Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 04.11.2017


Porsche

Ein Sportwagen mit viel Aussicht

Die dritte Auflage des Porsche Cayenne legt in allen Sportwagen-Disziplinen gehörig zu – und sprechen kann er jetzt auch schon.

© WerkHightech-Offensive: Der neue Cayenne ist sportlicher denn je und auch digital fit für die nächsten Jahre.



Von Stefan Pabeschitz

Iraklion – Der Aufreger von 2002 ist zum Mainstream-Flaggschiff geworden. Zum Marktstart der Cayenne-Generation Nummer drei traut sich im Gegensatz zu damals niemand mehr darüber zu schimpfen, dass ein SUV doch bitte niemals ein Porsche sein kann – oder umgekehrt. Die bisherigen Absatzzahlen sprechen für die steigende Beliebtheit der rasanten Hoch­sitze: 270.000-mal verkaufte sich die Serie eins, bereits ein­e halbe Million Mal die zweit­e. Damit es künftig so weitergeht, wurde der neue Cayenne technisch in allen Bereichen massiv aufgerüstet.

Die schon im Panamer­a eingesetzte, neue Motorengeneration mit zwei V6-Benzinern zu 340 und 440 PS und einem V8 Bi­turbo mit 550 PS befeuert nun auch Porsches großes SUV. Noch keine Starttermine gibt es nach wie vor für etwaige Diesel- und Hybrid-Varianten. Völlig neu konzipiert wurde das Fahrwerk, das nun über Dreikammer-Luftfederung in Kombination mit aktivem Wank- und Nick-Ausgleich verfügt – hier kommt das schon aus dem Bentley Bentayga bekannte System der mit 48 V-Motoren gegeneinander verdrehbaren Stabilisatoren zum Einsatz. Das Ergebnis ist eine noch weitere Spreizung zwischen Komfort und Sportlichkeit in den manuell auswählbaren Fahrmodi. Als wäre das immer noch nicht genug, ist der neue Cayenne schließlich auch noch mit Vierrad-Lenkung ausgestattet, die den 4,9-Meter-Lackl selbst Kehren leichtgängig durchfahren lässt, als wäre er ein kleiner Kompakter. Erst die zwei Tonnen Gewicht setzen dem Tempo-Schinden in den Kurven irgendwann Grenzen.

Atmosphärisch hat der Cayenne ebenfalls ordentlich zugelegt – dank mehr Design-Anleihen vom 911, stilsicher auf das SUV-Thema übertragen. Sechs Zentimeter Längenzuwachs, aber einer weniger an Höhe machen eine schlanker­e Linie, die Proportionen wirken insgesamt ausgewogener. Dass auch fahrerseitig ein Handgriff an der Mittelkonsol­e angebracht ist, geht als Kuriosum durch – in welcher Situation sich dort jemand anhalten soll, bleibt der Fantasie überlassen.

Die neue Cayenne-Palette startet ab 91.923 Euro, gegenüber den vergleichbaren Vorgänger-Versionen sind die Preise etwa zwischen 6000 und 9000 Euro gestiegen. Zugelegt hat er allerdings nicht nur in der Grundausstattung, sondern auch merkbar an Agilität – die kräftigeren, durchzugsstärkeren Motoren und das um mindestens 115 Kilo geringere Gewicht machen sich positiv bemerkbar, dazu spricht auch die Achtgang-Automatik rascher an. Die Reaktionszeiten des Allradantriebs sind nun ebenfalls kürzer, was nicht nur noch souveräneres Handling, sondern auch höhere Sicherheitsreserven ermöglicht. Anders gesagt: problemlos schneller unterwegs sein auch bei rutschigem Untergrund oder schlechtem Wetter. Beim V8-Spitzenmodell kommt dazu erstmals im SUV-Segment ein ausfahrbarer Dachspoiler zum Einsatz, der nicht nur für ausreichend Anpressdruck sorgt, sondern sogar beim Bremsen hilft.

Das Kommunizieren mit dem Fahrzeug über Sprachsteuerung hebt der Cayenne ebenfalls auf ein neues Level. Etwa reicht die Erklärung „Mir ist kalt“, und schon wird die Temperaturregelung um zwei Grad angehoben, dazu folgt die Bestätigung „Es wird gleich wärmer“. Auch auf die Frag­e „Wie ist das Wetter daheim?“ kontert das Nobel-SUV umgehend mit einem detaillierten Bericht, der jeden Fernseh-Wetterfrosch neidisch machen muss. Er liest auf Zuruf aktuelle Nachrichten vor, was bei gleichzeitiger Verwendung des Navigationssystems zu interessanten Satzgebilden führt. „ … verlangte Präsident Trump ausdrücklich – jetzt rechts abbiegen!“ Nur auf die Frage aller im Auto gestellten Fragen – „Sind wir schon da?“ – wusste selbst der schlaue Porsche noch keine Antwort.




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