Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 09.11.2019


Volvo

XC90: Noch darf der Diesel bei Volvo zünden

Ein ungeliebtes Kind bleibt vorerst weiter in der Familie: Die Schweden distanzieren sich zwar medial vom Selbstzünder, im überarbeiteten XC90 darf er aber weitermachen – mit neuen Maßnahmen.

Verzicht auf jegliche Schnörkel: Der XC90 der zweiten Generation ist auch nach dem Facelift linientreu ausgefallen.

© Verzicht auf jegliche Schnörkel: Der XC90 der zweiten Generation ist auch nach dem Facelift linientreu ausgefallen.



Von Markus Höscheler

Hall i. T. – Bei einer Modellreihe hat Volvo in diesem Jahr kurzen Prozess gemacht: beim S60. Die Mittelklasse-Limousine ist in neuer Generation am Markt – aber sie muss Verzicht leisten. Für das Modell steht kein Dieselmotor mehr zur Auswahl. Damit unterstreichen die Schweden ihren Anspruch, der Elektrifizierung der Antriebsmodelle zum Durchbruch zu verhelfen und den gewöhnlichen Verbrennungsmotoren allmählich den Treibstoff abzugraben.

Ganz ohne die konventionellen Aggregate traut sich aber auch Volvo nicht – schon gar nicht in einem Segment, das traditionsgemäß auf Dieselmotoren angewiesen ist: die Oberklasse-SUV. Hier war Volvo ohnehin schon wegweisend mit der Entscheidung, großvolumige Triebwerke in die Verbannung zu schicken und nur noch Vierzylinder zu verbauen – mit diversen Hilfen wie Turbo, Kompressor oder Elektromotor versehen.

Mit der heuer erfolgten Überarbeitung kommt eine weitere Innovation zum Einsatz: der Mildhybrid. In diesem speziellen Fall wird beim Bremsen elektrische Energie erzeugt, diese abgespeichert und beim Beschleunigen wieder verwendet. Dabei wird der Verbrenner unterstützt, in Summe ergibt sich eine Reduktion beim Kraftstoffverbrauch.

Mit dieser Technik bestückt war beispielsweise der B5 des XC90, der vor wenigen Wochen im TT-Test-Fuhrpark stand. Das Aggregat, ein 235 PS starker Zweiliter-Turbodiesel, bestach dabei von Anfang an mit seiner harmonischen Laufkultur, seiner Kraftentfaltung und seinem Antritt. Der Bordcomputer befand, dass der Ölbrenner für den 2,2-Tonner mit 7,9 Litern Diesel je 100 Kilometer auskommt.

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Nennenswerte Punkte sammelte das Fahrzeug im Alltag – die Federung empfahl sich mit ihren Luftkammern für die Langstrecke, das Platzangebot für die Großfamilie (bis zu sieben Sitzplätze), der Kofferraum für großzügige Einkäufe (bis zu 1856 Liter Stauvolumen). Lediglich mit der leichtgängigen, indirekten Lenkung war das Anfreunden nicht so leicht. Im Gegenzug verwöhnte der XC90 mit hoher Traktionssicherheit (Allrad) und der bequemen Abnahme der Schaltarbeit (Achtgangautomatik).

Dass das 4,95 Meter lange SUV technisch mit der Konkurrenz mehr als mithalten kann, zeigt sich angesichts des Einsatzes eines leuchtstarken Head-up-Displays, eines volldigitalen Instrumentariums, von Voll-LED-Scheinwerfern, einer Vierzonen-Klimaautomatik und eines Sensus-Connect-Premium-Sound-Systems von Harman Kardon. Die erwähnten Details zählen zumeist zur Sonderausstattung und erklären damit den Testwagenpreis von 96.889,60 Euro.

Technik

Motor: Vierzylinder-Turbodiesel
Hubraum: 1969 ccm
Drehmoment: 480 Nm bei 1750 U/min
Leistung: 173 kW/235 PS
L/B/H: 4953/2008/1776 mm
Gewicht: 2172/2840 kg
Kofferraumvolumen: 660 — 1856 l
Tankinhalt: 71 l
Höchstgeschwindigkeit: 220 km/h
0 — 100 km/h: 7,6 Sekunden
Verbrauch: 7,9 l/100 Kilometer
Kraftübertragung: Allradantrieb
Preis: 96.889,60 Euro
CO2-Emission: 156 g/km