Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 30.06.2018


Motor News

Säbelzahntiger im Löwenrudel

Peugeot will mit dem neuen 508 die Mittelklasse sportlich erobern – mit Prägnanz und Eigenständigkeit. Das Leistungsspektrum: 130 bis 225 PS.

© WerkNeuer Peugeot 508: Die Front zitiert den renommierten Ahnen 504, die LED-Lichtsignatur verwandelt den Löwen in einen (Säbelzahn-)Tiger.



Von Beatrix Keckeis-Hiller

Monte Carlo – Der Löwe gilt im Tierreich als König. Im Automobilreich soll er es (wieder) werden. Peugeot will nach vollzogener und erfolgreicher Konsolidierung mehr, als im Kleinwagen-, Kompakt- und SUV-Segment zu reüssieren. Die Marke mit dem Logo der Steppen-Katze pirscht sich jetzt erfrischt an die Mittelklasse an. Aktueller Schritt ist die Erneuerung des 508, der seine acht Karriere-Jahre solide absolviert hat, nicht durchwegs unter Wertschätzung seiner Qualitäten.

Die neue Modellgeneration tritt er auf der EMP2-Plattform an. Auf dieser haben die Designer eine schlanke Silhouette kreiert, eine Symbiose aus klassischer Limousine und trendigem Viertür-Coupé, die trotzdem geräumigen Wohn- und praktikablen Kofferraum bietet (Volumen: 487 l). Charakteristisch ist das Löwenmaul mit Stilzitaten des 504 der 1960er- bis 1980er-Jahre, die schmal & scharf akzentuierte LED-Tagfahrlichtsignatur kann man mit den Fangzähnen eines Säbelzahntigers assoziieren.

Eigenständigkeit zeigt das Interieur. Die Einrichtung der Pilotenkanzel ist rund ums weiterentwickelte i-Cockpit arrangiert, samt hoch angesetztem – digitalisiertem – Anzeige-Instrumentarium (12,3 Zoll) und kompaktem Lenkrad. In die breite Mittelkonsole integriert ist das taktile Infotainment- und Navigationsdisplay (je nachdem 8 oder 10 Zoll), dazu gehört die charakteristische Schalter-Klaviatur und ein Sortiment an Drehreglern sowie Schaltern für die wichtigsten Funktionen. Die Logik der Bedienung folgt etablierten Standards, behält sich die eine und andere französische Eigenart vor, bleibt aber stets durchschaubar, die Ablagen sind griffgünstig positioniert. Ergonomisch und Langstreckentauglichkeit versprechend ist die Möblierung, je nach Ausstattung kann man feines Leder haben.

Motorisch hat sich Peugeot mit dem 508er in Bezug auf die Leistung breit aufgestellt. Der Diesel hat einen Fixplatz. Den Marktstart absolvieren der 1,5- und der 2,0-Liter. Der kleinere Selbstzünder hat 130 PS, der größere 160 oder 180 PS. Beim Benziner handelt es sich um einen 1600er, mit 180 oder 225 PS. Mit manuellem Sechsgang-Getriebe ist nur der 130-PS-Ölbrenner kombiniert. Er ist auch mit Achtgang-Wandlerautomatik (hat im 308er debütiert) zu haben. Alle anderen Aggregat-Abstufungen sind grundsätzlich mit Selbstschalter zusammengespannt. Allradantrieb ist vorerst kein Thema, das wird es mit den kommenden Plug-in-Hybriden, da wird er dann elektrisch generiert sein. Ein großes Thema sind die Emissionen, Benzinpartikelfilter und SCR-Kats sind keine Frage. Peugeot will die Flotten erobern, dem Stichwort Sachbezug hat der kleine Diesel (mit Automatik) 98 g CO2 pro km im Mix entgegenzuhalten, der stärkste emittiert 124 g, die Benziner bewegen sich zwischen 123 und 131 g.

Bei aller Abgas-Zurückhaltung sorgen die Antriebe überzeugend für Bewegung. Mit 225 Benziner- respektive 130 Diesel-PS macht der 508er sowohl im emsigen Stadtverkehr als auch auf der Autobahn gleich gute Figur, der Otto angesichts von ab 1420 Kilo fast vehement, der 1,5-Selbstzünder (nicht viel schwerer) punktet mit sattem Drehmoment.

Peugeot hat dem 4,75 Me-ter langen neuen Leittier des Löwenrudels dezidierte Sportlichkeit unter Beibehaltung typisch französischen Komforts verordnet. Herausgekommen ist dabei alles andere als ein Kompromiss, nämlich ein knackig abgestimmtes Fahrwerk, das weder zum Poltern noch zur Hölzernheit neigt. Die Lenkung ist präzise ohne jede Eckigkeit, stellt die schon beim Vorgänger bemerkenswerte Agilität auf eine neue – höhere – Stufe, die Bremsen sind in ihrer Wirkung progressiv, mit klarer Rückmeldung, ohne Bissigkeit.

Die Fahrassistenzsysteme sind nicht allzu vorlaut. Die zahllosen Tunnel von Monte Carlo und die engen Täler der Provence stellen jede Internet-basierte Konnektivität auf eine harte Netzverfügbarkeits-Probe.

Auf dem Autosalon in Paris, im kommenden Herbst, folgt der Kombi, Bilder hat Peugeot schon gezeigt. Der Preis: ab 34.250 Euro (für 130 Diesel-PS). Marktstart ist vorgesehen im Oktober.




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