Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.08.2019


Bikes

Eldorado California: Amerikanisch Cruisen im italienischen Maßanzug

Klassische Optik, moderne Technik: Die Moto Guzzi Eldorado California im Test.

Die Moto Guzzi Eldorado California zeigt schon im Stand, was sie hat.

© LetznerDie Moto Guzzi Eldorado California zeigt schon im Stand, was sie hat.



Von Lukas Letzner

Innsbruck – Moto Guzzi steht bei vielen Motorrad-Fans schon seit jeher für waschechte Klassiker. Wir durften vor nicht allzu langer Zeit auf der Moto Guzzi Eldorado California Platz nehmen. Sie ist ein Paradebeispiel dafür, wie man klassische Optik in Form von Weißwandreifen, Speichenrädern, massig Chrom und wuchtigen Kotflügeln mit der modernen Technik von heute kombiniert. Die Geschichte der California reicht übrigens bis in die Siebziger zurück, als die Polizei von Los Angeles mit Moto Guzzis Straßenableger „California“ durch die Stadt patrouillierte.

Schon im Stand wirkt unsere Guzzi sehr opulent. Unterstrichen wird der optische Auftritt vom mächtigen V2-Motor, der seine Zylinder links und rechts im rechten Winkel in die Sonne hält. Lediglich der moderne Scheinwerfer und der Tacho passen nicht ganz in die Klassik-Schublade. Als wir uns in den nur 74 Zentimeter hohen Sattel fallen lassen, erinnert uns die tiefe Sitzposition an die Harley-Heritage-Modelle. Unterstrichen wird dieses Gefühl vom geschwungenen Lenker und der lässig nach vorne gerichteten Sitzposition. Der Motor ist übrigens derselbe 90-Grad-Vau, der auch in den anderen Californias zum Einsatz kommt. Mit seinen 1388 ccm gehört er zu den größten Aggregaten, die die Italiener (Moto Guzzi baut seine Zweiräder am Comer See) je gebaut haben.

Schon im Stand merkt man, wie der Vau-Zwo pulsiert. Begleitet werden die Vibrationen vom tiefen Brummen der Auspuffanlage. In Sachen Sound hätten wir uns eigentlich ein bisschen mehr erwartet. Aus dem großen Hubraum schöpft die Guzzi 71 kW/96 PS und ein sehr ordentliches Drehmoment von maximal 120 Newtonmetern, das bereits bei 2750 U/min anliegt.

Dank des druckfreudigen Antritts aus jedem Drehzahlbereich macht die Eldorado alles mit: flott aus den Kehren heraus beschleunigen, ausdrehen und hochschalten oder einfach im großen Gang dahingleiten. Zudem lässt sich die Motorcharakteristik mittels Fahrmodi an alle Lebenslagen anpassen. „Turismo“ steht für genussvolles Reisen, bei „Veloce“ geht’s sportlicher zu und „Pioggia“ steht für „Regen“. Wer sich für den 329 Kilo schweren Brocken interessiert, der sollte mindestens 19.999 Euro auf der Kante haben. Dafür bekommt man aber viel Motorrad.