Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 10.09.2016


Nutzfahrzeuge

Mit voller Kraft zum neuen Laster

Im zweiten Anlauf will Volkswagen mit dem Crafter im mittleren und großen Nutzfahrzeugsegment an Bedeutung zulegen.

© WerkVon Mercedes unabhängig hat Volkswagen dieses Mal den Crafter entwickelt, einen Ableger gibt es für MAN.



Von Stefan Pabeschitz

Frankurt – Mit dem seligen LT fühlt sich zumindest Volkswagen als Begründer des C/D-Segments bei den Transportern – was stimmt, sofern die Bereitschaft besteht, die Leistungen des Mitbewerbs außer Acht zu lassen. Der LT-Erbe und ab 2005 gebaute Crafter der ersten Generation schaffte den ihm verordneten Sprung zum Marktführer nicht, Qualitätsmängel und intensive Werkstättenaufenthalte verärgerten die hart rechnende Kommerzkundschaft schneller, als die Probleme gelöst werden konnten. 2015 wurden noch bescheidene 17.000 Stück des aus einer Mercedes-Kooperation entsprungenen Sprinter-Verwandten verkauft.

Der neue will alles besser machen, dafür hieß es zurück an die Nulllinie. Als logische Synergie bot sich eine gemeinsame Entwicklung mit Volks­wagentochter MAN an, wo der neue Leiterrahmen ebenfalls genutzt wird. Die Kundenwünsche wurden abgefragt, wie es der Mitbewerb schon seit Jahrzehnten tut. Sogar ein neuer Standort musste her und wurde im Westen Polens nahe Poznan, wo schon der Caddy gefertigt wird, in nur 18 Monaten ab der Grundsteinlegung hochgezogen. Epizentren der Neuentwicklung waren Wirtschaftlichkeit, Nutzen und Vielseitigkeit – dabei hat VW diesmal nichts anbrennen lassen. Bis zur Dauer des Öffnens und Schließens der seitlichen Schiebetür wurde gefeilt – drei Sekunden Verbesserung je Vorgang summieren sich in einem Arbeitsjahr zu einer Zeitersparnis, für die bereits Tage als Maßeinheit herhalten müssen.

Der florierende Internethandel hat den mittelgroßen bis großen Transportern einen goldenen Markt-Teppich ausgerollt, auf bis zu 12.000 Stück schätzt VW das Potenzial allein in Österreich. 65 % der Transporte sind volumensbestückt, nur 35 % gehen an die Gewichtsgrenze. Mit 3,5 bis 5,5 Tonnen höchstzulässigem Gesamtgewicht und Ladevolumina von 9,9 bis 18,3 m³ will der Crafter da wie dort punkten und bietet mit drei Baulängen und -höhen auf zwei unterschiedlichen Radständen einiges an Variabilität auf. Bei der Außenhaut reicht die Auswahl von verblecht über ganz- und teilverglast. Dazu kommt selbstverständlich noch die Einzel- und Doppelkabinen-Variante mit Pritsche oder nacktem Chassis für Fremdaufbauten. Die Motorenpalette reicht von 102 über 140 bis zu 177 PS, mit Automatik und Allrad-Option ergeben sich 13 Motor/Antriebsvarianten. Herkömmlich ist der Crafter je nach Tonnage nun front- oder heckgetrieben, Letzteres mit einer Option auf Zwillingsrad-Bestückung für die höchsten Gewichtsbelastungen. Mit sieben verschiedenen Sitzvarianten bis hin zum Ergo-Aktiv-Sessel mit Massagefunktion war VW auch der Fahrerkomfort nicht egal, dazu kommt ein umfassendes Paket an Assistenzsystemen samt adaptivem Tempomat, Flankenschutz, Rückfahrkamera und Anhänger-Stabilitätsprogramm. Eine wichtige Neuerung in Sachen Fahrkomfort und Sicherheit ist die Übernahme der elektromechanischen Servolenkung, wie im Pkw-Bereich längst Standard – einige der angebotenen Assistenzsysteme sind nur mit dieser Technik anwendbar. Der Vorverkauf startet im November, die Markteinführung erfolgt im Februar 2017.