Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 21.09.2019


Kia

Kia XCeed: Lieber Crossover als Cabriolet

Kia ergänzt die Kompakt-Baureihe um Variante Nummer vier: Zu Fünftürer, SW und ProCeed kommt mit dem XCeed eine SUV-artige Interpretation.

Kia XCeed: verlängerte Federwege, Robust-Outfit, abfallende Dachlinie – und fertig ist der Kompakt-Crossover. Allradantrieb ist kein Thema. Mit Leasingangebot gibt es ihn ab 20.790 Euro, sonst ab 21.790 Euro.

© WerkKia XCeed: verlängerte Federwege, Robust-Outfit, abfallende Dachlinie – und fertig ist der Kompakt-Crossover. Allradantrieb ist kein Thema. Mit Leasingangebot gibt es ihn ab 20.790 Euro, sonst ab 21.790 Euro.



Von Beatrix Keckeis-Hiller

Marseille – Früher war vieles anders. In der Abfolge der Derivate in der Kompaktklasse gesellte sich gewöhnlich zu Kombi und Dreitür-Coupé ein Cabriolet, manchmal eine Limousine. Das ist weitgehend passé. Abgesehen davon, dass Modelle mit abgeflachter Dachlinie fünftürig interpretiert werden und aufmachbare Varianten selten geworden sind, geht der Trend auch im B-Segment in Richtung SUV-isierung. Aber nicht mit allen Konsequenzen, wie Allradantrieb, zumindest als Option. Die Resultate sind Crossover. Das ist eine Kategorisierung, die reichlich Interpretationsspielraum zulässt.

Das nützt Kia für ein weiteres Derivat des im Vorjahr erneuerten, an sich schon recht coupéhaft interpretierten Ceed. Dem folgte gleich nach dem Marktstart der SW, die klassisch gehaltene Kombi-Variante, dicht darauf kam der ProCeed, ein Shooting Brake. Jetzt geht’s weiter mit dem XCeed, bei dem, logisch, das „X“ für „Crossover“ steht. Dahinter stecken: höhere Bodenfreiheit, damit Erhöhung der Sitzposition, was SUV so beliebt macht, Radhaus- und Seitenschweller-Beplankung sowie angedeuteter Unterfahrschutz. Kia addierte noch spezifische Design-Details an Front und Heck, LED-Leuchten gehören dazu, modifizierte Stoßfänger, markanterer Kühlergrill und ausgeweitete Lufteinlässe. Die Karosserie ist bei gleich gebliebenem Radstand um 8,5 Zentimeter gestreckt. Das macht Platz für ein gegenüber dem Basis-Ceed größeres Ladeabteil, mit 31 Litern Volumenszugabe. Die Dachlinie wurde im Heckbereich zwecks Optimierung der Aerodynamik angepasst.

Viel ist die Rede von Dynamik ohne SUV-Schwere. Dazu tragen die Antriebe bei, es sind drei Benziner und ein Diesel im Hubraumbereich zwischen 1,0 und 1,6 Litern, mit einem Leistungsspektrum von 115 bis 204 PS, gekoppelt an manuelle 6-Gang- und direkt geschaltete 7-Gang-Getriebe. Sowohl Ottos als auch Selbstzünder entsprechen gefühlt der Pferdestärken-Angabe. Dem Konsumverhalten konnte aufgrund der nicht allzu ausgedehnten Testroute rund um die provenzalische Hafenmetropole Marseille noch kaum aussagekräftig auf den Grund gegangen werden. In jedem Fall erwies sich das eigens auf die Spreizung zwischen Komfort und Sportlichkeit abgestimmte Fahrwerk weder als ruppig noch als stoßig. Die Lenkung ist präziser als gefühlt. Auch schränkt die Längenzugabe die Fähigkeit des XCeed, sich auch um die allerengsten Kurvenradien zwischen scharf vorspringenden Mauersteinen zu winden, nicht ein.

Dem mehr als soliden Gesamteindruck der Mechanik entspricht die Inneneinrichtung. Das Instrumentarium kennt man von den Brüdern, auch der XCeed kann ein 12,3-Zoll-Kombiinstrument haben und ein bis zu 10,25 Zoll großes Infotainment-Touchdisplay. Die Sitze sind nach europäischem Körpermaß geschnitten, die Ergonomie passt. Auch in Bezug auf Infotainment und Assistenzsysteme sind alle Hausaufgaben demnächst positiv erledigt: Nächstes Jahr kommt ein neues Multimediasystem samt Apps und Servicediensten. Dem Elektrifizierungs-Gebot wird Kia ab 2020 mit Mild- und Plug-in-Hybriden entsprechen.

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Der Gesamteindruck, dass sich die Südkoreaner mit dem Background ihres europäischen Entwicklungszentrums den Mitbewerb ganz genau angeschaut haben, lässt vielleicht ein wenig Charakter-Eigenständigkeit vermissen. Immerhin bewies das Navigationssystem seinen eigenen Kopf und eröffnete ganz neue Einblicke in die entlegeneren Viertel von Marseille. Doch das ist wohl eher eine Sache des Zulieferers.