Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 23.09.2017


Motor News

Volle Craft(er) voraus und zurück

Bisher war Volkswagens neue Lieferwagen-Generation mit Vorderradantrieb lieferbar – nun sind 4Motion und Heckantrieb an der Reihe. Weitere Derivate sind in Vorbereitung.

© Der neue Crafter ist noch kein Jahr alt, schon baut Volkswagen das Angebot erheblich aus.



Von Markus Höscheler

Rust – Vielleicht wird sich im Laufe des Jahrhunderts anstelle des Spruches „da fährt der Zug drüber“ folgender Satz durchsetzen: „Da fährt Volkswagen drüber.“ Der Konzern lässt öfters die Konkurrenz die Lage sondieren, wenn es um die Eröffnung eines neuen Segments geht. Dann, nach einigen Jahren, kommt Volkswagen mit einem Gegenangebot, zu dem die Kunden nur schwerlich Nein sagen können oder wollen. Als Exempel nennen wir hier die späten, aber keinesfalls verspäteten Erfolgsläufe des Touran, des Tiguan oder des Amarok.

Nun ist das Nutzfahrzeuggeschäft für VW nicht neu, mit Caddy und T6 haben die Niedersachsen bereits bewährte Platzhirschen ins Revier gestellt. Aber ein Segment darüber war die Firma bis vergangenes Jahr auf die Zusammenarbeit mit dem Rivalen Daimler angewiesen: Der Crafter war nicht viel Anderes als ein mit VW-Logo versehener Sprinter. Damit wollten sich die Norddeutschen aber langfristig nicht zufrieden geben, setzten bei der Folgegeneration auf eine vollständige Neuentwicklung (samt Kooperation mit der konzerninternen Marke MAN), zogen eine eigene Produktionsstätte in Polen auf und begannen im Vorjahr mit der Fertigung des neuen Transporters.

- Werk

Der durfte nicht nur mit völlig neuen Zweiliter-Turbodieseln ans Werk, sondern auch mit einer Vielzahl an Komfort- und Sicherheitssystemen, die es in dieser gedrängten Form noch nicht gab. Keine Frage, VW Nutzfahrzeuge profitiert von den Entwicklungen im Pkw-Bereich und zieht vieles davon in die Transporterbranche. Dort, also auch im Crafter, bleibt im Interieur der Kunststoffanteil hoch, ansonsten gibt es mit Rückfahrkamera, Park- und Rangiersensoren rundum (auch seitlich, wohlgemerkt), Toter-Winkel-Assistent, Ausparkassistent, Front Assist samt City-Notbremsfunktion und Spurhalteassistent eine Vielzahl von Komponenten, die den Crafter, seine Insassen, Güter und die Umwelt schützen helfen.

Volkswagen lässt sich bei aller Technikliebe jedoch Zeit beim Ausrollen seines neuen Crafter-Portfolios. Es begann im November des Vorjahres mit frontgetriebenen Modellen, eines davon fand sich kürzlich auch im TT-Testfuhrpark wieder. Jetzt ist es Zeit, so befindet es das Management, für die Erweiterung des Angebots um Heckantriebs- und Allrad­varianten (4Motion). Grund für diese Erweiterung ist die gewonnene Einsicht, dass verschiedene Kundengruppen unterschiedliche Anforderungen an Nutzfahrzeuge haben. Die einen brauchen mehr Volumen, andere verlangen nach mehr Zuladung, weitere wollen wiederum auf schlechten Wegen unterwegs sein – dann gibt es solche, die Wert auf eine niedrige Ladeebene legen. All dem trägt VW Rechnung, indem es nunmehr 69 verschiedene Motor-, Antriebs- und Karosserievarianten gibt.

Fangen wir bei den Motoren an – den Selbstzünder offeriert die Nutzfahrzeugsparte in vier Leistungsstufen: 102, 122, 140 und 177 PS. Zusätzlich zu den drei Antriebsformen gesellen sich zwei Formen der Kraftübertragung: via Sechsgang-Handschalter oder via Achtstufenautomatik. Dann gibt es grundsätzlich zwei Radstände (3,64 und 4,49 Meter), drei Gesamtlängen (Kastenwagen: 5,99, 6,84 und 7,40 Meter) und drei Dachhöhen (2,35, 2,60 und 2,80 Meter), natürlich auch abhängig von der Karosserieausführung: Hier bietet VW vier Grundmodelle an: Kastenwagen, Kombi (folgt Mitte 2018), Einzelkabine (Pritschenwagen, Fahrgestell) oder Doppelkabine (Pritschenwagen, Doppelkabine). Noch zwei Details am Rande: Für die heckgetriebenen Crafter-Modelle gibt es auch die Möglichkeit, eine Zwillingsbereifung hinten zu ordern. Und zu bedenken gilt es, dass die Anhängelast auch vom gewählten Antrieb abhängt.

Im Burgenland bewegten wir uns Mitte dieser Woche mit einem 4Motion-Pritschenwagen im Gelände, mit einem leeren, frontgetriebenen und mit einem beladenen, heckgetriebenen Kastenwagen auf der Straße – allen Fahrzeugen gemein war eine komfortable Fahrwerksabstimmung und ein ausreichender, zuverlässig zugkräftiger Dieselmotor. Die Preisliste für den neuen Crafter beginnt mit 24.700 Euro netto (Crafter 30 Kastenwagen, 102 PS, Frontantrieb). Mit diversen Extrawünschen steigt der Tarif dann in lichte Höhen, genau dahin, wo der Zug, pardon: Volkswagen drüber fährt.