Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 16.06.2018


Motor News

„Kunden sind verunsichert, wir steuern dagegen“

Christian Morawa, Geschäftsführer der BMW Group Austria, spricht über neue Modelle, Dieselmotoren und die Bedeutung Österreichs.

© WerkSeit 1. Dezember 2017 ist Christian Morawa (45) Chief Executive Officer der BMW Group Österreich mit Sitz in Salzburg.



Allgemein befindet sich der österreichische Automarkt im Plus, die drei großen Premium-Anbieter verlieren aber an Boden: Sind wir premium-müde?

Christian Morawa: Ein paar Einheiten mehr oder weniger machen im Premium-Segment gleich recht viel in Prozenten aus, im Vergleich zu den direkten Mitbewerbern verlieren wir am wenigsten. Grundsätzlich sind wir gut unterwegs, zumal wir sehr viele neue Modelle auf den Markt gebracht haben oder bringen werden. Der X3 läuft sehr gut, der X2 ist gerade gestartet, der neue X4 kommt in Kürze.

Welches Modell läuft am besten?

Morawa: In Tirol ist es in­teressanterweise der X3, österreichweit führt der X1. Generell läuft die X-Reihe sehr erfolgreich.

Wie schlagen sich die elektrifizierten Baureihen von BMW?

Morawa: Der i3 verkauft sich sehr gut. Ganz allgemein ist jedes fünfte elektrifizierte Modell in Österreich von uns, zumal wir einschließlich der Plug-in-Hybrid-Varianten neun verschiedene Modelle anbieten.

Beschränkt sich der Verkauf von Modellen mit alternativen Antrieben auf institutionelle Kunden?

Morawa: Etwa ein Viertel der i3-Käufer sind Private. Attraktiv ist in diesem Zusammenhang unsere Aktion mit der monatlichen Leasing-Rate von 299 Euro.

Jaguar startet soeben mit dem I-Pace ein neues Elektroauto, Audi wird noch heuer mit dem e-tron folgen, um Tesla Paroli zu bieten — von BMW gibt es derzeit nichts Vergleichbares, was die Reichweite anbelangt. Wie steuern Sie dagegen?

Morawa: Nächstes Jahr kommt der elektrische Mini, 2020 folgt der iX3 mit rund 400 Kilometern Reichweite und neuester Batterietechnologie. Bis zum Jahr 2025 kommen in Summe 25 elektrifizierte Modelle, zwölf davon rein elektrisch. Und wir dürfen nicht vergessen, dass wir im Vorjahr weltweit 100.000 Einheiten mit alternativem Antrieb verkauft haben, heuer werden es wohl um die 140.000 sein — mehr als die Mitbewerber schaffen.

Was dürfen wir von Ihnen in den nächsten Jahren in puncto autonomes Fahren erwarten?

Morawa: Schon jetzt beherrschen einige Reihen das teilautonome Fahren — und 2021 kommt der iNext auf den Markt mit vielen neuen Technologien, auch und vor allem im Bereich des autonomen Fahrens.

Bei den Sport Utility Vehicles von BMW tut sich noch einiges, ein X5-Nachfolger ist angekündigt — was wird sich ändern?

Morawa: Vom neuen X5 bin ich begeistert, er sieht sehr gut aus. Die Rückansicht ist sehr markant, innen haben wir ein großes digitales Display, das sich individuell einstellen lässt. Optional gibt es ein Off-road-Paket, sonst fährt er sich wie eine sportliche Limousine.

Gibt es da noch einen Platz in Österreich für den größeren, Anfang 2019 startenden X7?

Morawa: Den gibt es natürlich. Auch wenn hier nicht die ganz großen Stückzahlen zu erzielen sind, rundet er unser umfangreiches X-Reihen-Angebot hervorragend nach oben ab.

Wie wichtig ist das Österreich-Geschäft für die BMW Group?

Morawa: Wie groß die Bedeutung Österreichs für den Konzern ist, zeigen schon die Produktionsentscheidungen: Der aktuelle Fünfer wird in Graz produziert, demnächst beginnt hier auch die Herstellung der neuen Z4-Generation. Dann gibt es noch das Motorenwerk in Steyr, das mehr als die Hälfte aller weltweit benötigten Konzern-Aggregate produziert.

Steyr setzt vor allem auf den Diesel, der seit Herbst 2015 stark unter Beschuss ist. Leidet BMW unter dem Imageverlust des Selbstzünders?

Morawa: Die Kunden sind etwas verunsichert — und hier steuern wir dagegen, denn wir produzieren nicht nur sehr effiziente Diesel, sondern wir bieten auch die City-Diesel-Garantie an. Mit der ermöglichen wir es BMW-Fahrern, im unwahrscheinlichen Fall von dauerhaften Fahrverboten in Österreich von einem geleasten Dieselfahrzeug auf ein anderes Modell der BMW Group umzusteigen.

Das Interview führte Markus Höscheler