Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 16.09.2017


Motor News

„Das ist in trockenen Tüchern“

Audi-Sport-Chef Stephan Winkelmann rechnet im TT-Interview damit, dass 2020/21 ein sehr dynamisches Elektroauto aus Audis Tuning-Schmiede auf den Markt kommen wird.

© HöschelerStephan Winkelmann bewirbt auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt zwei neue Modelle: den R8 V10 RWS und den RS 4 Avant.



Seit zwei Wochen gibt es die Meldung, dass Sie noch heuer die Marke Bugatti übernehmen — was sagen Sie dazu?

Winkelmann: Zu Spekulationen sage ich nichts.

Dann reden wir über die Gegenwart und die Vergangenheit — warum gab es die Umbenennung der Quattro GmbH in Audi Sport?

Winkelmann: Ich bin Überzeugungstäter. Für mich ist Quattro ein sehr wichtiger Bestandteil der Marke Audi — so wie der Fünfzylinder, so wie das Aluminium-Chassis. So ist auch der Allradantrieb etwas, das den Unterschied für die Marke ausgemacht hat. Ich glaube aber nicht, dass das der Name einer Gesellschaft sein sollte, weil dann keine Klarheit besteht. Audi Sport kann auf eine lange Geschichte zurückblicken, dank der Silberpfeile, dank Le Mans und Formel E.

Sind für Sie AMG von Mercedes und die M GmbH von BMW die Hauptkonkurrenten?

Winkelmann: Als ich vor eineinhalb Jahren angefangen habe, habe ich mir natürlich angeschaut, was der Mitbewerber gemacht hat. Aber für uns ist wichtiger, was wir mit unserer Marke, mit Audi Sport, machen. Und unser Vorhaben basiert auf drei Pfeilern: Der erste ist die Entscheidung — machst du auf Exklusivität oder auf Volumen? Hier war sofort klar, dass wir uns für Exklusivität entschieden haben. Das bedeutet, dass wir uns für neue Autos entscheiden, die über die Welt gleichmäßig verteilt sind. Heute sind wir sehr europa­lastig, was an den Avant-Modellen liegt. Die werden wir weiter bauen, aber wir werden auch mehr tun für den amerikanischen Markt und für den Asien-Pazifik-Raum. Und: Nicht jedes Auto wird ein RS-Modell werden. Der zweite Pfeiler betrifft die Sportlichkeit — sind wir eine Sportwagenschmiede oder sind wir Sportwagen mit mehr Alltagstauglichkeit? Für uns geht es mehr Richtung Alltagstauglichkeit, auch wenn es andere Beispiele wie den R8 gibt. Unsere Autos müssen sehr gut aussehen, sehr schnell sein und Spaß machen, wenn man sie fährt. Aber sie müssen einen sehr hohen Grad an Alltagstauglichkeit besitzen. Großgeschrieben werden aktive und passive Sicherheit, die Qualität, das Raumgefühl. Das bedeutet, dass das Auto auch für die Familie sein kann. Der dritte Pfeiler beruht auf der Elektrifizierung. Hier ist uns wichtig, dass wir als Submarke für die Marke Audi ein Statement machen. Hier haben wir uns entschieden, ein Elektroauto zu machen, das 2020 oder 2021 auf den Markt kommen wird. Hier geht es nicht nur um Längsbeschleunigung, sondern auch um Querbeschleunigung.

Ist dieses Auto in Diskussion oder schon entschieden?

Winkelmann: Das Auto haben wir schon in trockenen Tüchern, aber wir müssen den Markt darauf vorbereiten. Ich glaube, dass man damit auch neue Kunden gewinnt.

Wird das eine Art elektrischer R8?

Winkelmann: Nein, das ist nicht das, was wir wollen. Wir haben uns das überlegt, aber wir wollen eher ein Auto machen, das entweder ein coupéhafter Viertürer oder ein coupéhaftes SUV sein wird.

Ein Plug-in-Hybrid kommt für Sie nicht in Frage?

Winkelmann: Doch, aber nicht als erster Schritt. Wenn ich mich als kleine Marke entscheiden muss, dann gehe ich lieber den ganzen Schritt.

Ist vor Ihrem Engagement bei der Quattro GmbH Audi Sport GmbH Zeit vergeudet worden?

Winkelmann: Ich glaube, dass die Modellpalette, die ich vorgefunden habe, sehr gut war und auf sehr fundamentalen Werten von Audi basiert, getragen von einer motivierten Mannschaft. Bei der Modellpalette ist viel Platz, bei der Erarbeitung der Markenwerte ist auch sehr viel Platz. Beides wurde in den vergangenen eineinhalb Jahren angegangen.

Sie waren früher bei Lamborghini, also fragen wir: Ist der R8 von Audi zu nah bei den Italienern?

Winkelmann: Eigentlich nicht. In meiner Lamborghini-Zeit habe ich festgestellt, dass wir kaum Überschneidungen haben bei der Klientel. Ich glaube auch, dass wir ein Potenzial bei den Derivaten des R8 haben, das wir jetzt auch ausschöpfen sollten. Dieser neue Hecktriebler ist ein erster Schritt. Auch bei uns gibt es eine Klientel, die diesen puristischen Fahrspaß liebt.

Wird es ihn auch offen geben?

Winkelmann: Das könnte möglich sein.

Das Interview führte Markus Höscheler