Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 19.01.2019


Motor News

Ford will sanieren, flanieren und florieren

Mit unterschiedlichen Materien verschafft sich Ford Aufmerksamkeit: zum Ersten mit drohenden Stellen- und Modellstreichungen, zum Zweiten mit einem sportlichen Auftritt und zum Dritten mit der angekündigten Kooperation mit dem Volkswagen-Konzern.

Angriffslustig wie nie: der Shelby GT500 von Ford, rund 700 PS stark.

© WerkAngriffslustig wie nie: der Shelby GT500 von Ford, rund 700 PS stark.



Innsbruck – Ford, das sollten wir aus den vergangenen Jahren wissen, zaudert nicht lange, wenn es Probleme gibt. Hierzu reichen ein paar Kostproben aus der Vergangenheit: Als die Amerikaner nicht wirklich glücklich waren mit der Premier Automotive Group (PAG) und weiteren Beteiligungen, trennten sie sich kurzerhand davon: Jaguar Land Rover und Volv­o fanden neue Eigentümer, auch Aston Martin und Mazd­a wurden abgenabelt. Kurios: Allen Beteiligten ging es danach wesentlich besser, auch Ford erholte sich im Gefolge der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09, leistete sich sogar das Ausschlagen staatlicher Hilfen (im Gegensatz zu den Rivalen General Motors und Chrysler). Dafür machte der Konzern kurzen Prozess in Europa und setzte Werksschließungen um.

Ähnliches droht in diesem Jahr, erneut ist von Stellenkürzungen auf dem Alten Kontinent und von einer Modellbereinigung die Rede. Die Erhöhung der Profitabilität erfolgt laut Ford-Pressemitteilung „durch eine Reduzierung des Komplexität des bestehenden Modellangebotes, die Konzentration auf margenstarke Fahrzeugvarianten sowie eine Absatzsteigerung der profitabelsten Modellreihen“. Über Einzelheiten wollte das Unternehmen noch keine Auskunft geben, gleichwohl wird in der Branche schon heftig spekuliert, was die Zukunft des C-Max und des Grand C-Max (beides Kompaktvans) anbelangt. Auch der Mondeo (Mittelklasse) hat schlechte Karten, das zeigt schon Fords Distanzierung von der Baureihe am Heimatkontinent.

Sanieren ist das eine Vorhaben, das Kreieren künftigen Angebots ein anderes. Und hier zeichnet sich immer konkreter die Kooperation von Ford mit dem Rivalen Volkswagen ab: In dieser Woche kündigten beide Konzerne ein gemeinsames Vorgehen im Nutzfahrzeuggeschäft an, was insbesondere Pick-ups, mittelgroße Transporter und Stadtlieferwagen anbelangt. Beim Thema autonomes Fahren und Elektromobilitä­t wird eine Zusammenarbeit angestrebt, aber Details liegen noch nicht vor.

Mehr Informationen gibt es hingegen über das Ford-Eigengewächs Shelby GT500, das auf der North American International Auto Show in Detroit vor wenigen Tagen Weltpremiere feierte. Der Hyper-Mustang ist mit einem aufgebohrten 5,2-Liter-V8-Benzinmotor bestückt, der rund 700 PS leistet – für den Sprint von null auf 96 km/h (60 Meilen pro Stunde) benötigt das Sportcoupé nur etwas mehr als drei Sekunden. Ford wirbt damit, dass es sich beim Shelby GT500 um das „leistungsstärkste Serienfahrzeug“ in der Geschichte des Unternehmens handelt. „Der neue Shelby GT500 wird Supersportwagenkunden mit seinen Performance-Technologien, dem aufgeladenen V8-Motor und einer faszinierenden Optik begeistern“, schwärmt Ford-Vertreter Jim Farley. Die Sache hat allerdings einen nicht unbedeutenden Haken: Ein Export nach Europa ist derzeit leider nicht vorgesehen. (hösch)




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