Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.05.2018


Kärnten

Noch mehr GTI geht nicht

Zum 37. Mal versammelt sich die VW Golf GTI-Gemeinde in Kärnten am Wörther See. Premierenstar diesmal: der künftige TCR mit 290 PS.

© Keckeis-HillerDer neue Über-GTI: VW präsentierte die vom TCR-Racer abgeleitete Studie am Wörther See. Marktstart: Ende des Jahres.



Von Beatrix Keckeis-Hiller

Maria Wörth – Kräftig zugelegt hat der VW Golf GTI seit 1976: Knapp 3,7 Meter, 110 PS aus einem 1,6-Liter-Motor bei 810 kg der ersten Generation stehen – in der aktuellen Basis-Version – mittlerweile nicht ganz 4,3 Meter, 230 PS aus einem Zweiliter-Motor bei 1364 kg gegenüber. Der Dreitürer, stets ein Fronttriebler, hat in der aktuellen Variante eine Reihe von Leistungs-Typen dazubekommen: den Performance mit 245 PS, den Clubsport mit 265 PS und den Clubsport S mit 310 PS. Letzterer ist leistungsseitig gleichauf mit dem Golf R, allerdings war er auf 400 Stück limitiert.

Jetzt hebt Volkswagen die GTI-Latte in unlimitierter Serie auf ein bisher unerreichtes Limit, mit dem TCR. Der ist eine Straßen-Ableitung des gleichnamigen Racers, und er holt aus dem Zweiliter-TSI 290 PS, unterfüttert mit 370 Nm Maximal-Drehmoment, gekoppelt an ein siebenstufiges Doppelkupplungsgetriebe. Damit sind 250 km/h Top-Speed drin, bei – aufpreispflichtiger – Aufhebung der elektronischen Abregelung können es 264 km/h sein. Noch mehr GTI geht derzeit nicht mehr.

Und was lag näher, als die „sehr seriennahe“ Studie des TCR dort als Premiere auftreten zu lassen, wo dem GTI heuer bereits zum 37. Mal gehuldigt wird, dort, wo er in Stein gemeißelt das Ortsbild prägt: in Reifnitz am Wörther See in Kärnten, im Rahmen des GTI-Treffens, das ja neuerdings „Wörtherseetreffen“ heißt.

Das Stelldichein zu Ehren des Sport-Golfs ist kräftig geschrumpft. Was nicht heißt, dass dem GTI-Treffen die Fans weggelaufen sind (abgesehen von denen, sie sich im Vorfeld und im Nachhall rund um den Wörther See auf eigene Faust versammeln). Die Veranstaltung konzentriert sich vielmehr seit zwei Jahren auf den oder die Hauptdarsteller, alle erdenklichen Variationen des Golf und seiner GTI-Derivate. Denn das Konzept, einen Volumensmarken-Auftritt – samt Audi, Škoda und Seat – zu inszenieren, hat die Volkswagengruppe wieder ad acta gelegt.

Der Kontakt zu den Fans sollte wieder ein direkterer, persönlicherer und freundschaftlicherer werden. Nicht nur deshalb scheinen die wildesten der einst berüchtigten GTI-Feier-Tage vorbei zu sein. Die Atmosphäre ist entspannter, familiärer. Man begutachtet die Pretiosen mit gebührender Aufmerksamkeit, das Gedränge ist weniger dicht. So scheint es: Denn nach dem Bühnenauftritt des TCR war es nahezu unmöglich, dem neuen Top-GTI nahe zu kommen. Menschentrauben scharten sich dicht um die beiden Prototypen, einer in spezifischem Grau, einer in klassischem Rot.

Bis einschließlich Samstag, den 12. Mai, kann man versuchen, einen Blick darauf zu werfen. Dann geht er zurück nach Wolfsburg, um zur Serie zu reifen. Für Ende dieses Jahres ist der Marktstart angekündigt.




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