Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 16.06.2018


Motor News

Kaiserlich-königliche Automobil-Zeitreise

Kitzbüheler Alpenrallye: Das Klassiker-Fest entrollte sich zwischen Wildem Kaiser und Hochkönig. Die Wettergötter waren gnädig.

© Bentley/Michelle HirnsbergerBentley Le Mans 4,5 Litre (Baujahr 1929): Majestätische automobile Preziosen huldigten heuer dem Wilden Kaiser und dem Hochkönig.



Von Beatrix Keckeis-Hiller

Kitzbühel – Royal inszeniert wurde heuer die Alpenrallye – die 31. –, was die Bergwelt betrifft. Unter zahlreicher Präsenz majestätischer Vor- und Nachkriegsboliden aus dem Hause des Hauptsponsors Bentley – bekanntlich königlicher Hoflieferant – begab sich das Defilee klassischer Automobilitäten dieses Mal, am freitäglichen Höhepunkt-Tag, auf eine Route, die zwei imperiale Gebirgsmassive als Ausgangs- und Zielpunkt hatte: Sie führte vom Wilden Kaiser zum Hochkönig, vom Tirolerischen ins Salzburgerische, auf zahlreichen Um- und Neben- sowie alpinen Verbindungswegen, wie unter anderem dem kurvenreichen Filzensattel.

Auf insgesamt rund 560 Kilometern galt es für die 169 großteils hochkarätig motorisierten Teilnehmer-Teams (man hatte die Starter-Zahl gegenüber dem vorjährigen Jubiläumsjahr reduziert), möglichst zeitgenau zu fahren. Viele nahmen das gebührend ernst, hatten Roadbook, Stoppuhr und Notizblock stets parat, andere wiederum zelebrierten ihre automobilen Preziosen, gönnten ihnen Auslauf und die begeisterten Gunstbezeigungen des Publikums.

Neben den 16 klassischen Bentleys (knapp zehn Prozent der Teams) vom Le-Mans-Racer bis zum Mark V, flankiert von ihren modernen Nachkommen, kurvten Klassiker seltener, bereits historischer sowie nach wie vor existenter Marken über die Berge und durch die Dörfer. Einige Beispiele: Alfa Romeo Giulia, Aston Martin DB4, Austin Healey Le Mans, Auto Union Wanderer, BMW 507, Facel-Vega FV 3B, Ferrari Dino, Iso Rivolta IR 300, Jensen Interceptor, Jaguar mit einem ganzen Schwarm an E-Types, Lagonda LG 45, Lancia Aurelia, Lamborghini Miura, Lotus Elan, Maserati Ghibli, Mercedes-Benz 300S Cabriolet, Mini B39, Porsche 356, Triumph TR 4 und viele andere Typen. Auch der eine und andere VW wurde gesichtet. Und Amerika war mit Ford Mustang sowie Chev­rolet Corvette präsent. Die automobile Zeitreise reichte von den frühen 1920ern bis in die mittleren 1970er-Jahre.

Gewertet wurde der Gleichmäßigkeitslauf in vier Klassen nach Zeitperioden plus einer Gesamtwertung und drei Sonderwertungen, eine fürs Bergfahren, eine für Teams, eine für Damen. In Ersterer machte sich ein Bentley Speed Six, Baujahr 1929, auf dem dritten Rang präsent. In Zweiterer wollten die Sieger mit ihrem Team-Namen „Die Wappler“ ihren Humor beweisen. Die Damenwertung war zweifach besetzt – Käfer und Mini, beide aus den 1970ern –, noch sind die Historischen offenbar alleine in maskuliner Hand. Die Sieger der Detailwertungen: Bentley Le Mans Open Tourer (Classic A-D), Mercedes-Benz 107 (Classic E-J2), Auto Union Wanderer (Sport A-D), Triumph TR4 (Sport E-J2). Den Gesamtsieg der Classic-Klasse holte sich der 107er-Benz, den der Sport-Klasse der TR4.

Selbst wenn nicht hundert Prozent der Fahrzeuge des Gleichmäßigkeitsbewerbs allzu hohen Seltenheitswert aufwiesen: Das Klassiker-Fest ist auch deshalb wieder gelungen, weil die Wettergötter gnädigerweise nur beim donnerstägigen Prolog ein Donnerwetter geschickt hatten. Selbst jene, die ihren offenen Boliden kräftig mobil geduscht hatten, waren beim samstägigen Zieleinlauf im Zentrum von Kitz wieder trocken. Der Termin für die Ausgabe 32 der Alpenrallye steht schon fest: 12. bis 15. Juni 2019.