Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 08.09.2018


Lada

Russe mit französischen Genen für wenig Rubel

Lada bringt mit dem Vesta SW einen kompakten Kombi zum Kampfpreis. Doch er überzeugt auch durch eine passable Ausstattung.

© LetznerSowohl innen als auch außen weiß der moderne Lada zu gefallen.Foto: Letzner



Von Lukas Letzner

Inzing – Lada. Manche von uns kennen den russischen Autobauer noch aus der Kindheit. Damals wurden die Autos allerdings eher belächelt, waren sie doch als Klapperkisten verschrien, die schneller auseinanderfielen, als man sie kitten konnte. Doch die Zeiten ändern sich und mittlerweile hat Renault das Zepter bei den Russen übernommen. Dass die Franzosen wissen, wie man billige und gute Autos baut, sieht man am Beispiel Dacia, und so ist es wenig überraschend, dass unser Lada Vesta SW Cross, den wir kürzlich zum Test begrüßen durften, eigentlich recht manierlich aussah. Klar, andere Autos machen auf den ersten Blick mehr her, doch die unaufgeregte und simple Formensprache ist zeitlos und lässt den Vesta äußerst sympathisch wirken.

Im Innenraum waren wir vor allem vom Platzangebot angetan. Vorne sitzt man äußerst bequem und hat einen ausgezeichneten Überblick. Schnell findet man die passende Ablage für Smartphone, Schlüssel und Geldbörse. Auch wenn im Vesta Hartplastik das Material der Wahl ist, die Verarbeitung macht einen guten Eindruck. Selbst in der hinteren Reihe sitzen wir – trotz unserer 190 Zentimeter Körpergröße – sehr bequem. Man muss keine Angst haben, nach 300 Kilometern mit einem Bandscheibenvorfall aus dem Auto gehievt zu werden. Unser charmanter Russe wusste uns allerdings nicht nur in puncto Platzangebot zu verwöhnen: Sitzheizung, Touchscreeninfotainment mit Bluetooth und Navi, Tempomat und elektrische Rückspiegel zählen definitiv nicht zu den Zutaten, die wir im Vesta erwartet hätten. Okay, unser Testwagen war ein vollausgestattetes Topmodell, doch mit 19.000 und ein paar zerquetschten Euros bewegt er sich preislich immer noch in sehr akzeptablen Sphären.

Für ein entsprechendes Vorankommen unseres russischen Lademeisters sorgte ein 1,6-Liter-Benziner. Der Vierzylinder leistete 106 PS und stemmte ein Drehmoment von 148 Nm auf die Kurbelwelle. Man war also ausreichend motorisiert und in Anbetracht des geringen Gewichts von nur 1300 Kilogramm kam man gut voran.

So komisch das jetzt auch klingen mag: Das geringe Gewicht merkte man auch beim Aussteigen. Wer die Tür mit gewohntem Kraftaufwand aufmachen wollte, war überrascht, wie schnell und leicht diese aufflog. Gespart wurde eben auch hier.

Nichts auszusetzen gab es am Fahrwerk. Zwar war es etwas straffer ausgelegt, doch keineswegs unangenehm. Schneller gefahrene Kurven meisterte es ebenso problemlos wie gepflasterten Untergrund. Leichtgängig arbeitete die Lenkung, die sich aber nicht schwammig anfühlte.

Lediglich die Gassen der manuellen Fünf-Gang-Schaltung mussten hin und wieder zweimal angepeilt und mit etwas Nachdruck getroffen werden. Das war’s aber auch schon. In Summe ist der Lada Vesta ein recht attraktives Gesamtpaket. Immerhin erhält man einen vollwertigen Kombi mit reichlich Platz und guter Ausstattung. In die eigene Garage rollt der Lada Vesta SW dann übrigens ab 12.750 Euro.