Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 20.01.2018


Motor News

Die Große Mauer hat Österreich erreicht

Das chinesische Auto-Unternehmen Great Wall Motors installiert in Kottingbrunn ein Forschungs- und Entwicklungszentrum.

© WerkGroßer Eröffnungs-Bahnhof in Kottingbrunn, Niederösterreich: Great-Wall-Generalmanager Haifeng Tang ist aus Cina angereist.



Kottingbrunn – Vorbei sind die Zeiten, als Automobil-Unternehmen nach China auslagerten. Jetzt lagern die Chinesen aus. Um nicht nur in Europa Fuß zu fassen und weltweit zu expandieren, setzen sie dazu an, europäische technische Knowhow-Ressourcen zu nützen. Eine von japanischen und südkoreanischen Marken bereits lange geübte Praxis. Eine, der die Great Wall Motors Company, kurz GWM, mit Hauptsitz in Baoding, Provinz Hebei, jetzt folgt. Der aufsteigende chinesische Auto­konzern mit den Schwerpunkt-Segmenten SUV und Pick-up – mit (bei uns noch so gut wie unbekannten) Marken wie Haval, Wey und anderen – beschäftigt weltweit rund 80.000 Mitarbeiter. 1984 gegründet, produzierte der Hersteller 2016 1,2 Millionen Fahrzeuge. Mit dem SUV-Label Wey, das GWM als Premium-Marke etablieren will, hat man große Pläne: Bis 2020 sollen global 400.000 Fahrzeuge abgesetzt werden. Großes Augenmerk liegt auf der Elektrifizierung der Antriebe.

Dazu beitragen sollen demnächst österreichische Mitarbeiter. Denn GWM will auf die heimische Expertise in puncto Forschung, Entwicklung sowie Zulieferindustrie zurückgreifen und hat dafür in der Alpenrepublik ein neues Tochter­unternehmen gegründet: die „Great Wall Motor Austria Research & Development GmbH“. Standort ist Kottingbrunn, NÖ, auf dem Areal des örtlichen Flugplatzes. Dafür nehmen die Chinesen für die kommenden drei Jahre mehr als zehn Millionen Euro in die Hand.

Diese Investition soll umweltverträgliche Mobilitätsergebnisse erzielen. Mit künftig voraussichtlich rund 150 Mitarbeitern. Gesucht werden System-, Hardware- und E-Motoren-Spezialisten. Denn den Fokus der Österreich-Tochter legen die Chinesen auf die Entwicklung von Antriebskomponenten. Das umfasst Elektro-Motoren, Leistungselektronik und die entsprechende Software. Erste Projekte sollen End­e dieses Jahres reif für das Einfließen in die Serienproduktionen sein. Auch ist die Rede von weiteren, neuen Antriebstechnologien, die nicht näher benannt werden. Möglicherweis­e handelt es sich dabei um Brennstoffzellen-Technik.

Die Österreich-Dependance ist das erste derartig­e Unternehmen, das GWM außerhalb von China gegründet hat. Eine Fahrzeugproduktion, wie sie 2012 in Bulgarien installiert wurde, ist (derzeit zumindest) nicht vorgesehen. Dafür will GWM die räumliche Nähe zu osteuropäischen – und auch heimischen – Montagewerken nützen. Wohl nicht alleine zum Erfahrungsaustausch.

Wann GWM, einer der drei am schnellsten wachsenden chinesischen Autohersteller, in Österreich auftreten will, ist noch nicht fixiert. Vermutlich wird das SUV-Label Wey – mit dem auch auf der IAA präsentierten VV7 – den Anfang machen. (bkh)




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