Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 08.06.2019


Plug-In-Hybrid

Opel: Blitzstart in Elektrozeitalter

Opel wird elektrisch: Den Anfang macht gegen Jahresende eine Plug-in-Hybrid-Variante des Grandland X, der batteriegetriebene Corsa-e kommt im Frühjahr 2020.

Opel-Boss Michael Lohscheller präsentiert den elektrischen Kleinwagen Corsa-e.

© Opel-Boss Michael Lohscheller präsentiert den elektrischen Kleinwagen Corsa-e.



Von Stefan Pabeschitz

Rüsselsheim – Eigentlich hat das moderne E-Zeitalter bei Opel schon 2012 begonnen – da kam der Ampera mit auf den Markt. Er fand viel Beifall, aber kaum Käufer. Sein 2017 präsentierter Nachfolger, der rein batterieelektrische Ampera e hatte schon wegen seiner hohen Reichweite deutlich mehr Potenzial – aber leider die falschen Eltern: Er blieb als US-Kind bei der Opel-Übernahme durch die PSA-Gruppe auf der anderen Seite des Atlantiks zurück. Nicht so schlimm, weil die Franzosen längst ihr eigenes Elektrosüppchen am Kochen haben – und aus dem löffelt nun auch Opel mit. Bis 2024 werden alle Modelle ganz- oder teilelek­trifiziert sein, also batteriebetrieben oder Benzin-Elektro-Hybride. Eigene E-Baureihen, hält Opel-Chef Michael Lohscheller fest – wohl mit einem Schielen nach Wolfsburg, wo man genau darauf setzt –, wird es bei seiner Marke nicht geben. Nur eine Produktionslinie zu fahren, senkt das Kostenrisiko, garantiert weitestmögliche Teile-Verwandtschaft und ermöglicht flexible Reaktion auf die Nachfrage. Was im Klartext bedeutet: Wenn weiterhin kaum jemand ein E-Auto kauft, laufen die Modelle eben als Benziner und Diesel vom Band. Das elektrische Milliarden-Abenteuer, in das der VW-Konzern sich soeben – und im wahrsten Sinne des Wortes ohne Netz – stürzt, kann PSA damit abfedern.

Der erste elektrifizierte Rüsselsheimer der neuen Opel-Ära wird demnach der SUV Grandland X Hybrid 4 sein, technisch nahe verwandt mit den ebenfalls in den Startlöchern stehenden Peugeot 3008 Hybrid 4 und Citroën C5 Aircross Hybrid. Der deutsche Cousin ist mit einem 1,6-Liter-Turbobenziner plus je einem E-Motor je Achse ausgestattet, alle drei zusammen schaffen die beachtliche Systemleistung von 300 PS und 450 Newtonmetern Drehmoment. Der Allrad verfügt über keinen mechanischen Durchtrieb, die Hinterachse arbeitet rein elektrisch an der Traktion mit. Zumindest rechnerisch reicht der Akku-Saft für bis zu 52 emissionsfreie Kilometer, bevor der Verbrenner einspringen muss. Die Produktion startet Ende des Jahres, der Verkauf zu Jahresbeginn 2020.

Große Hoffnungen setzt Opel natürlich auf die kommende Generation des Corsa, der seit nunmehr 37 Jahren eine der zentralen Baureihen der Marke bildet. Gegenüber dem noch aktuellen Modell wird er Länge und Breite in etwa beibehalten, sein Raumkonzept aber merkbar verändern. Der Fahrgastraum rückt weiter vor und wird damit größer, der Radstand wächst deutlich an. Entlang der Flanken bildet eine etwas gekrümmte Sicke einen optischen Spannungsboden, die C-Säule macht sich weiterhin markentypisch mit einer Teilung schlank. Mit batterieelektrischem Antrieb wird der Polo-Gegner 136 PS und 260 Newtonmeter stark sein und in 8,1 Sekunden von null auf hundert sprinten. Nach WLTP-Zyklus sollte er 330 Kilometer Reichweite schaffen, in der Realität können sich demnach knapp 300 ausgehen. Der Innenraum ist stark fahrerorientiert ausgerichtet, wird von einem zentralen Touchscreen mit zehn Zoll Durchmesser dominiert und ist auf Wunsch auch mit digitalen Instrumenten ausgestatten. Eine weitere Ausstattungsoption feiert im Opel Corsa sogar ihre Klassen-Premiere: Erstmals werden Matrix-LED-Scheinwerfer im kleinen Kompaktsegment angeboten. Die Produktion startet Anfang 2020, der Verkauf hat schon begonnen – zumindest die E-Variante ist bereits bestellbar. Der Preis in Deutschland beträgt 29.900 Euro, mit einem Prozent mehr heimischer Umsatzsteuer würden daraus hierzulande etwa 30.150 Euro. Eventuell wird man aber versuchen, unter der strategischen Dreißigtausender-Grenze zu bleiben.