Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 26.01.2019


Volvo

Rasanz, Glanz und Eleganz: Volvos V60 im Test

Volvo versteht sich nicht nur auf die Themen Sicherheit und Formensprache, sondern auch auf Dynamik, wie der 310 PS starke Benziner im Kombi V60 gerne zeigt.

Schon der Vorgänger war ein ansehnlicher Kombi, der Nachfolger steht ihm in dieser Hinsicht in nichts nach, ist aber moderner und hat mehr Platz.

© HöschelerSchon der Vorgänger war ein ansehnlicher Kombi, der Nachfolger steht ihm in dieser Hinsicht in nichts nach, ist aber moderner und hat mehr Platz.



Von Markus Höscheler

Innsbruck – Auf der einen Seite ist der V60 von Volvo natürlich ein Kompromiss, auf der anderen Seite scheut er genau diesen, zumindest als T6 AWD samt hochwertiger Inscription-Ausstattung. Im ersten Fall muss das Ladeabteil leichte Einbußen hinnehmen, geschuldet der hinten abfallenden Dachlinie, die dem Langheckmodell eine Coupé-Anmutung verleiht. Insofern ist es aber doch erstaunlich, dass der V60 netto wenigstens 529 Liter anbieten kann, brutto sind es 1441 Liter. In der Mittelklasse gewinnt damit kein Hersteller einen Pokal, aber die Daten sind ein großer Fortschritt gegenüber dem Vorgänger. Das hat auch damit zu tun, dass Volvo dem Nachfolger eine neue Plattform (SPA, skalierbare Produkt-Architektur) und mehr Länge spendiert hat. 4,76 Meter misst das Fahrzeug von Front bis Heck – von der Streckung haben auch die Insassen etwas, denn von Beengtheit finden wir keine Spur.

Stattdessen gibt es eine hochwertige Ausstattung, die sowohl dem Komfort als auch der Sicherheit dient: Beeindruckt sind wir beispielsweise vom Head-up-Display, vom volldigitalen Instrumentarium und vom Entertainmentsystem samt hochkant stehendem Touchscreen. Dessen Bedienung ist anfangs durchaus gewöhnungsbedürftig, die ganz großen Überraschungen bleiben dagegen aus. Stattdessen gibt es hohe Auflösung, brillante Tonqualität und eine erfolgreiche Kooperation mit Mitbringseln wie Smartphones verschiedener Hersteller.

Eine ganz eigene Kategorie stellt die Motor-Getriebe-Kombination dar: Wer bei zwei Litern Hubraum und vier Zylindern an ein eher harmloses Triebwerk denkt, geht fehl – zumal es gilt, fast 1,9 Tonnen zu einer Standortveränderung zu motivieren. Das gelingt mühelos dank der Vorleistung, die die Techniker in den Ottomotor steckten: Der Benziner ist mit Turbolader und Kompressor bewehrt, kann 310 Pferde bereitstellen und ab 2200 Umdrehungen/Minute ein sattes Drehmoment von 400 Newtonmetern entwickeln. Die Kraft wird via hervorragend arbeitender Achtgangautomatik auf beide Achsen geleitet, was der Traktion keinesfalls hinderlich ist. Längsdynamisch geht ohnehin die Post ab, keine sechs Sekunden vergehen, bis Tempo 100 km/h erreicht ist. Bis zu 250 km/h sind möglich. Wer diese Extremwerte nicht zu sehr ausreizt, wird mit einem Testverbrauch von weniger als zehn Litern je 100 Kilometern leben dürfen. Die Hauptanstrengung erfolgt jedoch anfangs – es gilt den Testwagenpreis von 77.077 Euro zu stemmen.

Nicht ganz 1,5 Kubikmeter schluckt das Ladeabteil des V60 bei umgelegten Rücksitzlehnen.
Nicht ganz 1,5 Kubikmeter schluckt das Ladeabteil des V60 bei umgelegten Rücksitzlehnen.
- Höscheler