Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 20.02.2016


Ratgeber

Nordisches Schuhwerk für heiße Boliden

Winterfreude oder -tücke? Bei PS-starken Autos entscheiden das oft die Reifen – wie Nokians neuer Hochleistungs-Winterreifen.

© HerstellerSchwarz auf Weiß: Der Nokian Winterreifen WR A4 tritt mit vielen Verbesserungen für die Saison 2016/17 an.



Von Stefan Pabeschitz

Saalfelden – Was wir hier inzwischen Winter nennen, ginge im hohen Norden auch als mittelprächtiger Sommer durch. Dementsprechend speziell werden die Reifenmodelle des finnischen Herstellers Nokian für den Kontinent ausgelegt: Das Hauptaugenmerk gilt gefährlichen Nässefilmen auf verschiedensten Oberflächen, durch Salzstreuung, Verkehrsdichte und Tageserwärmung verursacht. Schneematsch stellt hohe Ansprüche an Lenk- und Bremsverhalten. In den Dimensionen von 14 bis 20 Zoll hat Nokian im vergangenen Jahr den WR D4 präsentiert, der als erster Winterreifen überhaupt die Nassgriff-Klasse A erreichen konnte. Ab der Saison 2016/17 folgt, wenn man so will als sein flotter Bruder, der WR A4 – ein Reifen für hochmotorisierte Fahrzeuge. Vorerst wird er in 52 Dimensionen in der Größe von 16 bis 21 Zoll und in Laufflächen-Breiten von 205 bis 295 Zentimetern angeboten. Die letzten Bewertungsergebnisse stehen noch aus, da aber schon der Vorgänger WR A3 zumindest in 50 Prozent aller Dimensionen mit Nassgriff-Klasse A bewertet wurde, ist zu erwarten, dass der A4 hier noch zulegen wird.

Die für das Handling wichtige äußere Profilreihe – im Fachjargon „Außenschulter“ genannt – ist besonders stabil und abnutzungsresistent ausgeführt. Dazu leitet sie Wasser schneller als bisher ab und wirkt dadurch zusätzlich Aquaplaning entgegen. Der Mittelbereich ist durch miteinander verbundene Profilblöcke ebenfalls sehr stabil gestaltet, aber eng mit winkeloptimierten Lamellen bestückt – mit dem Fokus auf störungsfreien Geradeauslauf und maximalen Grip auf Eis und Schnee. Die Profilblöcke der Innenschulter sind zur Mitte weisend geschlossen – wieder ein Stabilitätsfaktor – und öffnen sich mit geschwungenen Rillen zur Innenseite des Rades. Das sorgt für verbesserte Ableitung von Wasser, dazu dient die in verschiedenen Winkeln verlaufende Lamellendichte für Haftung bei jedem Lenkwinkel. Entsprechend ausgeführte Ecken und Kanten an allen Profilblöcken außen wirken auf Schneefahrbahnen wie Krallen. Über die Nokian-typischen Details wie polierte Rillen für weniger Haftung von Schmutz oder Schnee zwischen den Profilblöcken oder die millimetergenaue Profiltiefenanzeige auf der Lauffläche verfügt der WR A4 ebenfalls. Durch die Hochleistungs-Silica-Mischung werden die Geschwindigkeitsklassen H, V und W erreicht – was faktisch bis zu 270 Km/h ermöglicht und nach einem Winterausflug auf die deutsche Autobahn klingt.

Apropos Tempo: Als Markenbotschafter für das nordische Reifen-Knowhow betätigt sich ab sofort der zweifache F1-Weltmeister und Kult-Finne Mika Häkkinen. Da lange Reden naturgemäß weniger seine Sache sind, dürfen wir eventuell umso beeindruckendere Vorführungen der skandinavischen Reifenqualitäten in der Praxis erwarten.

Eine Neuerung gibt es auch von Nokians SUV-Winterreifen zu vermelden: Ab der kommenden Saison werden alle Modelle mit Aramid-verstärkter Seitenwand ausgestattet und sind damit besser gegen Schnitte durch scharfkantige Steine und andere Seitenwandbeschädigungen gewappnet. Aramid wird anderweitig etwa auch für schusssichere Westen verwendet – projektilsicher werden die Pneus dadurch zwar noch nicht, aber zur Abwehr von so manchem Reifenschlitzer dürfte es reichen.




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