Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.03.2018


VW Touareg

Zugkräftiger Luxus in 3. Generation

Der kommende VW Touareg streckt sich merkbar Richtung Premium – beim digitalen Angebot setzt er sich sogar auffälligerweise an die Konzernspitze.

© WerkEndlich: Was die technische Basis des Touareg anbelangt, ließ Volkswagen Audi (Q7), Bentley (Bentayga), Porsche (Cayenne) und Lamborghini (Urus) den Vortritt, die Wolfsburger sind nun an der Reihe.



Von Stefan Pabeschitz

Hamburg – Eine knappe Million Stück Touareg wurden seit 2002 an den Mann und die Frau gebracht, wobei die Spannweite zeitweise von der hemdsärmeligen Forstarbeiter-Version mit knorrigem Pumpe-Düse-Basisdiesel bis zum übermächtigen Zwölf­zylinder reichte. Mit der dritten Generation geht der Trend aber eindeutig Richtung Premium. Der im Konzern ungebremst grassierenden Plattformitis wegen gibt es das Auto aber bereits mehr oder weniger dreimal: Als Audi Q7, Bentley Bentayga und neuerdings auch als Porsche Cayenne – jeweils auf fast identischer Bodengruppe und mit ähnlicher Hardware bestückt: Allradlenkung, Luftfederung oder elektrisch verstellbare Stabilisatoren übernimmt der Touareg praktisch 1:1 von den Geschwistern. Wenn auch hauptsächlich nur optional – dem Hang, möglichst viel als saftig zu bezahlende Extras anzubieten, schwören die Wolfsburger nach wie vor nicht ab.

Den Mangel an mechanischen Unterscheidungsmerkmalen gleicht VW mit einem großzügigen Griff in die digitale Trickkiste aus: Wahlweise ersetzt die neueste Generation Bildschirm-Technik mit Namen Innovision-Cockpit die analogen Instrumente. Immerhin – das so aufgebrezelte Innere versteht es, zu beeindrucken: Zwei mächtige Displays mit 12 und 15 Zoll Durchmesser, aufwändige, hochmoderne Grafik, weitreichende Konfigurationsmöglichkeiten und intuitive Bedienung – der kommende Touareg setzt zweifellos die Benchmark in Sachen Digitalisierung für eine ganze Generation von Fahrzeugen. Er übt sich aber auch in klassischen Wohlfühldisziplinen: feinperforiertes Leder, dazu offenporiges Holz, in einem eleganten Schwung über die ganze Breite des Armaturenbretts geführt, diskrete Klavierlackoberflächen, gebürstete Alu-Optik als Kontrapunkt.

So umrahmt werden fünf großzügig bemessene Plätze geboten – eine siebensitzige Variante ist nicht im Programm. Die längs verschiebbare Rücksitzbank schafft bei Bedarf zusätzliche 100 Liter Kofferraumvolumen – allerdings reicht die verbleibende Beinfreiheit hinten dann nicht mehr für eine annähernd komfortable Unterbringung.

In der Größe wächst der neue Touareg bei annähernd gleichem Radstand gegenüber dem Vorgänger um 77 Millimeter auf etwa 4,88 Meter und nähert sich äußerlich insgesamt eher dem Eindruck einer großen Kombilimousine denn eines klassischen SUVs an. Das selbstbewusste Front-Styling mit in den massiven Kühlergrill integrierten Scheinwerfern übernimmt er von Arteon und T-Roc. An den Flanken fällt eine besonders scharf gezeichnete Kante auf, die sich über den hinteren Radkästen einen muskulösen Schwung gönnt. Ein wenig glatt ist das Heck ausgefallen: Bis auf den mittig angebrachten Schriftzug zeigt es starke Familienähnlichkeit mit dem des Tiguan.

Zum Markstart im Sommer wird ein 3 Liter V6 Diesel mit 231 oder 286 PS angeboten, dazu ein V6 Benziner mit 340 PS – wogegen für das auslaufende Modell derzeit nur Selbstzünder im Programm sind. Im kommenden Jahr wird ein V8 TDI mit 421 PS die Palette nach oben ergänzen. Die Kraftübertragung wird bei allen Varianten von der bewährten Achtgang-Automatik aus dem Hause ZF übernommen, Allradantrieb ist serienmäßig an Bord. Ein Plug-in-Hybrid mit Vierzylinder-Motor und 50 Kilometern rein elektrischer Reichweite wird zuerst in China angeboten. Für Europa ist noch nicht entschieden, mit welchem Motor der Teilzeit-Elektriker kombiniert werden soll – der Bereitstellung der von den Kunden sehr geschätzten Zugkraft von immerhin 3,5 Tonnen wegen.

Den bisherigen Einstiegspreis von knapp 51.500 Euro wird der neue Touareg wohl auch in der künftigen Basisversion kaum halten können. Wer bei mittlerer Ausstattung und Motorisierung um die 70.000 Euro kalkuliert, dürfte damit kaum falsch liegen.