berichte über eine angebliche Exkommunikation Castros, die vor drei Jahren im Umfeld der Kuba-Reise von Benedikt XVI. kursierten, erwiesen sich als falsch.

Der Vatikan ist zudem schon seit langem ein Gegner des 1962 von den USA gegen Kuba verhängten Handelsembargos. Bereits Johannes Paul II. hatte 1998 während seiner Kuba-Reise eine Lockerung gefordert und das Embargo als „ungerecht und ethisch inakzeptabel“ bezeichnet. Benedikt XVI. tat dies ebenso.

Zugutekommen Franziskus aber im Umgang mit Kuba auch seine lateinamerikanische Herkunft sowie die ausgewiesenen Kuba-Kenner in seinem Mitarbeiterkreis. So bereitete Kardinal Stella als vatikanischer Botschafter in Havanna in den 1990er Jahren schon den Besuch von Johannes Paul II. vor. Sein Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin war zuvor vatikanischer Botschafter in Venezuela, einem Verbündeten Kubas.

Einen ersten Hinweis darauf, dass Franziskus einen besonderen Draht nach Kuba hat, gab es schon kurz nach seiner Wahl im März 2013. Damals überließ er dem Kardinal von Havanna, Jaime Ortega y Alamino, seine aufsehenerregende und wohl wahlentscheidende Rede im Vorkonklave zur Veröffentlichung.


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