Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 01.09.2018


VW e-Crafter

Lademeister unter Strom

VW erweitert seine Nutzfahrzeug-Palette um eine Elektrovariante: Der e-Crafter bietet eine emissionsfreie Alternative.

© HerstellerMächtiger Stromer: Vorerst wird es den e-Crafter nur in der üppigen 6-Meter-Version samt Hochdach geben, kompaktere Varianten werden eventuell später nachgereicht.



Hamburg – Batterieelektrische Lieferwagen punkten dort, wo bei den E-Pkw der große Haken im Alltagsnutzen lauert: Sie sind meist in städtischen Ballungszentren unterwegs, benötigen daher kaum hohe Reichweiten und Geschwindigkeiten, stehen außerhalb der Betriebszeiten größtenteils auf Firmengelände und können dort über Nacht bequem aufgeladen werden.

Dieses Bild bestätigt die Bedarfsanalyse, die VW für die Entwicklung des e-Crafters angestellt hat: 210.000 Fahrprofile wurden dafür geprüft und haben die Eckdaten des ersten vollelektrischen Großraumtransporters der Marke bestimmt. Als Basis dient die Variante L3H3 mit 3,64 Metern Radstand, 5,99 Metern Außenlänge, 2,59 Metern Höhe und 10,7 m3 Ladevolumen mit ausreichend Stellfläche für bis zu vier Euro-Paletten. Der ausschließlich mit Vorderradantrieb angebotene e-Crafter verfügt über einen 136 PS und 290 Newtonmeter starken Elektromotor, der je nach Fahrzeugausführung bei einem höchstzulässigen Gesamtgewicht von 3,5 bis 4,25 Tonnen 970 bis 1720 Kilo Zuladung stemmt und eine rechnerische Reichweite von 170 Kilometern schafft, was in der Realität etwa 120 bis 130 Kilometer bedeutet.

In der praktischen Handhabung hat sich VW für eine relativ simple Bedienung entschieden: Es gibt weder Fahrmodi noch eine verstellbare Intensität der Rekuperation, wie sie etwa künftig im Konkurrenzmodell eSprinter von Mercedes angeboten werden. Die goldene Mitte haben die Wolfsburger dabei dennoch gut getroffen: Der e-Crafter gibt sich solide und durchzugsstark, dazu wirkt sich der tiefe Schwerpunkt mit den zentral unter dem Fahrzeugboden untergebrachten Akkus positiv auf das Handling aus, das auch in unbeladenem Zustand satt und komfortabel bleibt. Größtenteils kann im Ein-Pedal-Modus gefahren werden, da die Bremswirkung durch die Energierückgewinnung beim Nachlassen am Gaspedal etwa der üblicherweise eingesetzten Bremskraft entspricht. Bei den Testfahrten kam das linke Pedal nur noch in unerwarteten Fahrsituationen zusätzlich zum Einsatz. Die Höchstgeschwindigkeit ist, dem maximalen Bedarf auf Stadtautobahnen entsprechend, mit 90 km/h limitiert, die der e-Crafter flott und geräuschlos erreicht.

Deutlich weniger knauserig als etwa bei seinen Pkw gibt sich VW bei der Serienausstattung: Einparkhilfe samt Flanken-Sensoren, vordere Multifunktionskamera und Rückfahrkamera, LED-Scheinwerfer, Klima-Automatik, Fahrer-Komfortsitz, beheizte Frontscheibe, Navigationssystem, Sprachbedienung und Freisprecheinrichtung ergeben eine ansehnliche Mitgift. Verzurrschienen und Universal-Ladeboden sind aufpreispflichtige Extras. Grundausgestattet wird der e-Crafter mit verblechten Hecktüren und geschlossener Trennwand zum Laderaum mit einer Schiebetür rechts.

Das großzügige Paket hat allerdings einen stolzen Preis: Der Basistarif wird beim Marktstart Anfang kommenden Jahres um die 70.000 Euro netto liegen.