Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 02.10.2016


Ducati

Der Teufel lässt sich nicht in Normen pressen

Ducatis Muscle-Bike, die XDiavel, wurde für heuer überarbeitet und verbindet sportliche Qualitäten mit der Tugend eines Cruisers.

© LetznerDie perfekten Cruiserzutaten: großer V2, langer Radstand und die entspannte Sitzposition.Foto: Letzner



Inzing – Cruiser. Sobald man auf ihnen Platz nimmt, fühlt man sich nahezu unbesiegbar, cool und freut sich sofort auf nicht enden wollende Straßen. Die Füße leicht nach vorne versetzt, die Arme lässig am Lenker – so muss es sein. Einem Hersteller hätte man das Fette-Hinterreifen-Image früher aber keinesfalls zugetraut: Ducati. Als die Italiener mit der Diavel aber einen solchen Cruiser auf die Straßen losgelassen haben, staunte nicht nur die Fachwelt. Heuer wurde sie aber kräftig überarbeitet: aufgebohrter Motor, gesteigertes Drehmoment und ein noch längerer Radstand. Wir waren also sehr gespannt, als sich die neue XDiavel zum Test ankündigte.

Und tatsächlich: Die Neue steht noch flacher und länger vor uns. Zwar wuchs der Radstand auf dem Papier eigentlich nur um drei Zentimeter (von 1590 auf 1615 mm), aber die sieht man sofort. Und dennoch, die XDiavel sitzt wie ein Maßanzug. Die weit nach vorn verlegten Fußrasten sind ab Werk verstellbar und der Lenker lässt sich zudem verstellen. Zu guter Letzt tragen vier verschiedene Sitzbänke dazu bei, dass sich jeder auch noch so kleine oder große Pilot auf Anhieb wohlfühlt.

Doch wofür steht eigentlich das X? Will der Cruiser aus Borgo Panigale etwa ins Gemüse? Keineswegs! Das X steht ganz einfach für Crossover und will die eigentlich unmögliche Brücke zwischen Sport und Cruiser verbinden. Das müssen wir selbstverständlich überprüfen.

Schon auf der ersten Metern sind wir überrascht, wie leichtfüßig und wendig die XDiavel eigentlich ist. Betont entspannt bewegen wir uns im Gewusel der Stadt und sind begeistert über die angenehme Kraftentfaltung der Power-Duc. Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin gibt sie diese nicht mehr mittels Kette weiter, sondern wuchtet ihr sattes Drehmoment von 129 Nm per Zahnriemen auf den hinteren Pneu. Dieses liegt jedoch schon bedeutend früher an und sorgt für kraftvollen Vortrieb. An den spürbaren Vibrationen darf man sich bei Cruisern ohnehin nicht stoßen – das gilt auch für die XDiavel. Unter 3000 Touren kann das potente, desmodromisch gesteuerte Triebwerk nämlich nicht leugnen, dass es eigentlich von einem drehzahlgierigen Superbike abstammt, da rappelt und poltert es schon gewaltig in der Kiste.

Der „Testastretta DVT 1262“ ist übrigens ein völlig neu entwickelter 90-Grad-V-Motor mit Zwangs-Ventilsteuerung. Das Ducati-typische, variable Desmodromik-System ist neben 62 ccm zusätzlichem Hubraum vor allem für den spürbar gesteigerten Druck verantwortlich. Mühelos wühlt sich das Aggregat durchs Drehzahldickicht und man vergisst schnell, dass man auf einem Cruiser sitzt. Zu haben ist die Power-Duc übrigens ab 22.995 Euro. (luc)




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