Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 15.12.2018


Motor News

Power-Player mit Familiensinn

Erstmals baut Škoda auch einem SUV Rallye-Sport-Gene ein. Als RS, mit 240 Biturbo-Diesel-PS, ist der Kodiaq kernig, dabei gar nicht ungemütlich.

Hält nicht lange still: Der Kodiaq RS beschleunigt dank eines 240 PS starken Selbstzünders in 6,9 Sekunden von null auf 100 km/h.

© WerkHält nicht lange still: Der Kodiaq RS beschleunigt dank eines 240 PS starken Selbstzünders in 6,9 Sekunden von null auf 100 km/h.



Von Beatrix Keckeis-Hiller

Cadiz – Alles andere als lau weht der aktuelle Aufwind bei Škoda. Dafür tun die Tschechen mit Elan und Hingabe alles. Sie erneuern und verdichten ihr Modell-Portfolio, ohne wilde Experimente einzugehen, wie die Erweiterung der Kodiaq-Baureihe um die RS-Variante (womit erstmals ein SUV in die Sportler-Familie aufgenommen wird). Man könnte argumentieren, Stichworte „wild“ & „Experiment“, dass die Welt nicht noch einen Performance-Crossover gebraucht hätte. Dem nimmt Škoda voll den Wind aus den Segeln, indem der Bär auch als Power-Player seinen Familiensinn behalten hat: die Geräumigkeit, die optionale Siebensitzigkeit, die Praxis-Features inklusive bis zu 1969 Litern Kofferraumvolumen. Bloß dass all das in ein kerniges Package eingebettet ist. Das vorangetrieben wird von einem zweistufig Turbo-aufgeladenen, nach Euro 6d-TEMP zertifizierten Zweiliter-Selbstzünder mit 240 PS Leistung und 500 Nm Maximaldrehmoment (Durchschnitts-Konsum 6,4 Liter/100 km, 167 g CO2/km). Dieses Aggregat ist gekoppelt an ein siebenstufiges Direktschaltgetriebe, es ist kombiniert mit dem bewährten Allradantriebssystem aus dem VW-Konzernregal. Im Verein mit Features wie adaptivem Fahrwerk – dynamischer Dämpferregelung – plus sechs Fahrprofilen – fünf fixiert, eines individuell justierbar – und Stabilisierungsprogrammen – ESP, ASR, elektronische Differenzialsperren, auch Bergabfahrhilfe – ergibt das stattliche Leistungswerte für den 1,9-Tonner: 0 auf 100 erledigt er in 6,9 Sekunden, die Top-Speed ist mit 220 km/h abgeregelt. Das ist gut für eine Nürburgring-Nordschleifenrundenzeit von deutlich unter zehn Minuten: 9:29,84. Schneller ist derzeit kein anderer Siebensitz-SUV.

Eine Rekord-Rundenzeit stand bei der Fahrpremiere in Südspanien trotz der räumlichen Nähe zur Rennstrecke von Jerez de la Frontera nicht auf dem Programm. Sondern der Beweis, dass es der auf Sport getrimmte Tscheche mit allen Alltags- und Reise-Terrains souverän aufnehmen kann: In den engen Gassen der Weißen Dörfer Andalusiens ist er, unterstützt durch die exakt agierende Progressivlenkung, trotz seiner Mächtigkei­t immer noch schlank und agil genug, um sich zwischen wild geparkte­n Vehikeln und Marktstandln durchzuschlängeln. Holpriges Seitengassen-Pflaster federt er selbst im Sport-Modus (und mit Zwanzigzöllern) komfortabel, staubtrocken und stoßigkeitsfrei ab. Grobschottrige Nebenpfade inhaliert er auf der Iberischen Halbinsel genauso stoisch wie in den wilden Ecken Osteuropas. Und auf der Autobahn beherrscht er akzelerierte Überholvorgänge ebenso gut wie entspanntes Cruisen. Eine Extra-Erwähnung verdient die Sport-Bremsanlage (mit rot lackierten Sätteln): prompt und völlig unbissig, progressiv agierend, glasklar in der Rückmeldung. Weiters sei angemerkt: Laut wird der Diesel nie, die Akustik ist innen wie außen kernig, das – modulier- & wegschaltbare – Sound-Boost-System drängt sich nicht auf.

Das tut auch das zwar markante, dennoch fast solid-pragmatische Design nicht, abgesehen vom neuen RS-Emblem, verbrämt mit dickem roten „V“ für „Victory“: Die schwarzen Glanzlack-Details etwa am Kühlergrill sind dezent. Gleiches gilt für die superben Sportsitze, Alcantara ist mit Leder kombiniert, mit Logos sowie roten Nähten garniert. Das virtuelle Cockpit kann mit Carbon-Design sportlichen Hintergrund zeigen. Zum Serien-Outfit gehören weiters Voll-LED-Scheinwerfer und LED-Heckleuchten. Die Elektronik-Mitgift ist komplett, reicht von Infotainment, Navigation und Konnektivität bis zu einem Heer an elektronischen Sicherheitswächtern.

Bestellbar ist der Kodiaq RS bereits für ab 55.950 Euro, der offizielle Marktstart erfolgt im Februar 2019.




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